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Sommerwerft und Stoffel Stoffel und Sommerwerft starten fast zeitgleich

Fast zeitgleich beginnen in Frankfurt gleich zwei Open-Air-Festivals: Das Stoffel im Günthersburgpark öffnet heute. Die Sommerwerft am Main startet am Freitag. Neue Sicherheitsauflagen bereiten beiden finanzielle Sorgen.

Stoffel 2017 im Günthersburgpark
Der Stoffel, die Open-Air-Veranstaltung des Stalburg-Theaters, ist bei den Frankfurtern beliebt. Foto: Rolf Oeser

Jedes Jahr ist da dieser Kampf um die Finanzierung. Und noch nie habe das Festival „Sommerwerft“ bis zum letzten Moment so gewackelt. „Seit diesem Jahr gibt es neue Sicherheitsanforderungen, die unser Budget sprengen“, betont Bernhard Bub. Der künstlerische Leiter des Freien Theaters Antagon hat im Jahr 2002 das Festival, am Frankfurter Mainufer zwischen Flößerbrücke und Europäischer Zentralbank gelegen, überhaupt erst erschaffen. 

Bis 2 Uhr nachts hat der 61-Jährige am Abend zuvor geprobt für „Traum einer Szene“, Teil 3, es geht um die 1968er. 

Ein Stück der zahlreichen in diesem Jahr der beliebten Sommerwerft. Veranstaltet wird es vom Verein Protagon – Freunde und Förderer freier Theateraktionen, zusammen mit Partnern der Region und der Stadt. Mehr als 200 internationale Künstler, Musiker, Schauspieler und Artisten treten auf vier Bühnen auf, knapp 100 000 Menschen besuchen die Sommerwerft an den 17 Tagen. 

An diesem Freitagabend geht es los und dauert bis zum 5. August. Es ist ein Festival des Theaters, der Musik, des Tanzes, des Films. Aber es gibt auch so viele Workshops wie noch nie, vom Stelzenworkshop bis Zumba – und das alles kostenlos. 

In den ersten sechs Jahren kostete die Sommerwerft noch zwölf Euro Eintritt. Seit 2008 ist sie frei. „Unsere Idee war es eben, Kultur für alle zu machen. Vom Banker bis zum Punk. Und jeder gibt, was er kann und will, ins Schmetterlingsnetz“, betont Feyza Morgül, die seit zehn Jahren die Pressearbeit macht. „Wir bekommen einen Kostenbeitrag für unsere Arbeit.“ 20 bis 30 Stunden die Woche arbeitet sie momentan. 25 Mitarbeiter bekämen diesen Kostenbeitrag. Die internationalen Theaterkünstler erhalten aber alle eine Festgage. 

Ohne Spenden, 300 ehrenamtliche Helfer aus der ganzen Welt und Gastro-Einnahmen gäbe es die Sommerwerft schon lange nicht mehr. 50 000 Euro bekommt die Reihe von der Stadt an Fördergeld. „Aber allein das neue Sicherheitskonzept mit Fluchtwegen und Notfallbeleuchtung kostet um die 60 000 Euro“, sagt Feyza Morgül.

„Die Jahre zuvor hatten wir die Sicherheitssituation bei der Sommerwerft nicht so kritisch eingeschätzt“, sagt Andreas Schmidt. Verwaltungsleiter des Grünflächenamts. Die Sommerwerft sei aber eine Großveranstaltung – und so auch ein mögliches Ziel für Terrorangriffe.

Warum die ebenfalls kostenlose Open-Air-Veranstaltung Stoffel (Stalburg Theater Offen Luft) im Frankfurter Günthersburgpark, die sich in der gleichen Größenordnung bei der Besucherzahl abspielt, keine Sicherheitsauflage habe, dafür habe er „keine sachliche Begründung.“

„Wir werden den Stoffel wie auch andere Veranstaltungen im kommenden Jahr überprüfen“, so Schmidt. „Die Sommerwerft würde, wenn es keine ehrenamtlichen Helfer gäbe, eine halbe Million Euro kosten“, betont Morgül. Der Zuschuss des städtischen Haushalts biete kaum eine Basis zum Weitermachen, noch decke dies nicht die seit Jahren wachsenden Kosten des Festivals.

„Wir haben Angst vorm finanziellen Schiffbruch“, so Bub. Denn „wenn die Stadt unser Festival so begrüßt, sollte sie uns auch finanziell ausreichend ausstatten.“ Es genüge nicht, wenn Politiker einfach bloß sagten, wie toll die Sommerwerft sei. Die Macher hoffen nun auf zusätzliche Fördergelder der Stadt. 
Am Montagabend war noch nicht klar, wie viel Geld kommt, aber das Ordnungsamt habe mündlich zugesagt, die Kosten von „zusätzlichen erforderlichen Maßnahmen“ beim Sicherheitskonzept zu übernehmen, so Bub. 

Lärmstreitigkeiten seien das geringste Problem der Sommerwerft. Das bestätigt auch Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamts, denn es gebe wenig Anwohner-Beschwerden. Ganz anders beim Stoffel: Da in der Vergangenheit die Lautstärke für einige Anwohner ein Problem darstellte, gibt es Auflagen für die Beschallung beim Stoffel im Günthersburgpark, der am Donnerstag losgeht: So gebe es laut Jenisch zwei verstärkerfreie Tage pro Woche. An den übrigen Tagen beginne um 22 Uhr die Nachtruhe. Die Ausnahme sei der Abschlusstag, da darf es bis 23 Uhr lauter werden.

Trotz allem freut sich aber Michi Herl, Macher und Gesicht des Stoffels, über das 15-Jahre-Jubiläum. Die Open-Air-Veranstaltung des Stalburg-Theaters, die diesmal bis zum 11. August geht, sei von Anfang an sehr populär. „Wir rechneten am ersten Abend mit 200 Gästen, es kamen 1000“, so Herl. 
Die Leute lechzten nach dem Stoffel. 42 Bands plus Kinderprogramm und sechs Lesungen stehen auf dem Programm.

Bei gutem Wetter kämen bis zu 5000 am Abschlussabend. Von Anfang an war auch wichtig, dass das Festival „keinen Eintritt“ kostet. „Eine Veranstaltung auch für Leute mit wenig Geld, denn auch von denen gibt es eine Menge in Frankfurt“, so Herl. 40 000 Euro bekommen sie mittlerweile nun jährlich und fest aus dem städtischen Haushalt.

Der Rest komme von Sponsoren, Werbung, Gastro-Einnahmen und dem „freiwilligen Eintritt“ der Gäste, den sie in den roten Eimer am Ende des Abends werfen. Um gut schlafen zu können, bräuchten die Macher 120 000 Euro an Fördergeldern. Die Einnahmen des Festivals finanzierten mittlerweile das Stalburg-Theater. 

In den vergangenen Jahren sei der Stoffel vom Geist gleich geblieben also „kein Schickimicki“, „kein Berger Straßenfest“, „aber wir sind professioneller geworden“. Keine Partyzelte, die gleich weggeweht werden können. „Anfangs wollte kaum einer auftreten, weil wir nicht wussten, ob wir eine Gage zahlen könnten“, sagt Herl. Nun aber treten hier auch internationale Bands auf wie „Rosario Smowing“, die für ihren „Swing Argentino“ in Argentinien sehr geliebt werden.

„Mittlerweile fragen Bands, ob sie bei uns spielen dürfen“, erzählt Filippo Tiberia, der auch für das Programm verantwortlich ist. „Die Agentur von Schlagerstar Michael Wendler hat uns angefragt, aber wir haben ‚Nein danke‘ gesagt“, erzählt Tiberia und lacht laut los. 

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