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Heddernheim Auf verschwundenen römischen Spuren

Auch ohne sichtbare archäologische Überbleibsel ist die Führung durch die Römerstadt sehr anschaulich und bietet spannende Erkenntnisse.

Archäologisch historischer Rundgang durch Heddernheim
Sogar von einem Kriminalfall aus römischen Zeiten kann Rudolf Klopfer berichten: An dieser Stelle wurden Skelette gefunden. Foto: Monika Müller

Wir sehen hier leider gar nichts mehr, die Führung lebt größtenteils von der Fantasie“, eröffnet Rudolf Klopfer die Sonntagsführung des Archäologischen Museums. Knapp 40 Teilnehmer haben sich bei strahlendem Sonnenschein zum archäologisch-historischen Rundgang durch das „verschwundene“ Heddernheim eingefunden. Und tatsächlich ist weder am Treffpunkt des Rundgangs, der Bushaltestelle Römerstadt, noch auf einer der weiteren elf Stationen sonderlich viel von der ehemaligen römischen Stadt Nida zu sehen.

Als Hauptgrund dafür führt der Archäologe Klopfer sowohl den Bau der Römerstadt zum Ende der 1920er-Jahre als auch den späteren Bau der Nordweststadt an. Als „etwas unglücklich“, bezeichnet er die Durchführung der damaligen Bauvorhaben, da dadurch der Großteil der archäologischen Substanz zerstört wurde. Doch diese fehlenden baulichen Überreste hindern ihn keinesfalls daran, die Geschichte des Ortes dennoch anschaulich zu erzählen. Seine Blütezeit erlebte der Ort im zweiten Jahrhundert nach Christus, als „die anfänglichen Holz- durch Steinbauten ersetzt wurden und bis zu 1500 Menschen hier lebten“, berichtet er.

Als Hauptort der sogenannten Civitas Taunesium, einer römischen Verwaltungseinheit, war dies keineswegs ein unbedeutender Ort, sondern vielmehr eine „recht bedeutende Stadt, in der Recht gesprochen und Handel betrieben wurde“, so Klopfer weiter.

Doch der Druck der im Umland lebenden Germanen beginnt zu steigen, das römische Militär zieht sich allmählich aus dem rechtsrheinischen Gebiet zurück und spätestens 285 nach Christus, „sind die Römer weg und die Alemannen kommen“, so Klopfers kurze Zusammenfassung.

Am Praetorium, einem ehemaligen Legionslager, vorbei geht es weiter die Straße „In der Römerstadt“ hinunter bis zu einer Brachfläche, auf der im Winter Weihnachtsbäume verkauft werden. Mit Blick auf zwei graue Schutzbauten, unter denen die Reste einer römischen Töpferei ruhen, erzählt Klopfer den gespannt lauschenden Zuhörern eine lebhafte Kriminalgeschichte aus der Mitte des dritten Jahrhunderts. In einem sechs Meter tiefen Brunnen entdeckten Archäologen des Frankfurter Denkmalamtes im Jahr 1993 die Skelette von zwei Erwachsenen und einem Kind, „die brutal ermordet und anschließend in den Brunnen geworfen wurden“, wie er berichtet.

Auch wenn sich über den Tatvorgang nur Mutmaßungen aufstellen lassen, so Klopfer weiter, ergab eine anthropologische Analyse, dass es sich bei den Opfern um Angehörige einer germanischen Volksgruppe handelte. Mehr noch, für die Ausstellung „Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich“ ließ sich zudem sogar das Gesicht der germanischen Frau rekonstruieren. Dieses ist „seitdem ebenfalls in der Dauerausstellung des Archäologischen Museums zu sehen“, schließt er mit dem Verweis auf die Sichtbarkeit zumindest dieses Teils der Geschichte Nidas.

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