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Soziale Stadt „Nachbarschaft muss wachsen“

Der Quartiersmanager Christian Spoerhase erwartet im Gallus eine schleichende Verdrängung. Die vielen Neubauten im Viertel werden nach seiner Einschätzung den Mietspiegel heben.

Christian Spoerhase ist Quartiersmanager im Gallus. Foto: christoph boeckheler*

Herr Spoerhase, das Programm „Soziale Stadt“ im Gallus läuft Ende des Jahres aus. Sie müssen das Stadtteilbüro in der Frankenallee aber nicht schließen.
Es gibt dazu gerade viele besorgte Anfragen. Die Menschen haben großes Interesse am Quartiersmanagement, weil sich im Stadtteil viel ändert. Aber das Büro bleibt offen, ich bleibe. Im städtischen Programm „Aktive Nachbarschaft“ können wir die begonnenen Projekte weiterverfolgen. Zusätzlich kümmern wir uns um das Zusammenwachsen von Europa- und Gallusviertel.

Das ist ja ein riesiger Bruch zwischen dem alten Gallus und dem neuen Europaviertel.
Das kommt, weil das Neubaugebiet fast aus einem Guss entsteht. Nachbarschaftliche Beziehungen müssen aber wachsen. Entscheidend ist, Alteingesessene und Neubürger auf ihrem Weg zu einem lebendigen Stadtteilleben zu unterstützen.

Es gibt im Europaviertel eine ganz andere Bewohnerstruktur.
Die Wünsche der Menschen sind aber die gleichen. Auch sie wollen einen Bäcker haben, sie wollen keine weiten Wege und Gesellschaft am Abend. Es gibt viel Interesse, das Stadtteilleben mitzugestalten. Etwa in der Initiative „Kind im Gallus“, da engagieren sich auch junge Leute aus dem Europaviertel. Wir wollen die Kontakte anschieben, neue Orte der Begegnung schaffen.

Ist das Café im Pavillon an der Quäkerwiese so ein Ort?
Ja, denn neben dem Nachbarschaftscafé gibt es dort auch ein Büro, das von Initiativen für ihre Arbeit genutzt werden kann. Über die entstehende grüne Achse vom Rebstock über den Europagarten bis zum Taschenpark an der Paul-Hindemith-Schule ist der Pavillon auch gut erreichbar.

Das alte Gallus ist im Umbruch. Überall wird neu gebaut.
Deshalb muss man die Menschen unterstützen, gerade weil so viele Bewohner dazukommen. Wir wollen die Menschen aktivieren und ihre Eigeninitiative unterstützen. Der Gedanke ist: Wenn sie sich identifizieren und engagieren, kümmern sie sich mehr um ihren Stadtteil und die Lebensqualität vor Ort steigt.

Wie kann man denn die Menschen unterstützen?
Man muss ihre Wünsche, Probleme und Visionen kennen. Hierzu gehen wir raus auf die Straße, zum Beispiel mit unseren vier Kiezläufern. Die bringen die Themen mit, die dann etwa auch im Stadtteilbeirat aufgegriffen werden. Beim Programm „Soziale Stadt“ lag der Schwerpunkt auf der städtebaulichen Erneuerung, das Programm „Aktive Nachbarschaft“ gibt uns die Chance, die sozialen Themen stärker in den Fokus zu nehmen.

Täuscht der Eindruck oder ist das Gallus überaltert?
Es gibt viele, die seit der Kindheit hier leben. Fluktuation entsteht nur, wenn Familien keine große Wohnung finden. Das ist sehr schade. Die ABG versucht, Wohnungen zusammenzulegen. Die Entscheidung, im Gallus eine Oberstufe anzusiedeln, ist ganz wichtig. Das ist für Familien Anlass, zu bleiben.

Gentrifizierung kennt das Viertel nicht.
Bisher wird hier niemand verdrängt. Es gibt genug Grundstücke, um neue Wohnprojekte zu entwickeln. Man wird es aber langfristig mit einer schleichenden Verdrängung zu tun bekommen, weil die vielen Neubauten den Mietspiegel heben.

Wenn Sie zurückblicken auf die Zeit, als Sie vor acht Jahren im Stadtteilbüro angefangen haben, was war das für ein Viertel?
Ich hatte ein sehr familiäres Gefühl. Hier kannten sich alle. Man wusste, was los war in den Familien. Mit den Neubauten ist eine starke Dynamik reingekommen. Den neuen Nachbarschaften muss man Zeit geben.

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