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Grüne Soße in Frankfurt-Heddernheim Die Grüne-Soße-Sensation

Das vermutlich älteste Rezept der Welt für Grüne Soße wird in Frankfurt-Heddernheim gefunden - auf einer römischen Sandsteintafel. Bei der Präsentation am Sonntag gibt es Gratis-Apfelwein.

Grüne-Soße-Rezepttafel
Da ist das Ding: Markus Schmid, Andrea Hahnl und Thorsten Barufke-Schmidtell (v.l.) mit der römischen Grüne-Soße-Rezepttafel. Foto: Renate Hoyer

Ein Sensationsfund bereichert den Frankfurter Frühling: In Heddernheim wurde das vermutlich älteste Grüne-Soße-Rezept der Welt entdeckt – mehr als 2000 Jahre alt. Am Sonntag können sich alle davon überzeugen.

Das Beweisstück sieht erstaunlich gut erhalten aus. „Es wurde ja auch restauriert“, sagt Markus Schmid, der Vorsitzende der Turnerschaft Heddernheim. Bei dem Fund handelt es sich um eine Steintafel aus der Römerzeit, die der Verein bei der Hallensanierung ausgrub. „Wir hatten hier eine Riesenbaustelle“, berichtet Thorsten Barufke-Schmidtell, der zweite Vorsitzende, „und mitten darin ruhte das gute Stück.“ Das war schon 2014. Damals ahnte noch niemand, was für einen Schatz die Turnerschaft da gehoben hatte.

Aber der Restaurator Alexander Knorr, der sich des Objekts annahm, hatte einen Verdacht. Original-Mainsandstein, lautete seine Expertise, und die Inschrift könnte bedeutsam sein. Daraufhin prüfte der Altphilologe Stephan Spenner die Schriftzeichen – und tatsächlich: „Ganz klar im römischen Limes-Dialekt verfasst“, jubelt Markus Schmid. Dass es ohne Zweifel ein Grüne-Soße-Rezept ist, krönte die Freude über den Fund. Bisher hatten Dokumente aus dem 19. Jahrhundert als älteste Grie-Soß-Niederschriften gegolten.

Was aber steht konkret geschrieben? „AD TABERNAM HABELI XI“, geht es los – ein Hinweis darauf, dass es schon zu jener Zeit eine Schenke in der Habelstraße gegeben haben muss, genau wie heute. Und direkt darunter: „HUMANI CULTUS AUGENDI NIDENSIS SODALITAS“ – zu Deutsch: Gemeinschaft zur Förderung der Kultur in Nida. Die Wissenschaftswelt ist elektrisiert.

Fett gemeißelt dann: „VIRIDI CONDIMENTI COMPOSITO“, was so viel bedeutet wie Rezept für (oder auch: Zusammensetzung von) Grüne(r) Soße. „Vermische mit saurer Sahne die folgenden sieben Kräuter“, geht es weiter. Die Heddernheimer sind natürlich vollkommen aus dem Häuschen und brennen darauf, den Fund am Sonntag, 1. April, der Allgemeinheit zu präsentieren.

Es folgen Hinweise zum Würzen („ein kleines Maß an Senf und Pfeffer und Salz“), und dann unmissverständlich: „ANETHUM NULLO MODO ADICIAS! ID ENIM SOLI FACIUNT BARBARI“. Übersetzt: „Dill sollst du auf keinen Fall reintun! Das machen nämlich nur Barbaren“.

Wer je etwas anderes in Sachen Dill behauptet habe, müsse auf ewig verstummen, triumphieren die Finder. Und: „Wir halten hier den Beweis in Händen, dass die Grüne Soße wirklich aus Heddernheim stammt“, sagt Schmid. „Oberrad kann einpacken.“ Das Grüne-Soße-Denkmal müsse folglich über den Main in den Norden verlegt werden, fordert auch Andrea Hahnl vom Kulturtreff „Habel.elf“, der zum Museum ausgebaut werden und die wertvolle Sandsteintafel beherbergen soll. Über verschärfte Sicherheitsvorkehrungen berät der Vorstand bereits. „Auf jeden Fall brauchen wir hier einen Grüne-Soße-Freizeitpark“, sagt Schmid. „Wir erwarten einen Ansturm wie in Nebra.“ Dort war 1999 eine jahrtausendealte Darstellung des Himmels gefunden worden. „Aber step by step, eins nach dem anderen“, sagt Markus Schmid, „wir wollen das jetzt alles sehr behutsam aufbauen.“

Für die Turnerschaft erwarten die Finder einen Mitgliederzuwachs, für die Stadt einen Tourismus-Boom dank des Römer-Rezepts. „Unsere Vereinsfarbe ist ja auch Grün“, sagt Barufke-Schmidtell, „wahrscheinlich wegen der Grünen Soße!“ So fügt sich eins zum anderen. Ein Sechs-Jahres-Plan soll sicherstellen, dass der nächste Oberbürgermeister aus Heddernheim kommt. „Und niemand darf mehr Frankfurter OB-Kandidat werden, der die sieben Kräuter nicht kennt!“, heißt die Maxime nach den teils niederschmetternden Erkenntnissen des vergangenen Wahlkampfs in dieser Hinsicht.

Noch seien übrigens gar nicht alle Funde aus der Baugrube von 2014 ausgewertet, lassen die Grüne-Soße-Revolutionäre durchblicken. „Vielleicht muss die ganze Frankfurter Geschichte neu geschrieben werden.“

Beim Grüne-Soße-Festival im Mai werden die Heddernheimer selbstverständlich mit dem römischen Originalrezept antreten, so steht es bereits im gedruckten Festivalprogramm. Wer schon vorher den Schnittlauch-Atem der Geschichte schnuppern will, ist herzlich eingeladen für den morgigen Sonntag. Dann wird die bald weltberühmte Grüne-Soße-Tafel präsentiert, und dazu gibt es Gratis-Apfelwein für die Besucher.

Hinweis: Aber nein, das ist nur ein Aprilscherz!

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