Lade Inhalte...

Social-Media-Kampagne Fremdschäm-Clip mit Frank Furt

Aus der Kategorie ‚So schlecht, dass man es gesehen haben muss‘: „Frankfurt Main Finance“ will das Image der Stadt Frankfurt verbessern und produziert dabei einen derart peinlichen Werbeclip, dass man direkt wegziehen möchte. Ein Kommentar.

Frankfurt
Frank Furt gibt sich alle Mühe, attraktiv rüberzukommen. Foto: Screenshot YouTube/Frankfurt Main Finance e.V.

„Mein Name ist Furt. Frank Furt.“

Die ausgelutschteste Bond-Anspielung aller Zeiten ist der Einstieg zu einem Werbefilm für die Stadt Frankfurt. Und, wie dieser Einstieg vermuten lässt, ist auch der Rest des Clips einfach nur zum Fremdschämen.

Frank, eine Comicfigur, die in dem Filmchen die menschliche Version der Stadt Frankfurt darstellen soll, ist ein Hottie mit Poser-Hemd und Legefrisur, chillt in einer Bar und wird dort, natürlich, sofort von einer schönen Frau angesprochen. Doch als sie seinen Namen erfährt, ist sie abgetörnt, denn sie hat schon mal von ihm gehört: „Not open minded, no culture, boring, terrible food“, das verbindet sie mit Frank.

Aber Frank hat Gegenargumente und zeigt seinem Flirt schlechte Symbolbilder der Stadt Frankfurt auf seinem Smartphone, mit all den schönen Gebäuden und dem tollen Essen. Trotzdem, für die Dame ist Frankfurt „provinziell“. Da kann Frank aber auch gegenhalten, schließlich würden dort sechs Millionen Menschen leben. Die Frage ist natürlich, wo diese Zahl herkommt, denn auf sechs Millionen Menschen kommt man nicht mal, wenn man die gesamte Rhein-Main-Region zu Frankfurt dazu zählt. Wahrscheinlich müsste man Köln und Düsseldorf noch dazu nehmen, dann könnte diese utopische Zahl stimmen. Aber hey, wen interessieren schon Fakten?

Als er ihr schließlich von den vielen Banken, Kreditinstituten und „Topbusinessschools“ in Frankfurt erzählt, ist sie schließlich doch hin und weg. Wie romantisch.

Klischees und Vorurteile über Frankfurt

Macher des Clips ist „Frankfurt Main Finance“, eine Lobbygruppe, die sich vorgenommen hat, die Stadt attraktiver für die Ansiedlung von Banken und Finanzdienstleistern zu machen. Denn mit dem Brexit besteht die Chance, dass viele Banken die britischen Inseln verlassen und ihre Arbeitsplätze in andere Finanzmetropolen verlagern. Aber, so „Frankfurt Main Finance“: „Noch immer kämpft Frankfurt mit einem Geflecht aus Vorurteilen, Mythen und überholten Klischees, die gerne auch von den Konkurrenten befeuert werden. Frankfurt Main Finance, die Finanzplatzinitiative, will sich damit nicht abfinden.“

Damit, dass nur die Konkurrenz diese Vorurteile und Klischees über Frankfurt befeuert, wollte man sich bei „Frankfurt Main Finance“ wohl wirklich nicht abfinden, denn der Comic-Clip gibt sich alle Mühe, jedes noch so blöde Klischee zu bestätigen. „Provinziell“ ist so ziemlich das erste, was einem bei dem zweiminütigen Clip in den Sinn schießt. Das Werbefilmchen kommt so platt daher, dass man sich als Frankfurter direkt schämt, in dieser Stadt zu leben.

Aber, das Beängstigendste ist, „Frankfurt Main Finance“ nennt den Kurzfilm den „vorläufigen Höhepunkt der Social-Media-Kampagne“. Vorläufig. Da kommt noch was. Man könnte jetzt sagen, schlimmer geht ja nicht mehr, aber wir wissen ja: Schlimmer geht immer.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen