Lade Inhalte...

Stadtkirchenfest Frankfurt Mit dem Schiff zum Gottesdienst

1000 Katholiken pilgern am Sonntag zum Stadtkirchenfest rund um den Frankfurter Dom. Ein Schiff fährt zu der Veranstaltung.

28.08.2016 17:17
Jonas Göcke
Persönliche Gespräche stehen im Zentrum des Festes. Foto: Renate Hoyer

Von wegen unchristliche Uhrzeit – Irmgard Kloidt ist am Sonntagmorgen extra um 6 Uhr aufgestanden, um an der Schiffswallfahrt von Höchst zum katholischen Stadtkirchenfest am Frankfurter Dom teilzunehmen. Zur Abfahrtszeit gegen 8 Uhr ist es noch angenehm kühl, das Ausflugsschiff Nautilus gleitet über den Main, in der Ferne schimmert der Messeturm durch den Morgendunst. Kloidt freut sich vor allem auf den später stattfindenden Festgottesdienst: „Das ist immer ein Gänsehaut-Erlebnis“, sagt die gebürtige Niederin schwärmend.

Doch erstmal müssen die knapp 130 Pilger zum Dom kommen. Aus allen möglichen Frankfurter Gemeinden begeben sich Katholiken in die Innenstadt: aus Riederwald, Seckbach und Bornheim mit der U-Bahn, vom Dornbusch mit dem Fahrrad oder eben mit dem Schiff aus Höchst und Griesheim.

Eine „Stern-Wallfahrt“ nennt dies der Höchster Pfarrer Martin Sauer. Er ist seit der ersten Schiffswallfahrt vor elf Jahren jedes Mal dabei. Obwohl am frühen Morgen auch für ein Frühstück gesorgt ist, will Sauer die Fahrt nicht als „Kaffeefahrt“ verstanden wissen. Es gehe vielmehr darum, gemeinsam unterwegs zu sein, zu singen und zu beten.

Ziel der Pilger ist das alljährliche Stadtkirchenfest der Katholischen Kirche in Frankfurt. Zu Ehren des Stadtpatrons Bartholomäus findet dies immer am Sonntag nach dem 24. August, dem Gedenktag des Heiligen, statt. Bartholomäus war ein Apostel Jesu und soll nach dessen Auferstehung in Indien und Armenien gepredigt haben. Seit Ende des zehnten Jahrhunderts befindet sich die angebliche Schädelplatte des Heiligen in Frankfurt. Einmal im Jahr zum Stadtkirchenfest wird diese in einer Prozession verehrt.

In diesem Jahr darf unter anderem Daniel Andrés aus Unterliederbach die Reliquie tragen. Der 25-jährige Informatikstudent freut sich darüber, mit anderen Menschen zusammen den gemeinsamen Glauben öffentlich zu zeigen.

Begegnung und Gespräche

Die Idee des Festes sei, die Menschen aus den unterschiedlichen Gemeinden zusammenzubringen, erklärt Mitorganisator Hans-Dieter Adam: „Begegnung und Gespräche stehen im Vordergrund.“ Das Besondere an dem Tag sei, dass die Ehrenamtlichen, die sonst immer eingespannt würden, heute mal frei hätten, sagt Adam.

Die Schiffspilger haben am Eisernen Steg angelegt und setzen nun den Weg zu Fuß in Richtung Dom fort. Dort findet um 10 Uhr der große Festgottesdienst mit über 1000 Christen statt.

Stadtdekan Johannes zu Eltz sagt dabei in seiner Predigt: „Die Kirche braucht Leute, die sich von Jesus angesprochen fühlen.“ Das Potenzial in Frankfurt sei groß, aber die Menschen müssten ihre Begabungen entdecken und einsetzen.

Nach dem Gottesdienst geht es im kühlenden Schatten des Doms mit Essen, Trinken, Musik und Gesprächen weiter. Verschiedene Initiativen und Gruppen stellen sich vor. So auch das Bildungsprojekt „Rahel“, das jungen Menschen in Äthiopien ein Studium ermöglicht. Mitgründerin Judith Breunig ist es wichtig, dass es da um Entwicklungszusammenarbeit geht: „Wir bringen das Geld. Die Menschen in Äthiopien machen alles andere, wählen zum Beispiel die Stipendiaten aus.“

Nebenan gib es eine eritreische Kaffeezeremonie zu sehen. Die Bohnen werden vor Ort geröstet, gemahlen und aufgegossen. Dazu gibt es kleine Brötchen, Datteln und Popcorn. Der Kaffeegeruch mischt sich mit dem Duft von Weihrauch. Rahwa Weldekidan, die vor 25 Jahren aus Eritrea nach Deutschland kam, erzählt: „Bei uns sitzen fast jeden Nachmittag nach der Arbeit Freunde, Nachbarn und Familie zusammen im Hof und trinken Kaffee.“ In Deutschland schafft sie dies nicht täglich, aber zumindest sonntags gibt es dieses Stück Heimat.

Nach dem Stadtkirchenfest wurde die Bartholomäusplakette an zwei verdiente Mitglieder der Stadtkirche verliehen. Die diesjährigen Preisträger sind Gisela Paluch, die im Kirchenladen „Punctum“ arbeitet, und Christoph Hefter, der zwölf Jahre Vorsitzender der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken war.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen