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Stadtentwicklung in Frankfurt „Gutes Miteinander mit neuen Nachbarn“

Uli Baier, planungspolitischer Sprecher der Grünen im Römer, schlägt im FR-Interview ein wissenschaftliches Consilium zum geplanten neuen Stadtteil im Frankfurter Norden vor.

Schmuckbild Binnenschifffahrt und Frankfurter Brücken im Deutschherrenviertel
Der Blick auf das Deutschherrnviertel heute. Foto: Rolf Oeser

Herr Baier, der Widerstand gegen den geplanten neuen Stadtteil im Frankfurter Norden wächst. Viele Menschen wollen keine neue Wohnungen vor ihrer Haustür. Sie haben in dieser Situation ein wissenschaftliches Consilium vorgeschlagen, das am heutigen Donnerstag auch im Stadtparlament beschlossen werden soll. Was kann das bringen?
Das historische Vorbild ist das Consilium Stadtraum Main, das von 1990 bis 1992 gearbeitet hat. Es ging damals darum, den Wohnungsbau am Main und die Öffnung der Mainufer für die Menschen vorzubereiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Fehler bei großen Projekten wie dem neuen Stadtteil am Anfang gemacht werden. Das gilt es mit einer guten Prozess-Steuerung zu verhindern.

Welche Ziele verfolgte das Consilium Stadtraum Main?
Es ging um einen Interessenausgleich. Und um genau diesen Ausgleich der Interessen geht es heute wieder. Damals kämpften die Metzger, unterstützt von vielen Bürgern, um die Erhaltung des Schlachthofs, auf dessen Gelände Wohnhäuser gebaut werden sollten. Mit 40 000 Unterschriften. Heute erleben wir, dass viele Menschen den Wohnungsbau vor ihrer Haustür ablehnen, den sie anderswo befürworten. Wir müssen dem ein positives Leitbild entgegensetzen, das den Mehrwert eines neuen Stadtteils aufzeigt.

Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Die Menschen vor Ort wehren sich zum Teil gegen den Wohnungsbau, auch Nachbargemeinden wie Steinbach machen mobil. Wie überzeugt man die Menschen?
Das Consilium für den neuen Stadtteil muss ein regionales Projekt sein. Die Nachbargemeinden müssen von Anfang an einbezogen werden und mitreden.

Die Nachbargemeinden sollen selbst Vorschläge machen können zur Entwicklung der Flächen an der Autobahn A5 im Frankfurter Norden?
Ja, absolut.

1990 haben Stadtplaner und Architekten unter dem Vorsitz des Züricher Planers Jakob Maurer ein Konzept für das Wohnen am Strom und die Öffnung der Mainufer entwickelt. Wie lange sollen die Planer und Architekten jetzt arbeiten?
Das Consilium war bewusst auf zwei Jahre befristet. Wir haben alle drei Monate Fachleute eingeladen, haben mit ihnen die Verhältnisse vor Ort intensiv in Augenschein genommen. Am Ende stand ein Katalog von 23 Empfehlungen, darunter konkret zum Verkehr und Freizeitpotenzial am Main. So könnte es jetzt auch laufen. Wir müssen herausarbeiten, welche Vorteile der neue Stadtteil den Menschen vor Ort und den Nachbargemeinden bringt.

Was lässt sich tun, um die Trennwirkung der achtspurigen Autobahn zu überwinden? Die Grünen schlagen Landschaftsbrücken vor. Was bedeutet das konkret?
Die Landschaftsbrücken sollen Teil einer neuen Grünverbindung sein, nicht nur als schmale Fußgängerstege, sondern als breite grüne Räume, wo die Autobahn unter einer Überdeckung verschwindet. Das Consilium wird uns sagen, welche alternative Lösungen man in anderen Städten der Welt entwickelt hat. Autobahnen sind keine unüberwindbaren Hindernisse. Das gleiche gilt für die Stromtrassen.

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