Lade Inhalte...

Sossenheim Täglich in die Pedale treten

Der Radsportverein Sossenheim hat große Rennfahrer hervorgebracht. Doch wer was erreichen will, muss viel trainieren. Etwa 40 Fahrer aller Altersklassen kommen regelmäßig zum Training, doch die Bindung zum Stadtteil hat nachgelassen.

22.08.2014 09:40
Hans-Ludwig Buchholz
Kurze Trainingspause. Foto: Charly Brech

Radfahrverein kommt von Radfahren und sonst von gar nichts“, sagt Vereinsvorsitzender Charly Brech. Wer ganz vorne mitfahren will müsse am besten täglich trainieren. „Für viele ist das zu viel.“ Etwa 40 Fahrer in den verschiedenen Altersklassen nehmen die Strapazen dennoch auf sich und kommen regelmäßig zum Training im Radsportverein (RV) Sossenheim.

Brech ist selbst jahrelang professionell gefahren. Heute organisiert er die Arbeit des Vereins. Und freut sich über den  Nachwuchs. Vor allem in den 90ern war der Verein geschrumpft. Inzwischen kommen wieder mehr Jugendliche. „Da ist es manchmal richtig schwer, beim Training den großen Haufen in Ordnung zu halten“, sagt Brech stolz.

Den kleinen Boom der vergangenen Jahre erklärt der Vereinsvorsitzende vor allem mit Aufstieg des Radsports an sich. Es gibt mehr Fahrradwege, mehr Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, und mehr Familien, die am Wochenende Radtouren machen. Das bringe dann auch mehr Eltern und Jugendliche auf die Idee, das Fahren intensiver als Sport zu betreiben.

Die Vorteile hebt Trainerin Tina Smolders hervor. Sie ist 20 Jahre lang Rennen gefahren und kümmert sich heute um den Nachwuchs. „Die Kinder lernen, sich zu begeistern und anzustrengen“, sagt sie. „Das hilft einem auch später im Leben, wenn man mit viel Ehrgeiz ein Ziel hartnäckig verfolgen und erreichen kann.“ Zudem sei das Radfahren ganz unabhängig von den erzielten Erfolgen eine tolle Möglichkeit, das Frankfurter Umland kennen zu lernen, ergänzt Brech.

Gemessen an der Vergangenheit des Vereins fällt jedoch auch der aktuelle Boom bescheiden aus. Gegründet 1895 von einem Sossenheimer Fahrradhändler, begann der Club im Breitensport. Bald darauf fuhren mehr und mehr Sossenheimer erfolgreich bei Rennen mit. Und machten so ihren Verein bekannt.

„Im Laufe der Jahre hat der RV viele große Profis hervorgebracht“, erzählt Helmer Bohlsen, der die Sossenheimer lange als Sportjournalist begleitet hat. Die Liste beginnt mit Hans Ludwig, „einem der Pioniere des Rennradfahrens in Deutschland“. Sie setzt sich fort mit Erwin Moos, Theo Intra und Volker Sprenger. In jüngerer Zeit kamen Robert Lange und John Degenkolb hinzu. Sie gehören zu den Großen des Sports. Mit Wurzeln im RV Sossenheim. Der jüngste Erfolg vor wenigen Wochen: die deutsche Vize-Bergmeisterschaft von Sascha Starker.

Neben den Profis prägen die sogenannten RTF-Fahrer das Vereinsleben. Sie sind meist ehemalige Rennfahrer oder Eltern des Nachwuchses, die es auf ihren Radtouren langsamer angehen lassen. Touristisches Fahren nennt sich das. Sie sind Bindeglied zum Stadtteil. Abgesehen vom jährlichen Fronleichnamsrennen hat der professionelle Teil des Vereins seine Bindung zum Namensgeber Sossenheim weitgehend verloren.

„Früher waren das immer Leute aus Sossenheim, die den Verein prägten“, sagt Bohlsen. Inzwischen kommen die meisten aus anderen Teilen des Rhein-Main-Gebiets. Umso wichtiger ist die Verbindung durch die RTF-Fahrer. Die meisten von ihnen sind Sossenheimer. Zwischen ihren Radtouren treffen sie sich regelmäßig im Stadtteil zum Vereinsabend und tauschen sich über die Erfolge des Nachwuchses aus. Nur: Es werden immer weniger.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen