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Ärzte in Frankfurt „Das ist ein krankes System“

Im Fall eines Terroraktes sieht sich Frankfurt gut gerüstet. Doch wie ist es um die alltägliche notärztliche Versorgung bestellt?

Rettungswagen
Ein Rettungswagen ist mit Blaulicht unterwegs. (Symbolbild) Foto: imago/Steinach

Terrorismus stellt Rettungskräfte, Notärzte und Kliniken vor neue Herausforderungen. Frankfurt sieht sich dafür gerüstet. „Wir sind ziemlich gut aufgestellt“, sagte Leo Latasch, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Gesundheitsamt, am Freitagabend in der Sitzung des Ortsbeirats 15. „Ich hoffe, Sie wenigstens in diesem Punkt beruhigen zu können.“

Anders verhält es sich bei einem Mangel, der für die Stadt vorhersehbarer ist als ein möglicher Anschlag: die Niederlassung von Kassenärzten. Dafür zuständig ist die Kassenärztliche Vereinigung. An der ließ Latasch kein gutes Haar. Vor allem, weil sie niemandem Rechenschaft schuldig sei. „Sie ist autark und gerichtlich nicht zu belangen“, sagte er. „Die Kontrollinstanz ist der liebe Gott.“

Latasch war gekommen, um über die notärztliche Versorgung in Nieder-Eschbach zu berichten. Die ist auch in anderen Stadtteilen immer wieder Thema. Zuletzt forderte etwa der für den Riedberg zuständige Ortsbeirat 12 einen zusätzlichen Hausarzt. Jedoch ohne Erfolg, da laut Kassenärztlicher Vereinigung die Stadt Frankfurt als Planungsbereich „überversorgt“ ist.

„Wir müssen Anträge an den Magistrat immer wieder zurückweisen“, sagte Latasch. Er betonte, dass es nicht am Willen der Ärzte liege sich anzusiedeln. Sondern daran, dass sie keine Genehmigung erhielten. Die Kassenärztliche Vereinigung habe sich inzwischen zu einem „Gegner der niedergelassenen Ärzte“ entwickelt.

Ärzte sind ausgelastet

Mitunter behandele eine Arztpraxis mehr als 1500 Patienten, so Latasch. Das führe zu langen Wartezeiten und Aufnahmestopps. Wegen der hohen Arbeitsbelastung könnten Hausärzte kaum noch Hausbesuche antreten. „Das ist ein krankes System.“ Besserung sei nicht in Sicht. „Alle Prozesse seitens der Stadt oder von Ärzten sind gescheitert – und werden auch weiter scheitern.“

Die notärztliche Versorgung umfasst aber nicht nur niedergelassene Kassenärzte, sondern auch Fahrzeug- und Rettungsdienste. Seitdem die Kassenärztliche Vereinigung den Tagesdienst abgeschafft habe, seien Rettungskräfte deutlich öfter alarmiert worden, sagte Latasch. Zweimal im Jahr kontrolliert das Gesundheitsamt deren Einsätze.

Höchstens zehn Minuten dürfe es dauern, bis ein Fahrzeug nach Anruf bei der Feuerwehr vor der Haustür stehe, so Latasch. Bereits 60 Sekunden nach der Alarmierung müssten die Einsatzkräfte ausgerückt sein. Es funktioniert: „Uns sind keine Klagen bekannt, dass die Zeiten überschritten werden.“

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