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Sicherheit Paternoster Nach Unfall in Paternoster

Zwei Frauen werden in einem Frankfurter Hotel in einem Paternoster eingeklemmt. Zwei Stunden benötigt die Feuerwehr, um sie zu befreien. Paternoster sind in Frankfurt inzwischen eine Rarität. In der Europäischen Zentralbank wird der Umlaufaufzug jedoch ein Comeback feiern.

Laufen wie ein Karussell: Paternoster, hier an der Uni. Foto: Peter Jülich

Zwei Frauen werden in einem Frankfurter Hotel in einem Paternoster eingeklemmt. Zwei Stunden benötigt die Feuerwehr, um sie zu befreien. Paternoster sind in Frankfurt inzwischen eine Rarität. In der Europäischen Zentralbank wird der Umlaufaufzug jedoch ein Comeback feiern.

Es war ein hartes Stück Arbeit: Zwei Stunden benötigte die Frankfurter Feuerwehr, bis sie die Frauen aus dem Paternoster im Flemings-Hotel befreit hatte. Einen Tag nach dem Unfall vom Montag stand immer noch nicht fest, warum die beiden mit einem Bein beziehungsweise einem Fuß zwischen dem sechsten und siebten Stock eingeklemmt waren. Womöglich haben sie die Benutzungsregeln missachtet. Doch eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht. „Unser Hauptaugenmerk lag auf der Rettung“, sagt Feuerwehrsprecher Thomas Gruber und verweist auf die Polizei. „Das muss jetzt die Berufsgenossenschaft klären“, heißt es dort.

Die Kabinen, die rechts vom Eingang des Flemings hoch- und runterrumpeln, sind inzwischen eine Rarität in Frankfurt. Im von der Goethe-Universität genutzten IG-Farben-Haus kann noch jeder eine Fahrt per Paternoster genießen. Umlaufaufzüge gibt es außerdem am Oberlandesgericht Frankfurt, in den alten Adlerwerken im Gallus, im Kaufhof an der Zeil oder dem von Peter Behrens errichteten Verwaltungsgebäude im Industriepark Höchst. Alle sind jedoch nicht öffentlich zugänglich, dienen ausschließlich dem Personal.

Früher, sagt Klaus Leis vom Aufzugdienst Leis in Eppstein, habe er viel mit Paternostern zu tun gehabt: „In Frankfurt gab es die in vielen Gewerbebetrieben.“ Mittlerweile wartet er nur noch einen einzigen sogenannten Umlaufaufzug: den im Flemings in der Frankfurter Innenstadt.

Im Vergleich zu einem elektrischen Aufzug handele es sich um eine simple Konstruktion. .„Das ist wie ein Karussell, das sich immer von oben nach unten dreht.“ Man müsse nicht in Panik geraten, könne problemlos auch bei der Drehung in der Kabine stehen bleiben, klärt er Neulinge auf. „Es passiert gar nichts.“

Im Flemings, das im ehemaligen Haus der Pharmafirma Bayer residiert, laufen die Kabinen seit der Eröffnung wie am Schnürchen, versichert Hotelsprecher Gunther Träger. „Der Paternoster war seit 2007 und bis gestern unfallfrei.“ Die Anlage werde einmal pro Monat gewartet und regelmäßig vom TÜV überprüft. Was die Ursache für das Unglück war, müsse ein Gutachten klären.

Bedrohtes Kulturgut

Wie Träger weiter ausführt, gibt es in den Kabinen und Stockwerken Hinweise, wie der historische Aufzug sicher zu bedienen ist. Auch die Leitung der Goethe-Universität hat inzwischen aufgegeben, jedem eine schriftliche „Unterweisung für die Nutzung der Paternoster im IG-Farben-Haus“ abzuverlangen. Jetzt klären Schilder darüber auf, dass der Transport von Gepäck verboten ist und nur eine Person in der Kabine stehen darf.

Wenn es so weitergeht mit den wachsenden Sicherheitsansprüchen, befürchtet Leis, wird das „Kulturgut“ über kurz oder lang ganz verschwinden. „Das ist schon so was wie ein Denkmal.“ Ein Relikt aus der Vergangenheit, das aus dem Bild der Öffentlichkeit verschwindet.

Nicht aber aus Frankfurt. Dort kehrt in absehbarer Zeit sogar ein Stück Lift-Geschichte zurück: In der Europäischen Zentralbank soll ein Paternoster rumpeln. Das Original aus der guten alten Großmarkthalle.

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