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SPD Frankfurt SPD stoppt den Mitglieder-Schwund

Die Frankfurter Sozialdemokraten stabilisieren sich bei 3700 Mitgliedern. Schauspieler und Regisseur Oskar Mahler tritt in die SPD ein und wird Beauftragter für das Bahnhofsviertel.

Mike Josef (rechts) und sein neues Mitglied Oskar Mahler. Foto: christoph boeckheler*

Vom Trubel der Taunusstraße führen einige Stufen hinab ins kühle Dunkel des Clubs „Oye“. Vor sechs Wochen haben die Brüder Yeshi, Mengi und Taff Zeleke im Bahnhofsviertel ihren neuen Szenetreff eröffnet. Und Mike Josef, der gerade einmal 33-jährige Frankfurter SPD-Vorsitzende, der mit den Zelekes befreundet ist, hat „ganz bewusst“ diese Location gewählt. Gilt es doch zu signalisieren, dass die altehrwürdige Sozialdemokratie endlich wieder jung, hip und attraktiv zu werden beginnt.

Zumindest lässt sich sagen: Die Frankfurter Partei hat nach Jahrzehnten ihren Schwund gestoppt. Schon im Nebel des Mythos verschwunden sind die 70er Jahre, in denen die SPD die absolute Mehrheit im Römer stellte und 12 000 Mitglieder zählte. Auf dem Tiefpunkt war sie am 1. Januar 2012 angekommen: Nur 3737 Frankfurterinnen und Frankfurter besaßen noch ein SPD-Parteibuch.

Die alten sozialdemokratischen Milieus sind längst zerfallen, die Parteien insgesamt haben ihre Bindungskraft verloren. „Sie kämpfen generell mit dem Mitgliederschwund“, sagt Josef. Und so feiert es die SPD als Erfolg, dass es in Frankfurt seit 2012 nicht weiter bergab ging. Am 19. Dezember zählte die Partei 3732 Mitglieder. In diesem Jahr haben 187 Menschen den Weg in die SPD gefunden, 2015 waren es nur 127.

Sogar ein kleiner „Trump-Effekt“ (Josef) ist zu verbuchen. Seit der Populist am 7. November zum US-Präsidenten gewählt wurde, traten 38 Personen neu in die Frankfurter SPD ein, nach dem Motto: Jetzt erst recht. Glaubt zumindest die SPD. Es macht der Partei Mut, dass der Altersdurchschnitt der neuen Mitglieder des Jahres 2016 nur bei 37 Jahren liegt.

Einen prominenten neuen Sozialdemokraten hat Josef mitgebracht. Der freilich hebt den Altersdurchschnitt wieder: Es ist der 64-jährige Schauspieler und Regisseur Oskar Mahler.

30 Jahre lang, von 1975 bis 2005, hatte er mit den Puppen des Frankfurter Klappmaul-Theaters in Deutschland Geschichte geschrieben. Der weltläufige Mann, der in Paris und San Francisco lebte, führte zuletzt Jahre den Gewerbeverein Bahnhofsviertel, bevor er an den Fotografen Ulrich Mattner übergab. Es ist auch die Sorge um das Bahnhofsviertel, die Mahler in die SPD führt. Der Künstler wird künftig im Frankfurter Unterbezirksvorstand als „Berater für die Entwicklung des Bahnhofsviertels“ tätig sein.

Alarmzeichen im Bahnhofsquartier

An dieser Stelle kippt die Pressekonferenz zu einer kritischen Bestandsaufnahme der Lage im Bahnhofsquartier. Mahler lobt zwar den Zuwachs von nur 1800 Bewohnern im Jahre 2005 auf heute wieder mehr als 4000. Doch die Alarmzeichen sind nicht zu übersehen: „Die Lage in der Taunus- und in der Niddastraße hat sich verschlechtert, die Drogenszene dort hat deutlich zugenommen“, bilanziert Gregor Amann. Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete, heute Vorsitzender des Ortsvereins Bahnhof-Gutleut, beklagt den angekündigten Wegzug des legendären Musikinstrumenten-Ladens „Cream Music“ im Jahre 2017 aus der Taunusstraße: „Das wusste der Magistrat, aber es ist recht wenig passiert.“

Der Sozialdemokrat fordert eine Weiterentwicklung der Drogenpolitik, „eine Mischung aus Hilfsangeboten und polizeilicher Repression“.

Neu-Mitglied Mahler unterstützt das. Ende der 80er Jahre habe Heroin die Drogenszene im Bahnhofsviertel dominiert. Heute gebe es dort einen „Mischkonsum“ vieler Drogen. Und neue harte Stoffe wie etwa Crack bräuchten „neue Antworten“.

Auch SPD-Vorsitzender Josef urteilt: „Parteipräsenz alleine ist keine Lösung.“ Wie aber das Rezept am Ende aussehen kann, bleibt an diesem Montagmittag offen.

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