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Heddernheim Aufschrauben statt Wegschmeißen

Beim Repair-Café am Begegnungszentrum werden jetzt auch Fahrräder auf Vordermann gebracht. Damit wird eine von Anfang an existierende Idee umgesetzt.

Repair Café
Peter Hertlein (links) und Imke Eichelberg (unten) nehmen das Fahrrad von Uwe Heinicke (rechts) in Augenschein. Foto: Michael Schick

Das schwarze Damenrad, das von mehreren Leuten beäugt wird, hat schon bessere Tage gesehen. Kette und Sattelstange sind verrostet, der Bremszug hängt schlaff herunter, das Schutzblech scheppert bei fast jeder Berührung.

Gleich zwei Ehrenamtliche des Heddernheimer „Reparatur-Cafés“ nehmen sich am Samstagnachmittag vor dem Begegnungszentrum der defekten Vorderbremse an. Walter Jahn und Jürgen Engel, der seinen großen Werkzeugkoffer neben sich gestellt hat, ziehen die Bremsleitung in wenigen Momenten wieder fest. Jahn zeigt dem Mann mittleren Alters, der das Rad vorbei gebracht hat, wie er den Sattel ziemlich einfach mittels „Schnellverschluss“ in der Höhe verstellen kann.

Erstmals, nachdem die Bastler-Werkstatt im Januar dieses Jahres eröffnet hat, wird auch an Rädern geschraubt. Drinnen werden an Tischen Toaster, Lampen sowie andere Elektrogeräte auseinander geschraubt und buchstäblich unter die Lupe genommen, um sie besser inspizieren zu können. Zwei Frauen tauschen sich über Natron zur Reinigung von Gießkannen aus.

Draußen, vor dem Flachdach-Waschbeton-Bau, steht Imke Eichelberg, Nachhaltigkeitsberaterin und Initiatorin des Reparatur-Cafés. „Eine Radwerkstatt war von Anfang an geplant“, berichtet die 29-Jährige über das Kooperationsprojekt vom Frankfurter Verband sowie der Umweltschutz-Initiative „Transition Town“, das vom Umweltministerium im Rahmen der „Kurzen Wege für den Klimaschutz“ gefördert wird.

Rund zehn ehrenamtliche Reparateure kämen allmonatlich zusammen, um Besuchern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn beispielsweise der CD-Spieler, Küchengeräte oder das Smartphone nicht mehr funktionieren. „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, sagt Eichelberg. Insbesondere ältere Menschen würden vorbeikommen, um ihre Geräte reparieren zu lassen und auch, um ein Schwätzchen zu halten. Diese Erfahrung hat auch Jürgen Engel gemacht. Der 59-jährige IT-Spezialist aus Heddernheim sagt: „Es kommen überwiegend ältere Leute, die sich vielleicht keinen Reparaturbetrieb leisten können und Kontakt suchen“.

Hubert Stierhof ist eigentlich nur vorbeigekommen, um sich künftig als Helfer anzubieten und ein Anmeldeformular auszufüllen. Der 62-Jährige schaut sich dann aber auch das verrostete Damenrad näher an, klinkt sich in das Gespräch über die Defekte mit ein und gibt Tipps zur Instandsetzung der Vorderbremse. „Aus meinem Bekanntenkreis kenne ich viele Leute mit zwei linken Händen“, sagt der Preungesheimer. Nicht nur in der Nachbarschaft würde er etwa bei lahmenden Rasenmähern als Experte hinzugezogen, auch bei Repair-Cafés am Dornbusch und am Riedberg habe der Pensionär schon ausgeholfen. „Mir ist das schnelle Wegwerfen zuwider“, sagt Stierhof und spricht von einem „Obsoleszenz-Kampf“, bei dem Hersteller ihre Waren so produzierten, dass sie schneller alterten und früher kaputt gingen.

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