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Sommer in Frankfurt Bäumen droht der Hitzetod

Die Mitarbeiter des Frankfurter Grünflächenamts sind nach Wochen der Gluthitze am Anschlag. Sie wässern die Straßenbäume in der Stadt. Doch es ist fraglich, ob alle Bäume den Sommer überleben.

Sommer in Frankfurt
Mitarbeiter des Grünflächenamtes bewässern junge Bäume in einem Neubaugebiet im Frankfurter Stadtteil Bornheim. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Wer hat’s am besten? „Die Robben!“, rufen die Kinder im Chor. Am allerbesten haben’s vermutlich die Robben im Meer, aber die Artgenossen im Frankfurter Zoo dürften bei diesem Wetter auch weit vorn liegen. Und platsch, hinein ins kühle Wasser.

Danach lechzen jetzt alle: Wasser, Kühle, Schatten. Aber die wenigsten kriegen an Werktagen genug davon ab. Besonders hart trifft es gerade die Wiesen, Wälder und deren Bewohner. Aus dem Hessischen Ried dringt die Klage des BUND: „Der Wald verliert im Wettlauf gegen die Trockenheit und die Zeit“, dort müsse ganz dringend der Grundwasserspiegel erhöht werden – stattdessen habe das Regierungspräsidium die weitere Entnahme großer Mengen Wassers zugelassen. „Man kommt sich vor wie im Tollhaus“, kritisiert Jörg Nitsch, der hessische BUND-Vorsitzende.

In Frankfurt sieht das Grünflächenamt Dauerhitze und Trockenheit mit Sorge. Junge Bäume bis fünf Jahre werden gewässert. 750 000 Liter aus Hydranten und Brauchwasserbrunnen rauschen dafür pro Woche durch die Leitungen. „Wir sind mit dem Gaspedal auf dem Bodenblech“, sagt Abteilungsleiter Bernd Roser. Volle Power fürs Überleben. „Aber wenn der August so weitergeht, ist fraglich, ob Bäume im sechsten, siebten Jahr überleben.“

Wiesen kriegen kein Wasser, sie erholen sich bis zum Frühjahr. Schon jetzt steht in den Anlagen rund ums Stadtzentrum kaum noch ein grüner Grashalm – alles braun. Auch das Mainufer: staubtrocken. Nur zwischen Osthafen und Holbeinsteg gibt es Stellen, die strotzen sattgrün – und da sind ja zwei Männer bei der Arbeit. „Solange Wasser in den Zisternen ist, wässern wir mit den automatischen Anlagen – Obacht, hinter Ihnen!“ Zwusch kommt der Wasserstrahl. Die werden vom Main gespeist, die Zisternen.

Zootiere kommen gut klar

Die Andenbären im Zoo wirken etwas ermattet am Dienstagvormittag. „Der ist da oben in der Hängematte, guck, Marlena!“, ruft die Mutter und zeigt hinein ins Ukumari-Land, in dem die Bären wohnen. „Aber jetzt bewegt er sich nicht, der faule Hund.“

Wie kommen die Tiere klar? Gut, sagt Zoo-Sprecherin Christine Kurrle. „Solange bei uns das Wasser läuft, ist alles gut.“ Der Tierpark bereite sich nicht speziell vor auf extreme Hitze. „Die meisten Tiere sind gut angepasst“, und vor allem: „Tiere müssen ja nicht wie wir arbeiten gehen.“ Jedenfalls nicht die Tiere im Zoo. Wenn sie übrigens Eisbomben oder Wasserschlauchduschen bekommen, sei das nicht direkt als Notfallmaßnahme gegen Hitze zu verstehen. Mehr als Beschäftigungstherapie gegen Langeweile. Eigentlich spiele es keine Rolle, ob es 28 Grad habe oder 37. Nur eins sei anstrengender, je heißer es werde: das Algenwachstum. Die Fenster im Robbenbecken müssen häufiger gereinigt werden.

Und die Tiere außerhalb des Zoos? Vögel freuen sich, wenn man ihnen kleine Badewannen einrichtet – aber: „Bei großer Hitze muss die künstliche Wasserstelle unbedingt täglich gereinigt werden“, sagt Maik Sommerhage vom hessischen Naturschutzbund (Nabu). Sonst nisten sich Keime und Parasiten ein. Wie sieht es bei den Fischen aus? Wassermangel in den Bächen macht ihnen zu schaffen. Private Wasserentnahme hat das Frankfurter Umweltamt in der vorigen Woche untersagt.

Gibt es einen Ort, der jetzt kühler ist? Ja, die Menschenaffenanlage Borgori-Wald im Zoo – zumindest ist es dort ausnahmsweise mal kühler als draußen. Die meisten Besucher tummeln sich aber bei den drei kleinen Löwen, die mit der Mama durchs Gelände streifen und zwischendurch immer mal einen Schluck Milch nehmen. Praktisch, wenn man seine Getränkelieferantin stets bei sich hat. Ein paar Meter weiter rasen die jungen Pampashasen über den kahl gebrannten Grund – so ist das halt in der südamerikanischen Steppe. Da wächst ja auch nicht viel. Wie auf den Frankfurter Wiesen im Hochsommer.

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