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Ginnheim Rüben als Retter

Die Klimawerkstatt will zu nachhaltigem Umgang mit Lebensmitteln animieren. Die Ginnheimer sollen mehr regionale Produkte essen statt weit gereistem.

Ein süß-säuerlicher Duft liegt in der Luft. Es riecht nach Kohl in den warmen Räumen des Begegnungszentrums in Ginnheim. Der Geruch kommt aus der Küche. Etwa 20 Teilnehmer lernen im Kochkurs, Rohkostgemüse, wie Kohl und Rote Beete zu fermentieren. Mit Salz und Wasser wird das kleingeschnittene Gemüse haltbar gemacht. Der Kurs ist eine Veranstaltung der Klimawerkstatt Ginnheim. Er soll zu nachhaltigem Umgang mit Lebensmitteln animieren.

Bevor das Gemüse gehobelt, gestampft und eingelegt wird, gibt es in einem Vortrag von den Kursleiterinnen Karen Schewina und Birte Friebel nützliche Informationen zum Thema. „Essen sie am Anfang am besten nicht zu viel – der Magen muss sich an die ganzen guten Bakterien erst einmal gewöhnen“, rät Friebel.

Beide Kursleiterinnen nehmen am Projekt „solidarische Landwirtschaft“ teil. In einer Gemeinschaft sammeln sie einmal im Jahr Geld, das an einen Bauern aus der Region geht. Dafür baut der Landwirt Obst und Gemüse für die Gruppe an. Die Ernte können sich die Teilnehmer einmal im Monat abholen. So wird ein Teil des Einkommens für den Landwirt gesichert und die Gruppe profitiert vom frischen Bio-Gemüse.

„Man weiß nie, was man bekommt“, sagt Schewina. Da könne es schon mal passieren, dass man unglaublich viel Rote Bete auf einmal hat. Damit das Gemüse nicht weggeschmissen werden muss, möchte die Kulturanthropologin zeigen, wie man es haltbar macht.

Der Anstoß für Sybille Fuchs, sich mit ihrer Klimawerkstatt für das Förderprogramm zu bewerben, kam durch das „Kirchplatzgärtchen“. Seit 2013 betreut sie das Urban-Gardening-Projekt in Ginnheim. Hier werden mehrere Hochbeete mit Nutzpflanzen gemeinsam gepflegt und das Obst und Gemüse geerntet. Das Projekt, das auch eine Samentauschbörse und die Abendveranstaltung „Wohnzimmergespräche auf dem Kirchplatz“ anbietet, ist beliebt im Stadtteil.

Mit der Klimawerkstatt, ursprünglich „Carpe Futurum“ genannt, soll jetzt eine feste Begegnungsstätte im Stadtteil entstehen, die das Gärtchen ergänzt. Pflanzen, Gemüse und auch Erfahrung sollen hier ausgetauscht werden. Filmabende, Vorträge und Kochkurse zum Thema Stadtgärtnern, Selbstversorgung oder Permakultur sollen das Gemeinschaftsgefühl und den Klimaschutz im Stadtteil fördern.

Zu Beginn hatte Fuchs für die Begegnungsstätte die Räume des Wasserhäuschens auf der Ginnheimer Landstraße 137 ins Auge gefasst. „Das haben wir aber leider nicht bekommen“, sagt die Projektleiterin. Bis etwas Passendes gefunden ist, laufen die Veranstaltungen im Begegnungszentrum und in verschiedenen Vereinsräumen. „Das hat natürlich den Vorteil, dass wir uns mit mehr Menschen austauschen können“, sagt Sybille Fuchs.

Mit bis zu 137 074 Euro vom Förderprogramm des Bundes und 4000 Euro vom Frankfurter Energiereferat wird das Klimaschutzprojekt finanziert. Auch Spenden und Geld aus dem Ortsbeirat fließen in das Projekt. Wie bei allen drei Gewinnern des Förderwettbewerbs, wird das meiste Geld für Personalkosten ausgegeben.

Unterstützung bekommt Sybille Fuchs von Stephanie Knoblach. Sie wartet zurzeit auf einen Studienplatz und macht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in der Klimawerkstatt. „Eine FÖJ-Stelle bringt frischen Wind ins Team, deshalb wollte ich das gerne für unser Projekt“, sagt Fuchs. Knoblach habe viel Engagement und bringe sich immer mit neuen Ideen ein. Der Rest des Fördergeldes wird für Infomaterial und die Kosten der Vorträge und Kochkurse ausgegeben.

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