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Soli-Demo gegen IvI-Räumung In Bockenheim brennen Mülltonnen

Wütend, aber friedlich ziehen rund 1500 Sympathisanten des von der Polizei geräumten Instituts für vergleichende Irrelevanz durch Frankfurt. Eine bundesweite Welle der Solidarität trägt die IvI-Aktivisten. Nach der Demo werfen einige Vermummte im Stadtteil Bockenheim Scheiben ein und zünden Mülltonnen an.

IvI-Demonstranten ziehen von der Polizei begleitet durch die Innenstadt. Foto: Michael Schick

Sie sind viele. Und sie sind wütend. Rund 1500 Menschen haben sich am Dienstagabend am Kaisersack versammelt, um gegen die Räumung des Instituts für vergleichende Irrelevanz (IvI) zu demonstrieren. Das seit zehn Jahren besetzte ehemalige Universitätsgebäude war am Montag von der Polizei geräumt worden. Jahrelang war es ein Treffpunkt für Studierende und die radikale Linke.

Von Anfang an liegt Spannung in der Luft. Die Polizei hat massiv Kräfte zusammengezogen. Rund um den Bahnhof, aber auch auf dem Messegelände reiht sich Polizeiwagen an Polizeiwagen. Ein Polizeisprecher sagt, dass auch Wasserwerfer bereitstünden. Das gesamte erste Drittel des Demonstrationszugs ist von einem Polizeispalier umschlossen, allein fünf Beamte stehen an der Demospitze und filmen sie permanent.

Die Polizei fordert die Demonstranten in den ersten Reihen – von denen sich einige vermummt haben – mehrfach auf, ihre Vermummung abzulegen. Vom Lautsprecherwagen werden die Beamten aufgefordert, das Filmen zu unterlassen und das Spalier um die Demonstration aufzulösen.
Gegen 19 Uhr setzt die Demo sich mit lauten Parolen in Bewegung. „Kein Tag ohne autonomes Zentrum“, rufen die Demonstranten, in Richtung der Polizei heißt es immer wieder „BRD, Bullenstaat, wir haben dich zum Kotzen satt.“ Mit Verzögerungen bewegt der Aufzug sich durch die Münchner Straße und den Willy-Brandt-Platz Richtung Hauptwache.

Im hinteren Drittel läuft Sophie. Mit einer Freundin hält sie ein Transparent hoch, auf dem „Ohne IvI is’ langweilig“ steht. „Ich finde es schade, dass das IvI geräumt wurde“, sagt die 35-jährige Schweizerin. „Es geht ein Ort verloren, wo man kritisch über die Krise oder Geschlechterverhältnisse diskutieren konnte“, sagt sie. „Alles Dinge, für die an der Uni oft kein Platz ist.“

Inzwischen hat der Zug die Hauptwache erreicht. Eine junge Frau hält eine kurze Ansprache. In Frankfurt gebe es immer weniger Freiräume, die Mieten stiegen ständig, sagt sie. „Wir werden daher diese Räumung nicht hinnehmen und so lange demonstrieren und Häuser besetzen, bis wir ein Ersatzobjekt finden.“ Die Menge applaudiert und ruft „IvI bleibt“.

Am Rossmarkt kommt plötzlich Unruhe auf. Demoteilnehmer drängen nach rechts, es gibt Gerangel mit der Polizei. „Verpiss dich“, schreien einige und strecken drohend ihre Fäuste und Mittelfinger nach oben. Christian Wolf, Geschäftsführer der Franconofurt AG, der das IvI gehört, steht mit seinem Rad am Rande der Demo. „Das ist eine unfassbare Provokation“, empört sich ein junger Mann. „Was hat der hier zu suchen?“ Polizisten schirmen Wolf ab, nach einigen Minuten zieht die Demo weiter.

Nach Ende der Veranstaltung ziehen kleine Gruppen von Vermummten durch Bockenheim. Sie werfen am alten Hörsaalgebäude Scheiben ein, errichten Straßenblockaden und zünden Mülltonnen an. Es gibt einzelne Festnahmen durch die Polizei. In der Gräfstraße greifen einige einen Personenwagen an, schlagen die Scheiben ein. „Das sind Zivilfahnder“, schreit jemand. Das Auto, ein BMW, rast mit quietschenden Reifen davon.

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