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Frankfurter Berg Auszeit im Ginsterweg

In einem Garten am Frankfurter Berg sollen Langzeitarbeitslose wieder motiviert werden.

Für Dirk Druschky weckt das Rasenmähen Kindheitserinnerungen. Foto: Peter Juelich

Es riecht nach frisch gemähtem Rasen im Ginsterweg. Im großen Garten der Bildungseinrichtung GFFB wird in allen Ecken gewerkelt. Die Brombeerhecke wird gestutzt, der Kräutergarten geharkt, Bohnen geerntet. Ausgeführt werden die Arbeiten von Langzeitarbeitslosen, von Männern mit „multiplen Vermittlungshemmnissen“, wie es GFFB-Chefin Barbara Wagner formuliert. Als Hemmnisse können gesundheitliche Probleme, die Sprachbarriere, das hohe Alter oder auch Drogenprobleme auftauchen. 

Die Männer buddeln, schneiden und mähen ohne zu murren. Wagner leitete vor knapp vier Jahren einen Kurs, in dem die Teilnehmer Tipps bekamen, wie sie sich auch mit wenig Geld gesund ernähren könnten. „Da dachte ich mir, es wäre doch cool, wenn wir jetzt noch einen Garten hätten, in dem wir selbst Obst und Gemüse anbauen könnten“, erinnert sich Wagner.

Die Stadt stellte der GFFB schließlich ein ziemlich verwildertes Gartengrundstück am Frankfurter Berg zur Verfügung. Mittlerweile ist der Garten für die in Frankfurt betreuten Langzeitarbeitslosen ein Zusatzangebot im Bereich Gesundheitsförderung. Die Ökotrophologin Lisa Sonnenburg, die im Garten als Fachanleiterin arbeitet, erklärt warum. „Mit Händen in der Erde zu arbeiten, hat eine heilende Wirkung.“

Es geht aber nicht nur um eine kleine Auszeit in der Natur. Habtom Eyob arbeitet seit sechs Wochen jeden Montag im Garten. Am meisten Spaß macht dem Eritreer das Werkeln im Kräutergarten. Zu sehen, wie die Pflanzen wachsen und gedeihen. Eyob kam vor gut drei Jahren nach Deutschland.

Der Soldat ist aus der Heimat geflohen. Sein Deutsch ist noch ziemlich holprig, eine Arbeit hat er noch nicht gefunden, zu Hause in Sossenheim unterhalten sich die Eyobs nur in ihrer Muttersprache. Der 39-Jährige würde gerne eine handwerkliche Ausbildung machen, aber dafür ist sein Deutsch noch zu schlecht.

Doch während der Arbeit im Garten lernt Eyob quasi nebenbei auch Deutsch. Da er genau die Vokabeln lernt, die er bei der Arbeit auch anwenden kann, ist er motivierter als beim Pauken in einem Seminarraum. Wagner will weg von dem Kurssystem.

„Die konventionellen Sprachkurse bringen die Menschen nicht weiter, das Lernen im Arbeitsprozess ist viel sinnvoller.“ Eine neue Vokabel hat Eyob gleich mal gelernt. Harken. „Das muss ich mir aufschreiben“, sagt er und verschwindet wieder Richtung Kräutergarten. Die Sprache sei eines der zentralen Themen bei vielen Frankfurter Langzeitarbeitslosen, sagt Wagner. 

Dirk Druschky hat keine Sprachprobleme. Er ist wie viele Langzeitarbeitslose über 50 und hat 20 Jahre als Koch gearbeitet, dann kamen eine Lebensmittelallergie und Burn-out. Jetzt arbeitet der 51-Jährige meist in der Holzwerkstatt der GFFB und würde gerne als Quereinsteiger Schreinergehilfe oder Möbelmonteur werden. Seit drei Monaten kommt Druschky einmal die Woche regelmäßig in den Garten im Ginsterweg.

„Es ist eine schöne Abwechslung, im Freien für eine gute Sache zu arbeiten“, sagt er. Am liebsten mäht er den Rasen. Das erinnert ihn ein bisschen an seine Kindheit im Elternhaus. „Aber damals habe ich die Gartenarbeit nicht gerne gemacht“, verrät Druschky. Doch im Garten zählt Druschky zu den Musterschülern. Fachanleiter Peter Frankenstein kann sich generell nicht über die Motivation der Langzeitarbeitslosen beklagen. „Manchmal muss ich die Leute bremsen und ihnen sagen, dass wir hier nicht Akkord arbeiten“, so Frankenstein. 

Im vorderen Teil des Gartens soll ein Außenschachfeld entstehen. „Wir wollen die Anwohner noch ein bisschen mehr einbinden hier im Garten“, sagt Wagner. Das Grünflächenamt hat zwei Kubikmeter Erde geliefert. Damit soll eine „Südtribüne“ entstehen, damit die Kiebitze eine gute Sicht auf das Schachfeld bekommen. Wer sieht, wie motiviert die Männer anpacken, kann sich nicht wirklich vorstellen, dass sie keine Beschäftigung finden. Doch die Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt seit Jahren an. 

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