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Dartabteilung des TSV Ginnheim Große Männer und kleine Pfeile

Die erste Mannschaft der Dartabteilung des TSV Ginnheim spielt in der Bundesliga. Während der WM schauen sie den Profis zu, denn dabei können sie auch etwas für ihr eigenes Spiel lernen.

Training Dart-Abteilung
Michael Kniehase (blaues Trikot) spielt mit der ersten Mannschaft in der Bundesliga. Foto: Michael Schick

Konzentriert beugt sich der Mann mit dem blauen Trikot nach vorn. Er nimmt die Dartscheibe ins Visier und wirft den ersten Pfeil – 60 Punkte. Sein zweiter Wurf landet nur Millimeter zu weit oben im schwarzen Feld der 20. Dann der dritte und letzte Pfeil. Etwas zu weit links, bloß fünf Punkte. Ein kurzer enttäuschter Blick, dann zieht er seine Pfeile aus dem Board. Sein Gegner muss erst mal nachlegen, und auch dann sind mit den nächsten drei Pfeilen wieder 180 Punkte machbar.
 

Es ist Donnerstagabend im Vereinsheim des TSV Ginnheim. In der Pizzeria nebenan wird Geburtstag gefeiert, im Keller schieben die Kegler ein paar Kugeln. Die Herren der Dartabteilung absolvieren in ihrem Abteilungsraum ihre zweite wöchentliche Trainingseinheit.

„Aber fast jeder von den Jungs hat zu Hause eine eigene Scheibe und spielt jeden Tag“, erklärt Abteilungsleiter Manfred Schmidt. Momentan gibt es drei Mannschaften, wobei die erste in der Bundesliga spielt. Wenn der Zustrom an interessierten Spielern anhält, werde im neuen Jahr vermutlich sogar eine vierte Mannschaft dazukommen.

Die Begeisterung für die Sportart habe in den zurückliegenden Jahren stetig zugenommen. Besonders rund um den Dezember, wenn die Darts-Weltmeisterschaft im Ally Pally in London ausgespielt wird, sei das Interesse groß. „Das merken wir dann auch bei uns im Verein“, erklärt der 60-jährige Abteilungsleiter.

Dabei gibt es die Dartabteilung in Ginnheim bereits seit vielen Jahren. 1993 schloss man sich dem TSV an, zuvor waren die Männer um Manfred Schmidt als DC Wanderers unterwegs. „Wer einmal infiziert ist, den lässt der Sport nicht mehr los.“

Angefangen haben die Dartspieler beim TSV mit einem leeren Raum im Keller. Der Raum ist geblieben, aber heutzutage hübschen Tische, Hocker, eine Theke und natürlich die Scheiben mit digitaler Punkteanzeige das Gesamtbild auf – und natürlich zahlreiche Bilder und Trophäen, die von der erfolgreichen Arbeit im Verein zeugen. 2006 wurde der TSV Hessenmeister, und in der folgenden Aufstiegsrunde gewann man sogar die Qualifikation zur Bundesliga. Bis 2012 hielt man sich dort, wurde 2007 und 2008 sogar Deutscher Pokalsieger und Vizemeister im Jahr 2010. Im Spiel um den Meistertitel unterlag man damals dem DC Vegesack Bremen, für die unter anderem Tomas „Shorty“ Seiler antrat – jener Experte, der heute im Fernsehen neben Elmar Paulke die Weltmeisterschaft kommentiert. Auch gegen den diesjährigen deutschen Zweitrundenteilnehmer Kevin Münch aus Bochum sind die Ginnheimer schon angetreten.

Ist die Bundesliga also das Sprungbrett zur großen Dart-Karriere? Nein, sagen sie in Ginnheim. In Deutschland fehlen noch immer die professionellen Strukturen, vor allem das mentale Training sei nicht vorhanden. Zwar ist das Niveau der Bundesliga schon hoch, aber wer einen Job hat und nebenbei Dart spielt, könne nie die Größe eines Phil Taylor oder Michael van Gerwen erreichen. „Für uns ist es nur ein Hobby, aber wenn du Profi werden willst, musst du es als deine Arbeit sehen“, sagt Schmidt.

Deshalb brauchen die Profis jemanden, der ihnen zur Seite steht, der in schwierigen Situationen das Richtige sagt. „Das muss kein Dart-Meister sein. Die Jungs an der Weltspitze können alle bereits spielen, in engen Spielen entscheidet der Kopf.“ Diese mentale Stärke müsse man sich erarbeiten und in vertrackten Situationen dann eben auch durch Hilfe wiedererlangen.

Während die Darts-WM läuft, treffen sich die Abteilungsmitglieder sooft es geht im Vereinshaus, um den Stars beim Spielen zuzuschauen. Dabei könne man sich auch noch etwas abschauen. „Die Fokussierung jedes Einzelnen auf das Spiel. Die sind dann wie im Tunnel“, erklärt der 60-Jährige und gibt auch gleich das Gegenbeispiel aus der Bundesliga. „Da wird im Spiel gequasselt, anstatt sich auf das Match zu konzentrieren.“

Bei einer Prognose, wer diesmal den Weltmeistertitel holt, tut sich Schmidt schwer. „Im Vorfeld hätte ich klar van Gerwen gesagt. Aber die jungen Spieler zeigen diesmal eine beeindruckende Leistung, es könnte eine Überraschung geben.“

 

Das nächste Bundesligaheimspiel der ersten Dartmannschaft vom TSV Ginnheim ist für den 13. Januar angesetzt. Ab 12 Uhr trifft man zuerst auf Darmstadt und am Nachmittag auf Huttenheim. Der Eintritt ist frei. Spielort ist das Vereinsheim am Mühlgarten 2.

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