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Fest in der Rotlintstraße Fest ganz ohne Geschubse

Die Grüne laden bereits zum 34. Mal auf die Rotlintstraße ein, und auch nebenan wird gefeiert.

Rotlintstraßenfest
Hoffentlich kein Schaukelpferdbremser: Szene beim Fest in der Rotlintstraße. Foto: Monika Müller

Begleitet von einem lauten Schrei zerbricht das Brett. Nach ihrem Tritt nimmt die neunjährige Liz lächelnd das Stück Holz von ihrer Trainerin entgegen, die es gehalten hat, als es unter dem Druck ihrer Fußsohle zersprungen ist. Auf der großen Bühne zeigen Liz und ihre Taekwondo-Kameradinnen – im Alter von sechs bis 18 Jahren – von der Gruppe „Frauen in Bewegung“ Besuchern des Rotlintstraßenfestes ihr Können.

„Bretter durchtreten“ mache ihr bei der Kampfsportart am meisten Spaß, hatte das Mädchen zuvor berichtet. Die ein Jahr ältere Feli sieht das genauso. „Wir haben keine Angst, dass wir uns nicht wehren können, aber es ist nützlich, wenn was passiert“, sagt die Zehnjährige zu ihrer Motivation für Taekwondo. Großmeisterin Sunny Graf sagt: „,Frauen in Bewegung‘ ist die Adresse für Kampfsport und Selbstverteidigung in Frankfurt.“

Bei der 34. Ausgabe des Rotlintstraßenfestes, das von der Ecke Egenolffstraße bis zum Friedberger Platz reicht, dominieren vor allem die Flohmarktstände. Über sommerlich heiße Temperaturen können sich die Besucher und Veranstalter der Partei Bündnis 90 / Die Grünen freuen. Neben Vereinen sowie Initiativen, die sich vorstellen, tragen Anwohner zum bunten Treiben bei, verkaufen Getränke und Essen oder Ausgedientes aus dem Keller.

Dagmar Hillenbrand und Birgit Klein, die ihren Stand an der Ecke Vogelsbergstraße aufgebaut haben, verbuchen schon vor dem offiziellen Beginn um 14 Uhr erste Einnahmen. Eintracht-Trikots ihrer Söhne wechseln für wenige Euro die Besitzer. „Man freut sich, wenn Leute etwas Passendes finden“, sagt Klein, die wie ihre Freundin um die Ecke wohnt. „Wir sind nicht zum Geldmachen hier“, ergänzt diese. Vielmehr wollten sie ihre Einnahmen am Abend beim Lauschen von Livemusik auf dem Fest wieder ausgeben. Hillenbrand stellt fest: „Es ist nicht so voll wie sonst.“ Sie vermutet, dass Besucher fernblieben, weil ausnahmsweise das Museumsuferfest am gleichen Wochenende stattfindet.

Auch im Viertel gibt es Konkurrenz. Das Koselstraßenfest an der Ecke Weberstraße bietet Besuchern ebenfalls Kulinarisches, unter anderem mit afrikanischen und asiatischen Gerichten, Crêpes und Bratwurst. Jedoch geht es im Schatten der Häuserzeilen etwas ruhiger zu als in der Rotlintstraße. Hauptsächlich Kinderspielzeug und -kleidung gibt es auf einem Flohmarkt zu erstehen. Die Verkäufer sind meist die ehemaligen Nutzer. Junge Händler gibt es auch auf dem Rotlintstraßenfest, wie zum Beispiel die Brüder Diego (6) und Thiago (2). Die beiden haben von dem neunjährigen Jari gerade zwei Playmobil-Autos für zwei Euro aus ihren Einnahmen erstanden. „Ich muss zu meinem Stand zurück“, sagt Diego mit seinem Strohhut auf dem Kopf nach dem schnellen Geschäft. „Vier Sachen habe ich schon verkauft“, ergänzt er noch, ehe er verschwindet.

Für Dieter Ebert ist das Rotlintstraßenfest ein „Sehen und Gesehenwerden“. Schon vier Bekannte hat der 70-Jährige, der am Zoo wohnt, getroffen, obwohl er gerade erst angekommen ist. Prompt winkt ihm eine Frau, die am Rand auf einer Bierbank sitzt. Ihm gefalle an dem Fest, dass keine „Massen“ unterwegs seien, sagt er. Ohne Geschubse könne man sich auf dem Fest ein selbst gebackenes Stück Kuchen und Kaffee genehmigen.  

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