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Sexualerziehung in Frankfurt „Mit Lehrern über Sexualkunde reden“

Eine Stadtelternbeirätin fordert im Interview mit der FR, dass Elternabende über Sexualerziehung gesetzlich verankert werden.

Wie weit sollte Sexualkundeunterricht gehen? (Symbolbild) Foto: imago/McPHOTO

Dem Landeselternbeirat (LEB) ging die „Akzeptanz“ von Schwulen und Lesben im neuen hessischen Lehrplan zur Sexualerziehung zu weit. Das Gremium lehnte den Plan mehrheitlich ab. „Toleranz“ wäre nach Meinung des LEB ausreichend gewesen. In Frankfurt regt sich Widerstand gegen den Landeselternbeirat.

Frau Puhl, wie haben die Frankfurter Eltern auf die Einführung des neuen Lehrplans zur Sexualerziehung reagiert?
Wir haben alle Arten der Rückmeldung bekommen. Für die einen ist die Aufklärung über Vielfalt eine Katastrophe, für andere sollte es überhaupt keine Sexualkunde in der Schule geben, wieder andere finden den Plan gut, stören sich aber an der Ablehnung des Landeselternbeirats.

Manuela Rottmann, frühere Grünen-Gesundheitsdezernentin, sammelt Unterschriften für einen offenen Brief an das Gremium. Kinder und Jugendliche sollten in ihrer ganzen Persönlichkeit geschätzt und gefördert und nicht nur toleriert werden, heißt es darin. Fühlt sich ein Großteil der Frankfurter Eltern vom LEB nicht vertreten?
Ein Teil fühlt sich vom Landeselternbeirat gar nicht vertreten, ja. Die Eltern sind der Meinung, dass Frankfurt eine freie Stadt sei, in der sie ihre Kinder frei erziehen wollen und in der sie alle Varianten des Lebens kennenlernen sollen.

Ist in dem 19-köpfigen Gremium Frankfurt vertreten?
Ja, mit einer Person. Jahrelang hatten wir gar niemanden aus Frankfurt im LEB, weil sich niemand zur Verfügung gestellt hatte. Das Gremium spiegelt in seiner Zusammensetzung kein Verhältnis von großen und kleinen Städten in Hessen wider, von Städten mit vielen Schülern oder mit wenigen. Es repräsentiert einfach eine Gruppe, die zum Zeitpunkt der Wahl anwesend war. Aber es gibt eben nicht die eine Art von Eltern. Wie überall herrscht da Verschiedenheit und die spiegelt sich auch in der Diskussion des LEB wider.

Haben Sie Kontakt mit dem LEB aufgenommen und von den Reaktionen in Frankfurt erzählt?
Ja. Wir wollten vor allem auch wissen, wie es zu diesem Abstimmungsergebnis kam und was diskutiert wurde. Es ging wohl bei der Debatte nicht nur um das Inhaltliche, sondern auch um die Form. Viele wollten, dass der Lehrplan erst nach einer Gesetzesänderung in Kraft tritt. Denn so passen nun Plan und Gesetz nicht zusammen.

Was müsste sich im Gesetz ändern?
Eltern müssen mit dem Lehrer ins Gespräch kommen können. Das fehlt im Gesetz. In der Grundschule wird der Sexualkundeunterricht noch auf einem Elternabend besprochen. Da gibt es die Chance nachzufragen, was der Lehrer darunter versteht. An der weiterführenden Schule gibt es dazu keinen Elternabend mehr. Mein Vorschlag wäre, einen solchen einzuführen. Damit Eltern das Thema mit dem Lehrer diskutieren können. Denn wie jeder Unterricht ist auch die Sexualerziehung davon abhängig, was der Lehrer daraus macht. Und ein Lehrer kann in einer Klasse mit Regenbogenfamilien ganz anders arbeiten als in einer Klasse, in der noch niemand was davon gehört hat.

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