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Sport Fußball als Sprache der Gefühle

Ein interkulturelles Turnier dient der Integration von Geflüchteten. Das Turnier veranstaltet zum fünften Mal seit 2015 der Sportkreis Frankfurt.

Als die Emotionen bei den Spielern vom Team „Kabul“ hochkochen, versucht Schiedsrichter Abdullah Jouma ruhig zu bleiben. Doch die Wogen lassen sich nicht so schnell glätten. Schließlich stellt er beim Finale des „Interkulturellen Fußballturniers“, am Samstag in der Fechenheimer Fabriksporthalle einen Spieler nach Beleidigungen für zwei Minuten vom Platz. Neun Mannschaften mit geflüchteten Jugendlichen und Männern, die in Frankfurter Unterkünften verschiedener Träger leben, sind dabei. Der „FC Vatan“, das zehnte Team, das aus Hanau kommt, gewinnt das Turnier. Nach dem Finale geben sich Gegenspieler und Referee die Hände.

Das Turnier veranstaltet zum fünften Mal seit 2015 der Sportkreis Frankfurt mit der Kreisschiedsrichtervereinigung des Hessischen Fußballverbandes sowie der kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der Stadt. Die Schiedsrichter sind ebenfalls aus ihren Herkunftsländern geflohen. Von „ganz normaler Aggressivität“, spricht Schiri Jouma nach dem Finale. Bei Partien, die er in der Kreisliga B und im Jugendbereich pfeife, gehe es ähnlich zu. In seiner Heimat Syrien wurde er Schiedsrichter, nachdem ihn eine Knieverletzung zwang, die aktive Fußballerkarriere zu beenden. Neben seinem Ehrenamt als Unparteiischer trainiert er ein Jugendteam bei Blau-Gelb Frankfurt.

Haci Hacioglu, stellvertretender Sportkreisvorsitzender und Mitglied der KAV ist auch Schiedsrichter. Der 53-Jährige sagt, es gehe beim Fußballspielen auch darum, zu lernen, „Emotionen unter Kontrolle zu halten“. Ziel des Turniers sei es „Geflüchtete beim Sport zusammenzubringen und in die Gesellschaft zu integrieren“. Das möchte der Sportkreis auch am Sonntag mit der „Info-Messe-Sport“ erreichen. Vereine, Stadtteilinitiativen, Trägereinrichtungen und Integrationsprojekte treffen sich zum zweiten Mal in der Fabriksporthalle zum Erfahrungsaustausch. Daneben präsentieren Vereine 18 Sportarten. Geflüchtete sollen einen Eindruck erhalten, wie Sport ihnen helfen kann, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen.

Ballsport als „Methode zur Integration“

„Sportarten sind eigene Sprachen“, sagt Abdullah Jouma. Und Fußball sei, wie die englische Sprache, die bekannteste dieser Verständigungsmöglichkeiten. Der Ballsport sei eine „Methode zur Integration“, sagt er. Seine Schiedsrichterkollegin Helen Abraham, die beim Siebenmeterschießen im kleinen Finale um Platz drei Mühe hat, die Kicker vom Schusskreis fernzuhalten, sagt, es sei ganz normal, dass Emotionen im Spiel aufkommen würden. Echte Freude über erzielte Treffer und gespielte Dramatik bei verschossenen Bälle zeigen die Akteure in diesem Fall.

Die 32-Jährige weiß, wovon sie spricht. Abraham war in Eritrea vor neun Jahren die erste Schiedsrichterin, die für den Fußballweltverband Fifa internationale Herrenspiele gepfiffen hat. Sie sei „stolz und glücklich“ es mit ihrem „Hobby“ so weit gebracht zu haben. Nun möchte sie ihr Deutsch verbessern, um auch in Deutschland in höheren Ligen pfeifen zu können.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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