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Stadtführer Wesp Noch schwärmt er

Stadtführer Dieter Wesp kennt spezielle Fachgeschäfte. Doch die werden immer weniger: Neben Absatzproblemen machen auch die immer teureren Ladenmieten den Inhabern zu schaffen. Gehen sie in Rente, finden sich nur selten Nachfolger.

Dieter Wesp freut sich über Läden wie „Schirm-Klippel“. Foto: Andreas Arnold

Wenn Dieter Wesp über alteingesessene Läden in Frankfurt erzählt, gerät er ins Schwärmen. Über das kleine Geschäft hinter der Katharinenkirche, wo es noch einen Reparaturservice für Regenschirme gibt, über den jungen Angestellten eines Cafés am Kornmarkt, der die 100-jährige Firmengeschichte dozieren kann, oder über den Zubehörladen in der Braubachstraße, der bis unter die Decke mit Kruschelkram vollgestellt ist.

„Ich dachte, um so einen Laden noch zu finden, müsste man nach Wien oder nach Budapest reisen“, freut sich Wesp und verrät, dass er manchmal in den Laden geht und sich unter einem Vorwand eine Kleinigkeit kauft, um sich ungestört umschauen zu können.

Wesp ist nicht nur Stadtmensch mit Leib und Seele, sondern obendrein noch zertifizierter Stadtführer in Frankfurt. Um mal etwas anderes als die üblichen Sehenswürdigkeiten und historischen Plätze Frankfurts zu zeigen, hatte Wesp die Idee, Interessierten mal Frankfurter Fachgeschäfte mit Tradition näherzubringen. Die Führungen unter dem Titel „Frankfurter Fachgeschäfte – eine Spurensuche“ kommen gut an.

Interessierte gibt es genug, doch Fachgeschäfte in Frankfurt immer weniger. Das Buch „Zeitkonserven“ stellte 2009 insgesamt 30 alteingesessene Frankfurter Geschäfte vor. „20 Prozent davon gibt es jetzt schon nicht mehr“, gibt Wesp zu bedenken. Er selbst war auf die Idee zu seinen Führungen gekommen, als ein Fachgeschäft verschwand. Jahrelange hatte er sich beim Schlendern durch die Fahrgasse an „Schambach – Fachgeschäft für Berufsbekleidung“ erfreut, aber dort nie einen Arztkittel oder Blaumann gekauft. Ende 2010 schloss das Geschäft nach 60 Jahren, Fachbekleidung werde immer weniger nachgefragt und könne auch im Internet bestellt werden, hieß es zur Begründung.

Teure Mieten und kaum Nachfolger

Neben Absatzproblemen gibt es zwei weitere triftige Gründe für das Verschwinden der Fachgeschäfte in der Innenstadt: zum einen die immer teureren Ladenmieten, zum anderen die fehlende Bereitschaft, kleine inhabergeführte Ladengeschäfte zu übernehmen. Die Nachfolge treten zumeist globale Kettenbetriebe an, die Konsumgüter, Bekleidung oder Genussmittel im Sortiment haben. Als Folge daraus ist es etwa in der Frankfurter Innenstadt seit der Schließung von „Hartmann“ in der Neuen Kräme gar nicht mehr so einfach, einen Hammer zu kaufen.

Die meisten noch verbliebenen alteingesessenen Fachgeschäfte haben in der Töngesgasse überdauert. Dort sind die Ladenmieten noch überschaubar. In der Goethestraße hingegen gibt es nur noch „Global Player“. Ladenmieten von 270 Euro pro Quadratmeter können mit dem Verkauf von Kurzwaren oder Blumensamen nicht erwirtschaftet werden.

Das nächste alteingesessene Fachgeschäft, das aus der Frankfurter Innenstadt verschwinden wird, ist die Buchhandlung Carolus in der Liebfrauenstraße. Zum Jahresende 2015 ist wegen steigender Miete zumindest am angestammten Standort Schluss. Dort soll dann die Handelskette Butlers mit einer weiteren Filiale einziehen.

Frankfurter Originale: Unter diesem Titel stellt die Frankfurter Rundschau in loser Folge Fachgeschäfte vor, die es so nur in der Frankfurter Innenstadt gibt.

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