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Sigmund-Freud-Institut Frankfurt Stadt der Psychoanalyse

Schon in den 1920ern fanden Wissenschaftler in Frankfurt zusammen. Doch viele mussten während des Dritten Reichs fliehen. Die Rückkehr der Psychoanalyse in den 1950er Jahren ist vor allem ein Verdienst von Alexander Mitscherlich.

Margarete Mitscherlich. Foto: Alex Kraus

Im Jahr 1930 wurde Sigmund Freud von der Stadt Frankfurt mit dem Goethe-Preis ausgezeichnet. Seine jüngste Tochter, Anna Freud – selbst eine bedeutende Psychoanalytikerin, die maßgeblich an der Entwicklung der Kinderanalyse beteiligt war, nahm den Preis entgegen. Drei Jahre später brannten die Bücher Freuds auf dem Römer. Viele jüdische Psychoanalytiker wie Erich Fromm flohen vor dem nationalsozialistischen Terror ins Exil. Andere wie Karl Landauer wurden Opfer der Verfolgung. Er wurde 1944 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet. Das Frankfurter Psychoanalytische Institut, das aus einer Arbeitsgemeinschaft von Wissenschaftlern in den 1920er Jahren hervorgegangen war, wurde zerschlagen.

Dass die Psychoanalyse in den 1950er Jahren nach Deutschland zurückkehrte, ist „vor allem das Verdienst von Alexander Mitscherlich“, ist in einer vom Sigmund-Freud-Institut verfassten Chronik nachzulesen. Zusammen mit Theodor W. Adorno und Max Horkheimer organisierte Mitscherlich zum 100. Geburtstag von Sigmund Freud eine international besetzte Vortragsreihe – Anstoß für die Gründung des Instituts und Ausbildungszentrums für Psychoanalyse und Psychosomatik im Jahr 1959. Als das Institut fünf Jahre später an seinen jetzigen Standort in die Myliusstraße 20 zog, wurde es in Sigmund-Freud-Institut umbenannt. Bis 1982 bestimmte Alexander Mitscherlich die Geschicke des Instituts. Seine Frau, Margarete Mitscherlich, mit der er zusammen das Buch „Die Unfähigkeit zu trauern“ verfasste, lehrte am Institut. Nach Alexander Mitscherlich folgten die Direktoren Clemens de Boor und Dieter Ohlmeier und ab 1991 für die Dauer von zehn Jahren Horst Eberhard Richter. Seit 2001 wird das Institut von einer Doppelspitze geführt: Marianne Leuzinger-Bohleber und Rolf Haubl gelang es über das Einwerben von Drittmitteln die Existenz des Instituts zu sichern. Im Rahmen der „Aktion sichere Zukunft“ kam es zu massiven Kürzungen der Landesmittel, wie es in der Chronik heißt.

Auch die inhaltlichen Schwerpunkte veränderten sich. Im Mittelpunkt standen etwa Fragen, wie psychische Krankheiten entstehen und wie sie verhindert werden können oder welche Therapien sich besonders gut eignen, um Depressionen zu lindern. Auch zu Trauma-Forschung und Bioethik wurden Projekte aufgelegt. Aus der Diskussion der Ergebnisse auf nationalen und internationalen Tagungen entwickelte sich eine intensive und produktive Zusammenarbeit mit anderen psychoanalytischen Einrichtungen in Frankfurt.

Der Wunsch „räumlich vermehrt zusammenzurücken“ entstand und die Politik stimmte zu: Das denkmalgeschützte Haus in der Myliusstraße sollte zu einem Psychoanalytischen Zentrum ausgebaut werden. Bevor es nun feierlich eröffnet wurde, offenbarte eine kurzfristige Besetzung der damals leerstehenden Immobilie, wie Besetzer und Besitzer sich gegenseitigen Respekt bezeugen können. Als das Landgericht im Februar 2013 eine Räumung des „Instituts für vergleichende Irrelevanz“ am Kettenhofweg für rechtens erklärte, wurde das Sigmund-Freud-Institut vorübergehend zur alternativen Uni – mit Zustimmung des geschäftsführenden Direktors Rolf Haubl.

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