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Sodexo Magen-Darm-Infektionen IGS Nordend kocht selbst – eine Ausnahme

Für die Schüler in der Frankfurter IGS Nordend sind Sodexo und die Magen-Darm-Welle kein Thema: In der Schule wird selbst gekocht. Als eine von wenigen Schulen in der Stadt. Für die Schulköchin mussten Eltern und Lehrerschaft aber kämpfen.

02.10.2012 21:06
Felix Helbig
Bolognese, Salat, Banane – ein ganz normales Mittagessen an der IGS Nordend, aber frisch zubereitet. Foto: Alex Kraus

Mathias Müller sagt, es sei ein Kampf gewesen und er selbst war nicht davon überzeugt, dass sie diesen Kampf gewinnen würden. Es gab Verhandlungen, Diskussionen, Unterschriftenlisten, Angebote, Proteste und das alles genau dafür: selbst in der Schule kochen zu dürfen.

Müller, Stufenleiter und Ganztagsbeauftragter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Nordend, steht in der neuen Cafeteria, lichtdurchflutet und aufgeräumt, obwohl hier gerade fast 200 Schüler gegessen haben, er greift sich ein Tablett und flötet über den Tresen: „Haben Sie noch was für uns?“ Haben sie. Es gibt Spaghetti Bolognese, dazu einen Salat und eine Banane, und die Art und Weise, wie das jetzt läuft mit dem Mittagessen an der IGS Nordend, hat dazu geführt, dass es an den weißen Tischen in diesen Tagen allerlei Themen zu besprechen gibt, nur dieses nicht: dass mehrere tausend Kinder sich den Magen verdorben haben könnten mit Essen vom Rüsselsheimer Caterer Sodexo. „Die Stadt hat das irgendwann einfach hingenommen, dass wir selbst kochen“, sagt Müller. Als eine von wenigen Schulen der Stadt. Sodexo-Essen ist auch in Frankfurt weit verbreitet.

Bis zum Montagnachmittag hat sich die Zahl der in Ostdeutschland registrierten Krankheitsfälle nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin auf bis zu 9000 erhöht, als Auslöser gilt bei den Experten das Norovirus, an dem sich die Kinder durch das Schulessen infiziert haben könnten. In Verdacht ist dabei das hessische Unternehmen Sodexo geraten, das die Schulen beliefert hat. Genaue Ergebnisse stehen allerdings weiterhin aus.

Skepsis gegenüber Schulessen von Großcaterern gab es von Anfang an. Mit den zunehmenden Ganztagsangeboten an Schulen wurden überall im Land auch Kantinen gebaut und schon begannen die Debatten zwischen Lehrern, Eltern, Schülern und Politikern, wer denn dort eigentlich kochen sollte, oder besser: aufwärmen. Denn das sind die Kantinen zumindest in Frankfurt eigentlich: Orte, an denen geliefertes Essen aufgewärmt wird.

IGS kämpfte für ihre Schulköchin

An der IGS Nordend haben die Eltern im vergangenen Jahr mehr als tausend Unterschriften gesammelt, um zu verhindern, dass auch das Essen für ihre Cafeteria an einen Caterer vergeben wird. Sie hatten gute Erfahrungen gemacht mit Sandra Beimfohr, der Schulköchin. Die hatte bereits zwei Jahre lang in der Schule das Essen auf die Tische gebracht.

Das Ergebnis ist nun einigermaßen absurd: da steht eine Kantine, die 5,3 Millionen Euro gekostet hat und dafür konzipiert ist, geliefertes Essen aufzuwärmen – in der aber gekocht wird. „Dafür braucht es eine gute Planung“, sagt einer der Küchenmitarbeiter. „Aber es geht.“

In der Kantine der IGS werden ausschließlich frische Waren zubereitet, es wird auf eine ausgewogene Ernährung geachtet, auf Abwechslung, darauf, dass die Kinder und Jugendlichen sich auch auseinandersetzen mit dem, was sie da zu sich nehmen. „Hier wird nicht einfach nur abgefertigt“, sagt Müller. Für Lehrerschaft und Eltern sei wichtig gewesen, direkt auf das Angebot einwirken zu können, etwa wenn es darum geht, dass Bio-Produkte verwendet werden, dass weniger Verpackungen anfallen, dass keine Cola ausgeschenkt wird. „Ich bin jede Pause hier, ich kann also ständig Einfluss nehmen“, sagt Müller. Für die Schüler gilt das genauso. Und natürlich die Eltern: Viele seien vor allem anfangs gekommen, um sich von der Qualität zu überzeugen. Beschwerden habe es keine gegeben, sagt der Küchenmitarbeiter. „Es ist etwas anderes, wenn man frisch kocht, als immer nur angelieferte Sachen aufzuwärmen. Außer vielleicht bei einem Eintopf.“

Die Erfahrungen mit Caterern seien einfach negativ gewesen, viele Eltern hätten diese Einschätzung geteilt, sagt Müller. „Es gab erhebliche Vorbehalte gegenüber Großcontainern, aus denen die Kinder gefüttert werden sollten. Das hat man schnell gespürt.“ Auf dem Speiseplan, für alle im Internet einsehbar, stehen nun Gerichte wie Möhren-Pesto-Lasagne, toskanisches Hähnchenbrustfilet in Tomatensugo mit Oliven und Salbei an Pasta oder Kürbisschnitzel auf Salbeibutter. Es gibt jeden Tag zwei verschiedene, die Bestellungen werden vorab im Internet abgegeben, um besser kalkulieren zu können. „Aber gut an einer eigenen Küche ist natürlich auch, dass dort spontan reagiert werden kann, wenn man sich mal umentscheiden oder mit der Klasse frühstücken will“, sagt Müller: „Alles kein Problem.“

Und teurer ist es auch nicht. Ein Essen kostet für Schüler drei, sonst vier Euro. Der Preis ist von der Stadt so vorgegeben. Und das Beste ist: es schmeckt. Bolognese und Salat sind ganz hervorragend. Die Banane natürlich auch.

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