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Frankfurter Berg Fernsehreportage sorgt für Empörung

Bürger vom Frankfurter Berg und der Ortsbeirat 10 kritisieren einen Beitrag von Spiegel TV. Er gebe dem Quartier das „Image eines sozialen Brennpunktes“.

Julius-Brecht-Straße
Der Fokus des Berichts liegt auf der Julius-Brecht-Straße. Foto: Christoph Boeckheler

Redet man in diesen Tagen mit Bürgern vom Frankfurter Berg, kommt ein Thema sehr schnell zur Sprache: eine Reportage von Spiegel TV. Die hat für Unruhe gesorgt, viele Menschen im Stadtteil fühlen sich durch sie stigmatisiert und ihre Heimat falsch dargestellt. Auch im Ortsbeirat 10 teilt man diese Sorgen.

Im Film lässt sich schnell der Eindruck gewinnen, am Frankfurter Berg gehe es nur um Drogenhandel und Armut. Drei Dealer werden begleitet, sie laden das Kamerateam in eine vermeintliche Crack-Küche in einem der Hochhäuser in der Julius-Brecht-Straße ein. Auf der Straße befragte Bürger reden von Perspektivlosigkeit. Schon der Titel der Reportage legt nahe, in welche Richtung sie gehen soll: „Unterwegs mit Dealern und Crack-Köchen. Sozialer Brennpunkt Frankfurter Berg“.

Michael Bartram-Sitzius ist wütend. Der SPD-Abgeordnete im Ortsbeirat sagt Dinge, die hier lieber nicht zitiert werden. Er sagt aber auch, dass er ausgiebig von den Reportern befragt wurde. Bei diesem Gespräch habe er auf die „zahlreichen Initiativen im Stadtteil hingewiesen, auf das Jugendhaus, das Teenie-Café Edwards Garden, auf viele ehrenamtlich Aktive, die alle dazu beigetragen haben, dass sich die Situation am Frankfurter Berg verbessert hat“. Auch die Polizei mit der massiven Erhöhung ihrer Präsenz sei in diesem Zusammenhang zu nennen. Eingang in die Reportage habe all das dann mit dem Satz „Die Situation habe sich angeblich verbessert“ gefunden.

Kein Gehör gefunden

Bartram-Sitzius beklagt, dass die von ihm genannten Einrichtungen kein Gehör gefunden hätten. Diese Kritik teilt auch eine Beschwerde, die offiziell an Spiegel TV geschickt und bei der Sitzung des Ortsbeirates mit Applaus bedacht wurde. In dem Schreiben, das unter anderem vom Wohnprojekt Prowokulta, von der Deutschen Jugend Russland und dem Frauentreff am Frankfurter Berg unterzeichnet ist, heißt es, dass verschiedene Blickwinkel nicht beachtet worden seien. Das „Image des sozialen Brennpunktes“ werde der heutigen Situation nicht gerecht. Die suggerierten „Banlieue-Verhältnisse“ herrschten am Berg nicht.

Existierende Probleme, darin sind sich alle Beteiligten einig, dürfen nicht verschwiegen werden. Michael Bartram-Sitzius, der auch Vorsitzender des Bürgervereins im Stadtteil ist, kennt die drei Jungs aus dem Film, die seines Wissens nach aus Berkersheim stammen. Und natürlich weiß er auch, dass am Frankfurter Berg Drogen konsumiert und verkauft werden. „Aber einen ganzen Stadtteil, der aus viel mehr als den Hochhäusern besteht, auf diesen einen Aspekt zu reduzieren, das geht nicht.“

So sieht es auch Gero Gabriel von der CDU. Der Bericht stelle „ein Zerrbild dar, das den Frankfurter Berg auf eine Art und Weise darstellt, die wir keinesfalls nachvollziehen können“.

Denn Probleme wie die am Berg gebe es in „allen Siedlungen Deutschlands mit hohem Anteil an Sozialwohnungen“, heißt es in der Beschwerde an Spiegel TV. Die fehlende soziale Durchmischung in den Hochhäusern sei ein Fehler der Vergangenheit, so Michael Bartram-Sitzius, der mittlerweile aber teilweise behoben sei.

Von Spiegel TV gab es bislang keine Reaktion, auch nicht auf eine Anfrage der FR.

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