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Ginnheim Das Wir-Gefühl stärken

Jugendliche erkunden ihren Stadtteil multimedial. Die Ergebnisse stellen sie bei einem Rundgang durch Ginnheim vor.

JUZ-Projekt in Ginnheim
Beim Juz-Projekt agieren Jugendliche mit älteren Bewohnern des Stadtteils. Foto: Monika Müller

Aus einem Lautsprecher hallt die Stimme von Gertrud Cannizzaro über den Innenhof eines Wohnblocks nahe der Rosa-Luxemburg-Brücke. „Die Jugend hält jung“, zitiert die elektronisch verzerrte Aufnahme der 76-Jährigen, die neben zwei Schülerinnen auf einer Bank sitzt und ihrer eigenen Stimme lauscht. Die Mädchen tragen selbstgebastelte Masken aus bunten Federn und Müll, eine Erinnerung an den Schmutz am Straßenrand.

Um den Lautsprecher versammelt sich eine kleine Menschentraube. Ihr Halt im Innenhof ist nur eine der sieben Stationen des Stadtrundgangs, auf dem das Jugendzentrum (JUZ) die Ergebnisse seines multimedialen Projekts „Nächster Halt: G-Town“ präsentiert. G-Town, so nennen die Jugendlichen ihren Stadtteil seit vielen Jahren, sagt JUZ-Leiterin Ulrike Fritz. Um die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit der Gegend rund um die Brücke geht es im von der Bildungsstätte Anne Frank und dem Land Hessen geförderten Projekt. Es entstand vergangenes Jahr im Rahmen der Masterarbeit von Jana Lauer und Mogli Cruse.

„Es findet wenig Austausch zwischen Alt und Jung im Viertel statt“, sagt Mogli Cruse. „Doch das Interesse von beiden Seiten aneinander ist groß. Ziel des Projekts war es, ein Wir-Gefühl zu schaffen.“ Dafür zogen die Jugendlichen mit eigenen Fragen an die Anwohner durchs Viertel. Kommentare zum Gegensatz von Luxusimmobilien und Hochhäusern, zu Schmutz und Müll schallen als Ergebnis aus der Lautsprecher-Box, die Cruse mitführt.

Aus ihrem Studiengang „Performative Künste in sozialen Feldern“ an der Frankfurter Fachhochschule haben die Projektleiterinnen den multimedialen und performativen Ansatz mitgenommen. Das Experimentieren mit den unterschiedlichen Medien habe aber ganz in den Händen der Jugendlichen gelegen, so Jana Lauer. Jede durch die Durchsage: „Nächster Halt G-Town“ angekündigte Station mit Tanz-, Audio- und Videobeiträgen, sei ganz nach den Vorstellungen der Jugendlichen entstanden.

Nahe des JUZ leuchtet an einer Betonwand der Rosa-Luxemburg-Brücke ein grelles Graffiti, mit dem sich die Jugendlichen einen kleinen Traum erfüllten. „Wir wollten schon sehr lange ein eigenes Graffiti machen“, sagt der 14-jährige Mamut. Zusammen mit anderen Jungs und einem Graffitikünstler hat er die Postleitzahl Ginnheims an die Brücke gesprüht. Auf dem Rundgang tragen sie alle Schutzkleidung und eine Plastikplane, auf die Videoaufnahmen von der Aktion projiziert werden.

„Wir arbeiten nicht gegen, sondern mit der Realität des Stadtteils“, erklärt die JUZ-Leiterin ihren Ansatz. Dazu gehörten auch Müll und Lärm. Als die Gruppe zum nächsten Halt des Rundgangs zieht, zwitschern Vögel aus dem Lautsprecher unter der Brücke, an der die Autos vorbei und aus dem Stadtteil hinaus rauschen.

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