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Spitzengastronomie Ein Weltenbummler am Main

Spitzenkoch Mario Lohninger ist in Frankfurt sesshaft geworden und liebt sein „Wohnzimmer-Restaurant“ in Sachsenhausen.

Mario Lohninger
Mario Lohninger in seinem nach ihm benannten „Wohnzimmer-Restaurant“ in Sachsenhausen, Foto: Christoph Boeckheler

Mario Lohninger hastet über den Markt von Brown’s Town auf Jamaika. „Wo kriege ich nur dieses Holz her?“, fragt sich der Koch auf der Suche nach den passenden Grillutensilien für Jerk Pork. Im portugiesischen Torres Vedras grübelt der Österreicher, was wohl die richtigen Zutaten für den berühmten Bohnenkuchen Pastéis de Feijao sein könnten. Die Ausflüge in die Karibik und in die Estremadura verdankt Lohninger der Vox-Kochshow Kitchen Impossible. In dem Fernsehformat treten Star-Köche gegen Tim Mälzer an und müssen lokale Spezialitäten ohne Rezept möglichst originalgetreu zubereiten.

Kochen in fremden Ländern ist Lohninger gewohnt. Der 44-Jährige aus dem Salzburger Land hat in Paris, Palo Alto, Los Angeles und in New York gewirkt, an letztgenannter Station war er gar fünf Jahre lang Küchenchef im angesagten Restaurant Danube. „Ich war 85 Prozent der DNA des Danube, aber ich musste schon in einer Umzäunung bleiben“, erinnert sich Lohninger. Also war für ihn klar, dass er sich selbstständig machen würde. Der Plan war ein eigenes Restaurant in San Francisco; seine Eltern, Gasthofbesitzer im Pinzgau, hatten schon die Bereitschaft signalisiert, die Koffer zu packen, um ihren Sohn dabei zu unterstützen.

Sven Väth lockt nach Frankfurt 

Doch dann lernte Lohninger im Danube einen gewissen Sven Fäth kennen, der versuchte, ihn für ein Projekt in Frankfurt zu begeistern. „Könnt ihr das nicht in Berlin oder Barcelona machen?“, fragte Lohninger noch. Aber Väth wollte die Techno-Disco mit angeschlossener, gehobener Gastronomie in seiner Heimatstadt Frankfurt realisieren.

Der Spross aus dem Salzburger Land hat sich dann zunächst mal bei Wikipedia schlau gemacht über die Stadt am Main. „Das war schon überschaubar, wie sich Frankfurt da verkauft hat“, erinnert sich Lohninger und ergänzt: „Kein Ozean, keine Berge, das war mir nicht exotisch genug.“

Von Fechenheim nach Sachsenhausen 

Aber er hat sich dann doch überzeugen lassen von dem Projekt. Statt Lower Manhattan Industriegebiet Fechenheim. Der Erfolg machte Lohninger das Bleiben dann leicht; für sein Restaurant Silk bekam er einen Michelin-Stern. Als das Projekt 2012 aus Kostengründen scheiterte, wäre es ja für den Weltenbummler an der Zeit gewesen, weiterzuziehen. Stattdessen machte er in der Schweizer Straße in Sachsenhausen ein Restaurant auf. Seine Eltern packten die Koffer, um zu helfen. Statt auf die Golden Gate Bridge schauen sie nun auf die Untermainbrücke.

Fast 15 Jahre ist Lohninger nun in Frankfurt, sitzt in seinem „Wohnzimmer-Restaurant“ und sieht ziemlich zufrieden aus. Ans Weiterziehen denkt er gar nicht. Stattdessen lobt er die Stadt ohne Ozean und Berge in den höchsten Tönen. „Ich bin so offen und warm aufgenommen worden, Frankfurt ist eine offene Stadt, war schon immer Multikulti.“ Und zu Sachsenhausen, wo er auch wohnt, sagt er: „Sachsenhausen ist so charmant, wir sind das Brooklyn Frankfurts.“

Weiterziehen sei kein Thema. „Mir ist es hier immer zu gut gegangen, um wegzugehen; mein Ding ist es, hier Flagge zu zeigen.“ Er brauche ja kein neues Restaurant, um sich weiter auszuprobieren. „Wir Köche können jeden Tag was Neues machen.“

Wie zum Beispiel Jerk Pork auf Jamaika. Mit der auf Süßholz zubereiteten Grillspezialität war er schon richtig happy. „Ich hätte es vielleicht schon etwas schärfer machen können“, glaubt Lohninger. Beim Backen des Mandel-Bohnenkuchens ging es der Gault-Millau-Koch des Jahres 2010 dann ziemlich freigeistig an. „Das war ein guter Kuchen, aber er hatte mit dem Original nichts zu tun“, gesteht Lohninger. Dafür kann er sich aber vorstellen, den Kuchen mal im eigenen Restaurant zum Espresso anzubieten.

Kitchen Impossible, VOX, Sonntag, 18. März, 20.15 Uhr

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