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Frankfurter Berg Mehr als nur Hochhäuser

Der Frankfurter Berg leidet noch immer unter seinem Ruf, wie eine TV-Reportage kürzlich verdeutlichte. Doch das Viertel ist vielfältig: Arbeiterkolonien und Grünflächen reihen sich aneinander.

Frankfurter Berg
Die Siedlung „Taunusside“ wird in Zukunft Teil des Baugebietes Im Hilgenfeld sein, in dem mehr als 2000 Menschen wohnen sollen. Foto: Michael Schick

Die Empörung über die Spiegel-TV-Reportage (die FR berichtete) ist immer noch spürbar am Frankfurter Berg, auch Wochen nach ihrer Ausstrahlung. Fragt man die Menschen, hört man vor allem immer wieder einen Satz: „Die können doch unseren Stadtteil nicht auf eine negative Geschichte reduzieren.“ Wer sich vor Ort umschaut, kann diese Reaktion nachvollziehen.

Denn der Frankfurter Berg, dieser jüngste aller Frankfurter Stadtteile, der erst 1996 eigener Stadtteil wurde, hat wesentlich mehr zu bieten als ein paar Hochhäuser, von denen immer wieder die Rede ist. Sie machen im Gegenteil sogar nur einen sehr kleinen Teil in einem sehr vielfältigen Viertel aus.

Die Hochhäuser im Bereich von Julius-Brecht-Weg, Berkersheimer Weg und Heinrich-Plett-Straße gehören natürlich dazu. Sie wurden Ende der 60er Jahre errichtet, als sozialer Wohnungsbau – und galten viele Jahre als sozialer Brennpunkt. Nicht von ungefähr, denn Probleme gab es dort. Drogen, Armut, Kriminalität. All das gibt es auch noch heute, aber in wesentlich geringererem Umfang – und nicht prägend für das gesamte Stadtviertel.

Denn überquert man die Homburger Landstraße, die die Hochhaussiedlung im Westen begrenzt, steht man schon architektonisch in einer anderen Welt. Hier befindet sich der Ursprung der einstigen Bonameser Siedlung Frankfurter Berg.

Hier, rund um die Straßen Hagebuttenweg, Lupinenweg, Schlehenweg, Holunderweg, Ginsterweg und Fliederweg entstand bereits 1937 eine Arbeiterkolonie. 310 Wohnungen als Heimstätten, freistehend, eingeschossig, mit Satteldach und der Möglichkeit, Gärten zur Selbstversorgung anzulegen. 1948 erhielt die Gegend Zuwachs, in Form der so genannten Bizonalen Siedlung. Damals bestand die Option, dass Frankfurt Bundeshauptstadt wird.

Um dem in diesem Fall erwarteten Zuzug von Bundesbeamten vorzugreifen, entstanden 340 Wohnung am Wickenweg, Weißdornweg, Rotdornweg und Ebereschenweg. Ganze Häuserzeilen, die noch heute ein Gefühl von dörflicher Idylle in der Großstadt vermitteln. Mit einem sozialen Brennpunkt hat das nichts gemein. Hier verstehen sich viele Menschen noch als funktionierende Nachbarschaft.

Ähnlich sind das im Bereich südlich des Berkersheimer Wegs, zwischen Liguster- und Azaleenweg aus, wo in den 50ern weitere rund 300 Wohnungen gebaut wurden. Knapp 30 Jahre später kamen entlang des Azaleenwegs noch einmal etwa 75 dazu.

Und das Wachstum ist noch lange nicht abgeschlossen. Nordwestlich des Bahnhofs Frankfurter Berg, an der Straße Im Hilgenfeld, steht seit einigen Jahren die Siedlung Taunusside, die um 850 Wohnungen erweitert werden soll.

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