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Sport in Frankfurt Gehörlose Tennisspieler kämpfen um die Meisterschaft

Frankfurt ist an diesem Wochenende Austragungsort der Deutschen Tennismeisterschaften der Gehörlosen. Unter den Teilnehmern ist auch eine Weltmeisterin.

Deutsche Tennismeisterschaften der Gehörlosen in Frankfurt
Verena Fleckenstein beim Aufschlag. Foto: Privat

Auf der Tennisanlage des FTC Palmengarten werden am Wochenende viele Fingerzeichen zu sehen sein. Frankfurt ist in diesem Jahr Ausrichter der Deutschen Meisterschaften im Gehörlosen-Tennis. Teilnehmen darf, wer auf seinem besseren Ohr eine Hörschädigung von mindestens 20 Dezibel im durchschnittlichen Frequenzbereich hat. Anders als bei offenen Turnieren sind im Gehörlosen-Tennis auch keine Hörgeräte oder sonstige Verstärker erlaubt. Die Zwischenstände werden daher mit Fingern angezeigt. Der Zeigefinger steht für 15, Daumen, Zeige- und Mittelfinger für 30, Mittel-, Ring- und kleiner Finger für 40.

Verena Fleckenstein hört ohne Hilfsmittel erst Geräusche ab einer Lautstärke von etwa 70 Dezibel. Sie hört kein Aufspringen des Balles, kein Treffen des Balles und keine Rufe wie „Netz“ oder „aus“. „Es ist schon ein gravierender Unterschied, wirklich nichts zu hören“, sagt Fleckenstein. Doch die 41-Jährige kann mit diesem Handicap meisterlich umgehen, sogar weltmeisterlich. 

Vor allem im Doppel ist die Unterfränkin, die bei den Meisterschaften für den GTSV Frankfurt startet, eine Koryphäe. Mit ihrer Partnerin Heike Albrecht hat sie bereits drei Weltmeisterschaften eingeheimst und wird auch in diesem Jahr wieder an den Mannschaftsweltmeisterschaften in der Türkei ab Mitte September teilnehmen. 

Natürlich ist die Kommunikation mit der Doppelpartnerin schwer. Zurufe wie „Ich habe den Ball“ oder „Nimm du ihn“, sind zwecklos. „Wir lesen im Doppel von den Lippen ab oder zeigen es mit Gebärdensprache an“, sagt Fleckenstein. Dazu sei mehr noch als üblich die gute Beobachtung des Gegners gefragt. Es gelte, frühzeitig zu erkennen, ob ein Slice oder ein Drive gespielt werde.

Endspiele in Frankfurt am Sonntag

Der Deutsche Gehörlosen-Sportverband wurde bereits 1910 gegründet, damals noch unter der Bezeichnung „Verband Deutscher Taubstummen-Vereine für Leibesübungen“. Seit 1969 gibt es innerhalb des Verbandes auch eine Tennissparte. Allzu groß ist die Abteilung nicht, bundesweit sind 162 Mitglieder registriert, doch die können bei den internationalen Wettkämpfen wie den Deaflympics (Olympische Spiele für Gehörlose), Welt- und Europameisterschaften zahlreiche Titel und Medaillen mit nach Hause bringen. 

Von den Mitgliedern werden 40, also rund ein Viertel, an den Meisterschaften in Frankfurt teilnehmen. Sie reisen aus dem ganzen Bundesgebiet an. Die Wettkämpfe im Einzel, Doppel und Mixed beginnen am Freitag ab 12 Uhr auf der Anlage im Berkersheimer Weg 106 in Eschersheim. Die Endspiele werden am Sonntag ab 9 Uhr gespielt. 

Verena Fleckenstein will sowohl im Einzel wie auch im Doppel und im Mixed an den Start gehen. Im Einzel hat sie sich   vorgenommen „so gut wie möglich meine Leistung abzurufen und das Endspiel zu erreichen“. Wer sich die Deutschen Meisterschaften anschauen will, darf bei den Spielen mit herkömmlichem Applaus ruhig sparsam sein, die Spieler und Spielerinnen hören ihn nicht. Stattdessen werden als visuelle Unterstützung die erhobenen Hände bewegt. 

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