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Johanniter in Frankfurt-Eckenheim Begegnung mit Büchern

Die Johanniter haben in Frankfurt-Eckenheim eine Bibliothek und einen Ort zum Austausch geschaffen. Sie möchten damit ein Angebot schaffen, das Eckenheim belebt und die Menschen zusammen bringt.

Eckenheim
Stefanie Sy hat den Überblick über alle Werke, die Besucher durchstöbern und vorlesen können. Foto: Michael Schick

Eigentlich ist die Bezeichnung schon falsch. Findet zumindest Stefanie Sy. Bibliothek – irgendwie komme da nicht recht zum Ausdruck, was man eigentlich sein wolle. „Begegnungszentrum würde ich es eher nennen“, sagt Sy. Sie steht in einem Raum im ersten Stock des Johanniter-Gebäudes in Eckenheim, nicht zu groß und nicht zu klein, weiß gestrichene Wände, rechteckig geschnitten, schlicht gehalten.

Zwei Wandseiten stützen Regale, in denen sich Buchrücken an Buchrücken reiht. Vor dem Fenster stehen zwei Sofas, getrennt durch einen Tisch. Wem es beliebt, der kann ein Buch mitnehmen, kostenlos, aber ebenso eines hineinstellen, oder herkommen, um sich zu unterhalten. Das ist es, das Begegnungszentrum. Und Sy ist so etwas wie seine Ziehmutter.

30 Jahre alt ist sie, vor neun Jahren kam sie der Arbeit wegen nach Eckenheim, für den ambulanten Pflegedienst der Johanniter. Als vor wenigen Jahren andernorts in Niederlassungen der Johanniter Bücher aussortiert wurden, war Sy ihre Retterin. „Ich kann Bücher einfach nicht wegwerfen“, sagt sie. Also wurden sie gesammelt. Rund 500 Stück sind zusammengekommen. Vom Sachbuch über Fantasy bis hin zum Krimi.

Sy hat nicht bloß aufbewahrt, sie hat sich dafür eingesetzt, dass in Eckenheim ein Raum geschaffen wird, in dem jedes der Bücher frei zugänglich würde. Sie habe das wirklich durchgeboxt und dafür gekämpft gegen die, die nur auf die Wirtschaftlichkeit schauten, erzählt eine Kollegin. Heute sei man froh, dass Sy so einen Durchhaltewillen gehabt habe. Im Februar 2017 wurde der Raum offiziell eröffnet.

Wer verstehen will, warum diese Frau sich so vehement einsetzte, bekommt zwei Antworten. Eckenheim sei eine Kleinstadt, da müsse etwas Vertrautes geschaffen werden, etwas, damit sich die Leute wieder mehr miteinander beschäftigen, sagt Sy. Sie nennt das „beleben“.

Die andere Antwort ist Sy selbst – oder zumindest ihre Liebe zu Büchern. Sie liebe es zu lesen. Einmal habe sie eine Liste geführt, wie viele Werke sie in einem Jahr gelesen hat. 50 bis 60. „Ich lese einfach alles“, sagt sie. Ebenso das, was sie eigentlich gar nicht lesen mag. Dann brauche es schon einmal länger, um zum Ende zu kommen. Gefällt ihr ein Buch, hat sie es in zwei Tagen durch.

Qualitätsmerkmale für die Werke, die in Eckenheim im Regal stehen, gibt es keine. Es ist zu finden, was zusammenkommt. Für sich selbst indes hat Sy klare Vorstellungen. Ein Buch müsse gut geschrieben sein, grammatikalisch richtig, die Sätze nicht zu verschachtelt. „Sodass ich mich fallen lassen kann.“

Lesen biete viele Möglichkeiten: die Erweiterung des Horizonts beispielsweise. Man könne aber auch die Sprache dadurch verbessern, sagt Sy. Doch durch ihre bloße Anwesenheit haben die Bücher schon einen Nutzen. Der Raum wird auch für Beratungsgespräche zur Trauerbewältigung bei Kindern und Jugendlichen vom Lacrima-Projekt genutzt. „Bücher machen gemütlich“, sagt deren Leiterin Melanie Hinze.

Wochentags von 8 bis 12 Uhr ist der Raum geöffnet, der von den Johannitern ehrenamtlich betrieben wird. Der Zuspruch ist noch zurückhaltend. Ein wenig frustriere das schon, sagt Sy. Sie glaube aber, dass viele vom Wort Bibliothek abgeschreckt seien. Denn eigentlich ist die Bezeichnung ja schon falsch.

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