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Eschersheim EU-Politik in der Ziehenschule

Im Planspiel überlegen Schüler, wie europäische Gesetze entstehen. Als Beispiel gilt die Asyl- und Flüchtlingspolitik.

Planspiel
Das Planspiel soll die an sich eher trockene EU-Politik greifbarer machen. Foto: Christoph Boeckheler

Demokratie kann mühselig sein. Besonders, wenn Schüler beteiligt sind und ihre doch wohlverdiente Pausenzeit zur Debatte steht. „Eine Stunde“, schlägt ein Schüler großzügig vor. „Zu lang“, entgegnet Georg Schwedt. Nach einem Hin und Her im Kampf um jede Minute einigt man sich darauf, sich noch nicht zu einigen. Denn eigentlich geht es an diesem Morgen in der Ziehenschule um etwas anderes. Demokratie zwar, aber im größeren Maßstab.

Schwedt leitet im Auftrag des Civic-Institutes ein Planspiel zur Gesetzgebung der Europäischen Union (EU), das in diesem Jahr Station macht an verschiedenen Schulen in Deutschland. Die Schüler des Vorleistungskurses Politik und Wirtschaft der Einführungsphase sollen im praktischen Rollenspiel anhand der Asyl- und Flüchtlingspolitik lernen, wie Gesetze in der EU zustande kommen. Die komplexe Politikwelt, zusammengestaucht auf einen Tag im Klassenzimmer.

Dafür werden die Schüler aufgeteilt: in EU-Parlament, EU-Rat, EU Kommission und Medien. Jeder Schüler erhält ein Rollenprofil. Beispielsweise das eines Abgeordneten einer bestimmten Fraktion. Dazu gibt es Informationen zu Herkunftsland und Position in der Debatte um Flüchtlinge. Auf dieser Grundlage soll dann über mögliche Gesetze diskutiert und der Gang der Gesetzgebung nachempfunden werden.

„Wir wollen ein vertieftes Verständnis für die EU schaffen“, erklärt Schwedt. Dass er die Lücken zu schließen hat, die Schulen möglicherweise in ihrem Lehrplan hinterließen, glaubt er nicht. Die Schüler wiesen keine großen Wissensdefizite auf – anders als weite Teile der Bevölkerung.

Schwedt sehe das Planspiel vielmehr als eine Ergänzung. Außerdem seien die heute 15 bis 17 Jahre alten Schüler bei der kommenden Parlamentswahl wahlberechtigt; ein gutes Verständnis könne da nicht schaden. Eine Werbeveranstaltung für die EU allerdings solle das nicht sein, eher die kritische Auseinandersetzung mit selbiger. „Am Ende muss jeder selbst entscheiden, was er davon hält“, meint Schwedt.

Seitens der Lehrerschaft wird das Projekt begrüßt. Es gehe doch um die Wertegrundlage der EU und die Diversität, sagt Carsten Herold, Leiter des gesellschaftswissenschaftlichen Bereichs an der Schule.

Spannend oder jedenfalls interessant finden die Schüler die EU allemal. „Ich weiß nur nicht, ob dafür das Planspiel notwendig ist“, sagt Julis, der die Medien verkörpert.

Anders fällt da die Einschätzung bei Nowa, Piet und Cecilia aus. EU-Politik betreffe alle, sagen sie, die an diesem Tag als Kommission ein Gesetz ausarbeiten sollen, über das die anderen diskutieren. Ihre Aufgabe sei zwar schwierig, aber so würden sie wenigstens viel lernen.

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