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Diesterwegschule in Frankfurt-Ginnheim Ponys müssen sich mit Schülern arrangieren

Die Diesterwegschule soll während des Umbaus an die Schloßhecke ziehen. Der dort ansässige Reiterhof wehrt sich dagegen.

Notfalls muss der Ponyhof verlagert werden ? etwa ins Ginnheimer Wäldchen.

Wenn es hart auf hart kommt, muss der Ponyhof an der Ginnheimer Schloßhecke der Diesterwegschule vorübergehend weichen. Darauf beharrte Baudezernent Jan Schneider (CDU) in der Sitzung des Ortsbeirats 9 am vergangenen Donnerstag. Ab Sommer 2019 soll die 1926 erbaute Grundschule saniert werden – für den Zeitraum der Bauarbeiten müssen die rund 380 Schüler und Lehrer in Container ziehen.

Fünf mögliche Standorte hat das Baudezernat in den vergangenen Monaten prüfen lassen. Außer der Grünfläche an der Schloßhecke wurden das Ginnheimer Wäldchen, die Bleichwiese, das BMX-Gelände an der Platenstraße sowie der alte Ginnheimer Friedhof begutachtet. „Am Ende war nur die Schloßhecke übrig“, sagte Schneider. Die anderen Flächen seien zu klein oder aufgrund von Naturschutzgesetzen ungeeignet.

Im Stadtteil ist die Schloßhecke als Ausweichstandort umstritten. Vor allem die Betreiber des dort ansässigen Ponyhofs befürchten, dass der Schulbetrieb ihre Arbeit behindern würde. Der Grund: Ponys gelten als Fluchttiere – bei plötzlichen Geräuschen ergreifen sie instinktiv die Flucht. „Der Baulärm oder schreiende Kinder auf dem Pausenhof würden die Tiere verschrecken“, erklärte Ponyhof-Betreiberin Ruth von Freyberg.

Rund 30 Ponyhof-Unterstützer kamen in die Sitzung, um ihre Sorgen kundzutun. Als der Jan Schneider mit seinem Vortrag begann, hielten sie Schilder mit Aufschriften wie „Wir wollen bleiben“ und „Ponys sind Fluchttiere“ hoch. Am Ende des Vortrags übergab die zehnjährige Seraphine dem Baudezernenten eine Petition mit rund 800 Unterschriften gegen die Auslagerung der Diesterwegschule an die Schloßhecke.

Auf dem Hof leben derzeit zwölf Ponys, rund 70 Kinder nehmen dort Reitunterricht. „Wir wissen, dass wir mit der Schloßhecke keine offenen Türen einrennen“, sagte Schneider. Für die Suche nach einem neuen Container-Standort sei aber keine Zeit.

Das sieht auch Schulleiterin Petra Sturm-Hübner so: „Wir warten seit dem Jahr 2010 darauf, dass es endlich losgeht.“ Es fehle an Klassen- und Aufenthaltsräumen. Außerdem gebe es ausschließlich im Keller Toiletten und die Turnhalle sei marode. Bei den Bauarbeiten soll das bestehende Hauptgebäude saniert sowie ein Nebengebäude neu errichtet werden.

„Ich möchte hier um Verständnis bitten“, sagte die Schulleiterin bei der Ortsbeiratssitzung in Richtung der aufgebrachten Ponyhof-Nutzer. „Wir brauchen ein Ausweichgelände innerhalb des Einzugsraums.“ Die Schloßhecke sei geeignet. Niemand habe gesagt, dass der Hof weg soll. Man müsse gucken, wie man zusammenkommt.

Darauf hofft auch Schneider: „Wir versuchen eine Lösung zu finden, die von allen mitgetragen wird.“ Kommenden Montag besucht der Baudezernent den Ponyhof, um zu überlegen wie eine solche Lösung aussehen könnte. Sollte eine gemeinsame Nutzung nicht möglich sein, hätte aber die Schule Vorrang. Daran ließ Schneider keinen Zweifel aufkommen: „Die Schule ist Pflicht, das Reiten ist die Kür.“

Angst vor Stickstoffdioxid

Sollte es soweit kommen, könnte der Ponyhof an einen anderen Standort – etwa im Ginnheimer Wäldchen – verlegt werden. Davon habe sie heute das erste Mal gehört, sagte Ponyhof-Betreiberin von Freyberg. „Das könnte man probieren, aber wir müssen sehen, ob sich das wirtschaftlich rentieren würde.“

Nicht nur die Zukunft des Ponyhofs sorgte in der Ortsbeiratssitzung für Diskussionen. Mehre Eltern von Schülern der Diesterwegschule verlangten, dass vor einem Umzug die Stickstoffdioxid-Belastung an der Schloßhecke gemessen wird. Bei Messungen im Jahr 2009 lag der Anteil des Schadstoffes über dem erlaubten Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Schneider versicherte diesbezüglich Experten aus dem Gesundheits- und Umweltamt zu kontaktieren.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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