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Frankfurt-Nordend Spielwaren Dersch schließt nach 70 Jahren

Nach 70 Jahren schließt mit dem Spielwarengeschäft Dersch eine Institution im Frankfurter Nordend.

Spielwaren Dersch
Eine Instution im Nordend muss schließen: Spielwaren Dersch in der Eckenheimer Landstraße. Foto: Stephan Morgenstern

Ein paar Regale sind schon leer, im Schaufenster hängen mehrere Schilder: „Totalausverkauf wegen Geschäftsschließung“, heißt es da. 70 Jahre nach seiner Gründung macht der Dersch im Nordend zu. „Es rentiert sich einfach nicht mehr, ich lege seit anderthalb Jahren drauf“, bekennt Götz Dersch unumwunden.

Seine Eltern hatten schräg gegenüber an der Ecke Glauburgstraße, 1948 mit einer Leihbücherei begonnen. 1960 begannen die Derschs, an der Eckenheimer Landstraße Spielwaren zu verkaufen. Der kleine Götz half schon damals im Laden aus und begeisterte sich insbesondere für den Verkauf von Modelleisenbahnen und dem Kosmos an Zubehör.

Das schon damals kinderreiche Nordend war ein guter Standort. Sohn Götz half auch im Laden, als er bereits für Jura büffelte. „Ich habe eher nebenher studiert, als nebenher gearbeitet“, sagt der Junior, der aber trotzdem das erste Staatsexamen ablegte und danach dem Spielwarengeschäft an der Eckenheimer Landstraße treu blieb.

Doch als Götz das Geschäft 2010 von seinem Vater Hans übernahm, waren die goldenen Jahre längst vorbei. Dass es überhaupt noch lief, hat Dersch einem besonderen Umstand zu verdanken: seiner Spezialisierung auf Modelleisenbahnen. Die machten 70 Prozent seines Umsatzes aus und bescherten dem Laden überwiegend erwachsene Kunden. Das hat Vor- und Nachteile: Einerseits sind sie solvent, andererseits werden sie nicht jünger.

Heribert Bellmeier kauft schon seit 50 Jahren bei Dersch, er kennt Götz noch als kleinen Jungen. An diesem Montag steht er mit einer leeren Tube Spezialkleber für Modellbauer im Laden. „Den habe ich leider nicht mehr, ich verkaufe nur noch ab“, sagt Dersch. Bellmeier nimmt es gefasst, die Schließung an sich hat ihn mehr mitgenommen. „Ich war geschockt“, sagt er und ist froh, dass er ja ohnehin nicht mehr viel braucht: „Die Enkel sind erwachsen.“ So ist das Problem von Dersch irgendwie paradox: ein Spielwarengeschäft, dem die Kundschaft aus Altersgründen abhanden kommt.

Wie so viele Einzelhändler hat auch Dersch mit dem Internet als Konkurrenz so seine Probleme. Wobei die Kritik des 59-Jährigen in eine andere Richtung zielt. „Das Internet ist nicht das Problem, meine Hersteller sind es.“ Denn die würden den Online-Händlern offenbar bessere Preise machen. Wenn ich einen Teddy für 48,50 Euro einkaufe und er im Internet für 47,50 Euro angeboten wird, dann habe ich ein Problem.“ Denn über die Kunden, ach, da lässt sich nach 50 Jahren im Einzelhandel auch viel erzählen. Über Kunden, die sich drei Stunden lang eine Digitalanlage für die elektrische Steuerung der Eisenbahn erklären lassen und sie dann im Internet kaufen, weil sie dort 20 Euro günstiger ist. „Die Leute wollen Dienstleistung und Service, aber nichts dafür zahlen“, klagt Dersch. Auch vom ein oder anderen Stammkunden ist Dersch enttäuscht. Um seinen Laden und sein Lager leer zu bekommen, verkauft er derzeit alles mit einem Rabatt von 30 bis 50 Prozent. Einige langjährige Kunden hätten trotzdem noch das Feilschen angefangen, wohlwissend, dass der Verkäufer ohnehin schon drauflegt.

Wie lange Dersch das Geschäft in den Eckenheimer Landstraße 115 noch auflässt, weiß er nicht, der Mietvertrag läuft noch bis Ende April, er will noch möglichst viel verkaufen. Fündig werden vor allem Modellbauer. „Ich habe noch so viele Bausätze im Lager gefunden“, sagt Dersch. Freunde von Computerspielen können sich den Weg ins Nordend sparen, die hat es bei Dersch nie gegeben.

Unter den Schildern zum Totalausverkauf finden sich Miniaturmöbel, Holzspielzeug, Eimer und Förmchen. Irgendwie wirken die Schaufenster schon vor der Schließung nach 70 Jahren ein bisschen aus der Zeit gefallen.

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