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Anne Frank Mit Geschichte in die Zukunft

Die Bildungsstätte Anne Frank wird derzeit umgebaut. Nun hat sie einen ersten Einblick in ihr neues Lernlabor gewährt, das 2018 eröffnet.

Bildungsstätte Anne Frank
Schirmfrauen des Lernlabors sind Khola Maryam Hübsch, Trude Simonsohn, Esther Schapira (v.l.) und Bettina von Bethmann. Foto: Peter Jülich

Anne Frank lehnt lächelnd an der Wand. Porträts des jüdischen Mädchens zeugen noch von der alten Dauerausstellung in der nach ihr benannten Bildungsstätte im Dornbusch, die über 14 Jahre hinweg rund 120 000 Jugendliche über das Schicksal der berühmten Tagebuchschreiberin aufklärte. Ansonsten ist kaum etwas an seinem Platz verblieben. Denn am 12. Juni 2018, zu Anne Franks 89. Geburtstag, soll hier das neue Lernlabor „Anne Frank. Morgen mehr“ eröffnen. Am Mittwoch gab die Bildungsstätte einen ersten Werkstattbericht auf der Baustelle.

„Wir wollen Jugendlichen viel Raum geben, selbst Ideen zu entwickeln gegen Antisemitismus, jede Form von Diskriminierung und Rassismus“, sagte Direktor Meron Mendel. Die neue Dauerausstellung werde daher keine historische sein, erläuterte Kuratorin Deborah Krieg, sondern ein „interaktives, selbstgesteuertes Lernlabor, in dem sich Jugendliche selbst positionieren und in Austausch miteinander treten können“.

Wie das aussehen könnte, führten die Schirmfrauen des Lernlabors vor. Zu denen gehört zuvorderst Frankfurts Ehrenbürgerin, die Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn, die sich „stolz“ zeigte, „was die Bildungsstätte im Laufe der Zeit für eine Entwicklung erfahren hat. Ich war dabei, als sie gegründet wurde und fühle mich hier weiter zu Hause.“ Autorin Khola Maryam Hübsch erläuterte als Beispielexponat die „rassistische Brille“, die Ausstellungsgäste aufsetzen können und so beim Blick auf neutral gehaltene Porträts verschiedener Menschen ein vorurteilsbehaftetes Zerrbild vor Augen geführt bekommen.

Und Journalistin Esther Schapira zeigte, wie Jugendliche virtuell in das Amsterdamer Versteck der Familie Frank eintauchen können. Richten sie einen Tabletcomputer auf ein gezeichnetes Hinterhausmodell, tauchen auf dem Bildschirm Bewegtbilder aus den Originalzimmern auf. Das sei Teil eines „lebendigen Buches“, das „multiperspektivisch“ auf Anne Frank und ihr Leben blicken werde, erläuterte Kuratorin Krieg. Jugendliche können darin blättern, einzelne Punkte anklicken, Videos aufrufen oder auf Fragen antworten.

Unter dem Motto „morgen mehr Geschichten“ sollen außerdem Lernstationen die Gelegenheit geben, sich mit aktuellen Fragen wie Mobbing, Hatespeech oder Migration auseinanderzusetzen. Die Erfahrung aus der Arbeit mit Jugendlichen zeige, dass viele sich stark mit Anne Frank identifizierten, sagte Krieg. Aber obwohl es viel Empathie für sie gebe und ein Bewusstsein für das ihr widerfahrene Unrecht, werde dennoch auf Schulhöfen „Jude“ als Schimpfwort gerufen. „Es gibt unter Jugendlichen oft eine unterschiedliche Bewertung von Vergangenheit und Gegenwart, ohne dass es dabei knirschen würde“, sagte Krieg. Das Lernlabor solle junge Menschen deshalb dabei unterstützen, Reibungspunkte zu erkennen. „Es ist uns ein Anliegen, Jugendliche zu befähigen, komplexe Themen auszuhalten und zu lernen, dass es oft keine einfachen Antworten gibt.“

Mehr als zwei Millionen Euro kostet das neue Lernlabor laut Meron Mendel. Finanziert werde es aus Bundes-, Landes- und Stiftungsmitteln. Auch die Stadt Frankfurt gibt 125 000 Euro hinzu, sagte Bürgermeister Uwe Becker (CDU), der als Zeichen gegen Antisemitismus eine Kippa trug und betonte, das Lernen von Geschichte sei notwendig, „um die Zukunft zu gestalten“.

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