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Sprachen in Frankfurt Die Sprachen der Grie-Soß-Stadt

Wer babbelt wie in Frankfurt? Das haben Studierende der Empirischen Sprachwissenschaft an der Goethe-Universität untersucht und eine Sprachkarte erstellt - von Frankfurterisch bis Tschuwaschisch.

Projekt „Grisoli“
Sie sind Teil des Grisoli-Teams: Hannah Opitz, Ricardo Jung, Roxana Richter und Sophie Schmitt (v.l.). Foto: Michael Schick

Grisoli heißt das Projekt. Klingt erstmal wie der italienische Freund von Winnie Puuh oder ein neues Trend-Food. Aber weit gefehlt. „Es steht für Grie Soß Linguistik“, erzählt Ricardo Jung, der 24-jährige Projekttutor. 69 Studierende der Empirischen Sprachwissenschaft an der Goethe-Universität haben eine Sprachenkarte von Frankfurt erstellt, die man sich online anschauen kann: Welche Sprachen und Dialekte werden wo in welchem Stadtgebiet gesprochen, also von Frankfurterisch bis Tschuwaschisch? 

„Tschuwaschisch musste ich auch erst nachschauen, die Sprache kannte ich nicht“, erzählt Studentin Sophie Schmitt. Es wird in der russischen Republik Tschuwaschien und auch in Kasachstan gesprochen. Die 20-Jährige war eine der vielen Erstsemester, die gleich raus in die echte Welt, also auf „Feldeinsatz“, geschickt wurden, um Leute in Frankfurt zu befragen. „Und zwar nach ihrer Muttersprache, auch wenn Leute bilingual aufgewachsen sind, zählte das“, betont ihre Kommillitonin Roxana Richter (20). Sie selbst ist zweisprachig aufgewachsen, spricht Deutsch und Rumänisch. Für das Projekt war sie im Dezember 2016 zur Zeit des Weihnachtsmarkts zwischen Zeil und Römer unterwegs. Die Reaktionen seien sehr unterschiedlich ausgefallen. „Von „Ich habe keine Zeit“ bis „Cool, warte, ich hole gleich meine Freunde dazu“, sagt Richter und lacht. 500 Menschen wurden befragt. Also erst einmal ein Ausschnitt der Realität. 

„Dieses Projekt ist bisher einmalig“, betont aber Zakharia Pourtskhvanidze, Studiengangkoordinator am Institut und Leiter des Projekts auf dem Bockenheimer Campus. Für keine andere Großstadt in Deutschland gebe es nämlich einen vergleichbaren Überblick. „Frankfurt ist von seiner Größe her bestens geeignet für eine solche Untersuchung – es ist weder zu groß noch zu klein“, so Pourtskhvanidze. Außerdem zeichne sich die Stadt eben durch eine besondere Multikulturalität und Multilingualität aus.

„Das Projekt ist perfekt für Studienanfänger, denn es geht darum, reale Sprachdaten zu sammeln“, sagt Jung, als Projekttutor auch für die technische Umsetzung zuständig. 
Ziel sei von Anfang an aber keine repräsentative Erhebung für statistische oder politische Zwecke. „Vielmehr soll die Sprachenkarte für Forscher und Laien gleichermaßen aufschlussreich sein“, so Jung. Fast 200 Sprachvariationen wurden auf diese Weise erfasst. „Doric“ kannte die Gruppe bislang auch nicht. Das ist Nordostschottisch. 

Gefragt wurden 500 Menschen, die in Frankfurt arbeiten, studieren oder zur Schule gehen. „Wir haben aus Datenschutzgründen nicht nach ihrem Wohnort gefragt“, erzählt Hannah Opitz. Die 20-Jährige hat das „Grisoli“-Logo entworfen: Ein Grinse-Gesicht: Die Eier sind die Augen, die Grie Soß der lachende Mund. 

Die erfassten Daten sind nun für die Öffentlichkeit in einer Sprachenkarte abrufbar, die allerdings noch weiter ausdifferenziert werden soll. „Wir werden auch in den nächsten Semestern die Werbetrommeln rühren, damit wir so viele Daten wie möglich sammeln können“, sagt Projektleiter Pourtskhvanidze. Sophie Schmitt und Roxana Richter, die bald als Erstsemester-Tutorinnen anfangen, würde das sehr freuen. „Wir finden das Projekt sehr cool, und es wäre toll, die Erstis dabei zu unterstützen.“ 

Unterstützt wurde die Gruppe vom Vermessungsamt. Wie die Karte weiter verfeinert werden könnte, dafür gebe es noch etliche Ideen. „So sollen beim Anklicken eines Datenpunktes Informationen zu der jeweiligen Sprache erscheinen“, sagt Jung.

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