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Heinrichs Bierstübchen in Frankfurt-Niederursel Kampf um Heinrichs Bierstübchen

Ortspolitiker setzen sich für den Erhalt eines beliebten Wasserhäuschens in Frankfurt-Niederursel ein.

11.08.2018 12:00
Naim Yildirim
Das Büdchen von Naim Yildirim in der Niederurseler Landstraße hat viele Sympathisanten. Foto: Monika Müller

Fast schon demonstrationsartig mutet die Tagung des Ortsbeirats 8 im Nordwestzentrum an. Zur Bürgerfragestunde am Donnerstagabend sind rund zwei Dutzend Trinkhallen-Befürworter gekommen, die Schilder mit Sätzen wie „Das Büdchen muss leben“ bei sich tragen. Es geht ihnen um „Heinrichs Bierstübchen“, das kultige Niederurseler Wasserhäuschen, das künftig ohne den beliebten Wirtschaftsgarten auskommen soll – so der Beschluss der Bauaufsicht.

„Ohne Schankerlaubnis ist mir ein Weitermachen nicht möglich“, erklärt der Büdchen-Betreiber Naim Yildirim gegenüber dem Ortsbeirat. Das Stadtteilgremium hatte nach Antragschluss für die August-Sitzung kurzfristig zwei Gesuche an den Magistrat formuliert, die mit hoher Priorität in die Tagesordnung eingeschoben wurden. Nach einem Solidaritätstermin Ende Juli, zu dem die Stammgäste des Büdchens in der Niederurseler Landstraße 54 auch das Stadtteilgremium eingeladen hatten, beschlossen CDU- und SPD-Fraktion gesondert voneinander, dass zum Erhalt der Wasserhäuschen-Kultur im Ortsbezirk 8 dringend etwas getan werden muss.

„Wasserhäuschen, auch die mit Wirtschaftsgarten, haben in Frankfurt eine lange Tradition“, erklärt SPD-Antragsteller Uwe Stein. „Sie dienen nicht nur zur Nahversorgung, sondern sind auch ein wichtiger Stadtteil-Treffpunkt.“ Yildirims Stübchen etwa sei eine Anlaufstelle für Kinder der benachbarten Heinrich-Kromer-Schule, nach der der Kiosk benannt ist – „und für praktizierte Integration“, macht Stein deutlich. „Menschen unterschiedlichster Herkunft lernen sich bei mir am Tresen kennen und verstehen“, bestätigt Yildirim.

Das wissen die Stadtteilbewohner zu schätzen. Mehr als 150 Nachbarn und Stammgäste haben vor Ort schon ihre Unterschrift für eine Verlängerung der Schankerlaubnis abgegeben. Diese war dem Wasserhäuschen-Wirt von der Bauaufsicht nur vorübergehend erteilt worden und im Herbst 2017 ausgelaufen.

Eine Verlängerung ist laut Uwe Amend vom Amt für Bauaufsicht nicht rechtzeitig beantragt worden, zudem habe es Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben. Die Beschwerdeführer indes sind nicht bekannt. „So kann ein persönliches Gespräch natürlich nicht zustande kommen“, kritisiert Uwe Stein, „dabei liegen beim zuständigen Polizeirevier oder der städtischen Behörde für Sicherheit und Ordnung keine Verfehlungen vor.“

Auch die CDU-Fraktion plädiert in einem Antrag an den Magistrat für den Erhalt des Wirtschaftsgartens. „Schließlich wirbt die Stadt Frankfurt auf ihrer Homepage mit der langen Tradition der Wasserhäuschen“, erklärt Antragstellerin Katja Klenner. Sie bedauert, dass immer mehr Trinkhallen im Ortsbezirk 8 geschlossen werden und verweist auf das Schicksal der Nordweststadt-Büdchen am Gerhart-Hauptmann-Ring und in der Bernadottestraße. Daher sei es umso wichtiger, Heinrichs Stübchen zu erhalten.

Die Argumente von SPD und CDU stießen im Ortsbeirat auf großen Zuspruch. Um die Dringlichkeit des Themas zu betonen, fasste das Gremium die einzelnen Anträge zu einem interfraktionellen Antrag zusammen und verabschiedete ihn einstimmig.

 

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