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Stadtplanung "Frankfurt muss dichter werden"

Albert Speer und Axel Bienhaus sprechen im FR-Interview über Ideen für das wachsende Frankfurt, Kritik an Altstadt und Europaviertel und die Zukunft ihres Büros.

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Generationenwechsel: Axel Bienhaus (links) ist neuer Geschäftsführender Gesellschafter im Büro Albert Speer + Partner, Albert Speer gibt Verantwortung ab. Foto: Andreas Arnold (Andreas Arnold)

Die Nachricht war eine große Überraschung. Albert Speer zieht sich aus der Geschäftsführung des Büros Albert Speer + Partner zurück. Fortan wird der 82-Jährige als Impuls- und Ideengeber für das vor mehr als 50 Jahren gegründete Unternehmen tätig sein. Die FR traf ihn und den neuen Geschäftsführenden Gesellschafter des Büros, Axel Bienhaus, auf einen Kaffee.

 

Herr Speer, wie schwer ist es Ihnen gefallen, sich jetzt endgültig aus der aktiven Leitung des Architekturbüros zurückzuziehen? Sie haben es 1964 in Frankfurt gegründet.
Speer: Diesen kleinen Rückzug habe ich über Jahre vorbereitet. Ich kenne viele ältere Kollegen, die nicht loslassen können. So möchte ich mich nicht verhalten, ich möchte nicht klammern. Unser Büro ist in den zurückliegenden Jahren stetig gewachsen und wächst weiter ...

 

... wie viele Mitarbeiter arbeiten für das Büro?
Speer: In Frankfurt etwa 180. Wir haben hier in Sachsenhausen aktuell noch ein ganzes Geschoss dazu gemietet.

 

Wie viele Mitarbeiter sind es insgesamt über Frankfurt hinaus?
Bienhaus: Wenn wir unser Büro in der Volksrepublik China mitzählen, kommen wir auf mehr als 200. Wir sind zur Hälfte in Sachen Architektur tätig, zur Hälfte in Sachen Planung.

 

Aber noch einmal zurück zu Ihrem Rückzug aus der Geschäftsführung, Herr Speer.
Speer: Es ist ganz einfach: Ich mache weiter das, was ich vorher auch gemacht habe (lacht). Um Bilanzen und Finanzen habe ich in meinem Leben lange genug gefochten. Das habe ich jetzt hinter mir. Ich bin froh, dass eine neue Generation da ist, die da schon seit vielen Jahren für Ordnung sorgt. Gerhard Brand ist mit 65 Jahren als Partner ausgeschieden. Ich habe meine Entscheidung, mich aus der Geschäftsführung zurückzuziehen, mit Brand koordiniert.

 

Lassen Sie uns über Frankfurt sprechen. Die Stadt wächst rasant. In welchem Teil der Stadt sehen Sie die größte Herausforderung?
Speer: Der letzte neue Stadtteil, für den ich mich engagiert habe, ist das Europaviertel. Ich habe mich aus der Frankfurter Stadtplanung ein Stück weit zurückgezogen. Die vielen Bürgerinitiativen, die gegen alles kämpfen, animieren mich nicht, mich zu engagieren. Ich habe leider den neuen Planungsdezernenten Mike Josef noch nicht kennengelernt. Von seinem Vorgänger Olaf Cunitz hatte ich den Eindruck, dass er es sehr gut gemacht hat.

 

Der Planungsdezernent will in Kürze das integrierte Stadtentwicklungskonzept vorlegen. Wo sollte nach Ihren Vorstellungen ein neuer Stadtteil entstehen?
Bienhaus: Wir sollten dieses Konzept abwarten. Leider kommt es nicht aus unserem Haus.
Speer: Wir hatten uns auch beworben, sind aber nicht genommen worden.
Bienhaus: Wir erarbeiten aber gerade ein Stadtentwicklungskonzept für Wiesbaden. Und wir haben den Masterplan für Offenbach vorgelegt. Der Entwicklungsdruck auf Frankfurt ist hoch. Man kann die Stadt nachverdichten, aber das wird nicht ausreichen.

 

Brauchen wir nicht einen neuen Siedlungsschwerpunkt auf der grünen Wiese?
Bienhaus: Ja. Dieser neue Stadtteil muss gut vernetzt sein mit der Stadt. Wir brauchen für diesen Stadtteil einen guten öffentlichen Verkehrsanschluss und gute soziale Infrastruktur. Wir müssen aber viel mehr über die Stadt hinaus denken und ein Konzept für die gesamte Rhein-Main-Region entwickeln.

 

Ist es nicht eine natürliche Entwicklung, dass Frankfurt und Offenbach am Main entlang zusammenwachsen?
Speer: Das geschieht ja auch. Ich bin da aber zwiegespalten, was eine tatsächliche Fusion der beiden Städte angeht. Alle Eingemeindungen in der Bundesrepublik haben nicht zu einer politischen Vielfalt geführt, sondern eher zu erstarrtem Verwaltungsdenken. Der große Vorteil der Rhein-Main-Region ist ihre Vielfalt. In China stelle ich Rhein-Main immer als Beispiel vor, das auch dort entstehen sollte.

War es ein Fehler, den Osthafen auf Jahrzehnte für Gewerbe zu reservieren und so den Bau von Wohnungen zu blockieren?
Speer: Aber sicher. Wir hatten schon bei der Bewerbung Frankfurts für die Olympischen Spiele 1988 ein anderes Konzept. Wir wollten dort Wohnungsbau. Schon damals hat der Hafendirektor die Mietverträge für Firmen ganz schnell verlängert und so alles blockiert. Und insbesondere die CDU hat das Wohnen dort abgelehnt. Aber ich bin überzeugt: Das Wohnen wird sich schleichend durchsetzen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Neue Altstadt Frankfurt

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