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Dornbusch Reger Austausch gegen die Einsamkeit

In der Hobbybörse im Café Anschluss tauschen sich Senioren über gemeinsame Interessen aus. Zweimal im Monat kommen sie zusammen, um zu lachen, quatschen oder lernen.

Dornbusch
Zweimal im Monat kommen die Seniorinnen und Senioren im Café Anschluss zusammen. Foto: christoph boeckheler

Anni Nadl „mag alles, nur nicht zu Hause sitzen“ sagt sie. Die Rentnerin zog vor fünf Jahren von Ulm nach Frankfurt, um in der Nähe ihres Sohnes zu leben. Nadl passt gern auf ihre Enkel auf, wohnt jedoch allein. Ihre Lust, Menschen zu treffen und Neues zu erleben, zog sie nun zum ersten Mal zur Hobbybörse in das Café Anschluss.

Das Angebot des Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe bietet Bürgern ab 50 Jahren die Möglichkeit, sich über Hobbys, Interessen, anstehende Veranstaltungen und Persönliches auszutauschen. Vom Angebot erfuhr Nadl durch Flyer. „Ich war ganz überrascht, wie viel die Stadt für Senioren macht,“ sagt die Rentnerin.

Hella Hervath ist zum zweiten Mal dabei, pflichtet ihrer Sitznachbarin bei. Die Frankfurterin lebt mit ihrer 94-jährigen, demenzkranken Mutter zusammen. Um die Mutter weiterhin betreuen zu können, möchte Hervath fit bleiben. „Das geht am besten, indem ich die grauen Zellen aktiviere. Darum gehe ich viel raus, unterhalte mich mit Menschen,“ so Hervath.

Viele der Teilnehmer haben ihre Partner verloren, die Einsamkeit zog sie in den Kreis Gleichgesinnter. Ein Kern aus fünf Personen ist bereits seit vielen Jahren dabei, trifft sich auch außerhalb der Hobbybörse. Im vergangenen Jahr feierte die Hobbybörse, die an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat stattfindet, ihr 30-jähriges Bestehen.

Vera Hajokova leitet die Veranstaltung seit 15 Jahren. Zu Anfang des Treffens liest sie den Senioren vor, welche Veranstaltungen in der nächsten Zeit anstehen. Die Teilnehmer zücken ihre Kugelschreiber, schreiben fleißig mit. „So weiß man immer, was ansteht,“ freut sich Hervath.

Hajokova berichtet der Runde, dass schon in ein paar Tagen die „Land und Genuss“ in der Frankfurter Messe stattfindet. „Da haben wir letztes Jahr die Doris verloren,“ ruft eine Teilnehmerin in die Runde, sorgt damit für gelöste Stimmung. „Da hast du bestimmt gut gegessen,“ vermutet ein Hobbybörsianer. „Naja, ich hab euch ja nur gesucht,“ gibt Doris zu bedenken. Die 77-Jährige ist bereits seit 14 Jahren und damit am längsten dabei.

Unter den Teilnehmern geht an diesem Mittwoch ein Gerücht um. Hajokova wird die Börse künftig nicht mehr leiten, heißt es. „Das ist nicht richtig,“ sagt Peter Gehweiler, Fachbereichsleiter für freiwilliges Engagement des Frankfurter Verbands, den Senioren: „Frau Hajokova ist weiterhin Leiterin der Börse, darf aber auf die Unterstützung von Inge Hepp zählen, wenn sie einmal ausfällt,“ sagt Gehweiler. Gemeinsam werden die Damen die Hobbybörse künftig gestalten, so der Leiter.

Das Café Anschluss besteht seit 19 Jahren, befand sich früher an der Erschersheimer Landstraße. Seit 2003 liegt es in der Hansaallee 150. Anfangs bot das Café Grundlagen-Kurse am Computer für Senioren an. „Doch mittlerweile wissen die meisten Rentner, wie man einen PC an- und ausschaltet, Programme öffnet oder etwas speichert,“ erklärt Gehweiler. „Gefragt sind nun Kenntnisse der Neuen Medien. Daher bieten wir jetzt Kurse zur Nutzung von Smartphones und Tablets an, informieren über Sozialen Medien wie Facebook.“

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