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Campus Riedberg Mehr als Bilder aufhängen

Der „Kunstraum“ ist ein ganzheitliches Konzept für den ganzen Campus der Frankfurter Goethe-Universität auf dem Riedberg. 150 bis 200 Werke wurden bereits ausgestellt.

Kunst auf dem Campus Riedberg
"La Storia della Terra" von Anna Kubach-Wilmsen: Die fünf verschiedenfarbigen, aufeinander gereihten Bücher aus massivem Stein symbolisieren einen Wissensspeicher in Form einer kleinen Bücherturms. Foto: Peter Jülich

Wer sich für den sogenannten Kunstraum am Universitätscampus Riedberg interessiert, der kann sehr viel Zeit für die Suche nach diesem Raum aufbringen – und doch schnell fündig werden. Denn der im Jahr 2009 auf Initiative des Vize-Präsidenten der Goethe-Universität, Manfred Schubert-Zsilavecz, gegründete „Kunstraum“ ist kein konkreter physischer Raum in einem der modernen Seminar- oder Laborgebäude. Es ist vielmehr als ein das gesamte Areal umfassendes, künstlerisches Konzept. Was man sich darunter konkret vorstellen kann, erläutert ein alter Laborkollege des Vizepräsidenten beim gemeinsamen Spaziergang über den Campus.

Der 51-jährige Carsten Siebert ist Kurator des „Kunstraums“ und damit verantwortlich für einen umfangreichen Aufgabenbereich: Dieser geht von der Organisation von Vernissagen über das Abschließen von Verträgen bis hin zur regelmäßigen Kontaktpflege mit unterschiedlichen Künstlern.

Insgesamt schätzt Siebert, dass im Laufe der vergangenen Jahre 150 bis 200 Kunstwerke auf dem gesamten Campus ausgestellt worden sind, von Skulpturen im Innen- und Außenbereich bis hin zu in den Fluren des Gebäudes oder an Wänden der Hörsäle aufgehängten Bildern.

„Angefangen hat es damals mit ein paar Bildern im Flur des Dekanates“, erinnert er sich, erst mit der Zeit „hat es sich nach und nach auf den restlichen Campus ausgeweitet.“ Beim Schlendern auf dem Dekanatsflur weist er auf Bilder der Bonner Künstlerin Cornelia Genschow hin. Auf ihnen sind Radierungen von zuvor herbarisierten Grashalmen zu sehen. Bisher hingen diese Bilder zwar noch relativ unauffällig in diesem Flur, doch manchmal, beschreibt Siebert seinen Schaffensprozess, „hängt man die Bilder eben irgendwohin, wartet ein bisschen und dann kommen erst die Ideen zur weiteren Verwendung.“ Denn demnächst, erläutert er, „wird die Künstlerin die Bilder der Gräser hoch skalieren und als zwei Meter hohes Graffiti an einer Wand des Biozentrums anbringen.“

Bei den unzähligen auf dem weitläufigen Gelände verteilten Werken handelt es sich teilweise um Schenkungen und Leihgaben, aber ebenso um Ankäufe von Künstlern, die bereits im Rahmen der Vernissagen ausgestellt haben, wie Siebert berichtet. Als Kurator legt er Wert darauf, dass die Universität den Künstlern nicht nur die Möglichkeit bietet, bei den zwei- bis viermal jährlich stattfindenden Vernissagen ihre Kunstwerke zu präsentieren. „Die Universität hat sich ebenfalls bereit erklärt“, so Siebert erfreut, „von jedem Künstler, der im Rahmen des ‚Kunstraums‘ ausgestellt hat, auch mindestens ein Kunstwerk zu erwerben.“

Den Campus kennt Siebert dabei so gut wie seine eigene Westentasche, schließlich ist er gewissermaßen selbst mit diesem mitgewachsen. In den späten 80er Jahren studierte er hier Chemie, promovierte später im Bereich der Pharmakologie zum Thema Alzheimer und ist dadurch sowohl der Universität als auch dem Campus schon seit langer Zeit verbunden.

Sein Großvater ist Maler gewesen, erzählt Siebert, „dadurch hatte ich vielleicht immer schon ein unbewusstes Interesse für Kunst“, doch erst nach der Promotion und dem Einstieg ins Berufsleben hat er seine eigene Leidenschaft dafür entdeckt. Dabei jedoch zunächst nicht fürs eigene kreative Gestalten, sondern vielmehr fürs Kuratieren.

 

Am Rande des Universitätsgeländes, mit unverstelltem Blick auf die Skyline, liegt der sogenannte Wissenschaftsgarten. Auf einer Wiese direkt neben den Gewächshäusern des Arzneipflanzengartens ist die Skulptur „La Storia della Terra“ von Anna Kubach-Wilmsen zu sehen. Die fünf verschiedenfarbigen, aufeinander gereihten Bücher aus massivem Stein „symbolisieren einen Wissensspeicher in Form einer kleinen Bücherturms“, kommentiert Siebert.

Abschließend weist er noch darauf hin, dass das Aufstellen der knapp zwölf Tonnen schweren Skulptur durchaus eine gewisse Herausforderung gewesen ist. „Da kommt man dann schon schnell mal ins technische und planerische“, denn wenn zum Aufstellen einer Skulptur extra ein großer Kran organisiert werden muss, so Siebert schwärmend, „ist das schon etwas anderes, als nur ein paar Bilder aufzuhängen.“

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