Lade Inhalte...

Blues Academy Frankfurt hat den Blues

Für eine neue Veranstaltungsreihe der „Blues Academy“ tun sich in Frankfurt das Habel.11 und das Blues-Forum zusammen.

Veranstaltungen
Alfred Gaertner hat den Blues und seine Weinwirtschaft „Cave du Roy“ kürzlich umgebaut. Foto: Weis

Er sei ein hoffnungsloser Fall, sagt Alfred Gaertner. „Der Blues ist für mich mehr als nur Musik“, sagt er. Warum das so ist und was der Rest der Welt davon hat: Das soll eine neue Veranstaltungsreihe erhellen. Sie heißt „Blues Academy“ und lädt künftig einmal im Vierteljahr Bluesfans nach Heddernheim ein. Start ist am 9. Dezember.

Aber angesprochen sind nicht nur Musikfreunde. „Der Blues hatte auch immer einen ganz eigenen Blick auf die soziale Komponente“, sagt Gaertner. Er muss es wissen, denn er hat ihn aufgesogen, den Blues, und das Soziale weitergegeben: Sein Bistro „Cave du Roy“ an der Heddernheimer Landstraße ist nicht nur ein Ort des guten Weins, sondern stets auch ein Ort des Zuspruchs gewesen.

Gartner war Vorstandsmitglied der Arbeiterwohlfahrt, Sozialpfleger, Sterbebegleiter, das Gesicht der SPD-Bürgersprechstunde. Die ganzen Ehrenämter hat er jetzt, mit 71, nach und nach abgegeben, das „Cave“ wird wohl bald folgen, aber den Blues, den wird er nicht mehr los. Und deshalb will er ihn mit anderen teilen.

Die „Blues Academy“ wird zwei Institutionen im Nordwesten zusammenbringen: Das Habel.11, den kleinen Kulturtreff neben der Sporthalle der Heddernheimer Turnerschaft, der sich in den vergangenen Jahren mit feinen Konzerten und Veranstaltungen zum Publikumsmagneten gemausert hat. Und das Frankfurter Blues-Forum, das sich für die „Förderung der amerikanischen Volks- und Volksgruppenkunst“ einsetzt, „insbesondere der Musik aus der afroamerikanischen Gesellschaftsgruppe der USA“. Vorsitzender: Alfred Gaertner.

Er tourte in jüngeren Jahren durch die Vereinigten Staaten, machte Musik mit Reverend Parker und Atlanta Slim, spielte Gitarre mit den ganz Großen und sagt: „Ich habe im Blues meine Familie gefunden. Ich weiß heute, wie B.B. King gedacht hat – jede Sequenz.“

Sein Wissen, seine Erfahrungen will er nun in der Blues Academy weitergeben. Musik machen, Filme zeigen, Texte analysieren und übersetzen. „I owe my soul to the company store“, die berühmte Zeile aus dem 1940er/1950er-Jahre-Hit „Sixteen Tons“, beschreibt nichts anderes als die Abhängigkeit der Lohnsklaven, abgespeist mit Wertmarken, die nur im maßlos überteuerten Laden der eigenen Firma gültig waren. Die Folge waren Schulden, die die Arbeiter niemals abtragen konnten.

Mehr darüber wird man in der Blues Academy lernen können, auch über den berühmten „Hoochie Coochie Man“ und über „die ganzen elementaren Dinge, die da ablaufen – damit fangen wir an“, sagt Gaertner. Und dann geht es chronologisch weiter durch die Geschichte des Blues, auch was die Instrumente betrifft, mit denen er gespielt wird. „Ich wünsche mir, dass die Leute auf diesem Weg auch etwas in sich entdecken“, sagt er, „sich selbst, ihren eigenen Weg.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum