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Sexismus Sexistische Werbung in Frankfurt verboten

Nackte Brüste, kaum verhüllter Unterleib: Frankfurter beschweren sich beim Deutschen Werberat über sexistische Werbung im Stadtbild. Die Stadt zieht Konsequenzen.

Sexistische Werbung
Eine Beschwerde zu dieser Reklame auf der Berger Straße liegt dem Werberat vor. Foto: Monika Müller

Die Stadt Frankfurt verbietet sexistische Werbung. Ab Beginn des kommenden Jahres werde der entsprechende Absatz im Vertrag für die Werberechte geändert, sagte Sandra Trawny, Referentin von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), der Frankfurter Rundschau. Der Hauptvertrag für die Außenwerbung gilt für mehr als 1000 Litfaßsäulen, 150 Plakatwände und 150 große Werbeträger. Er wird zum 1. Januar 2018 neu vergeben.

Der neue Passus lautet: „Die durchgeführte Werbung darf nicht gegen das Gesetz und die guten Sitten verstoßen oder die verfassungsmäßige Ordnung verunglimpfen oder gefährden. Insbesondere sind mit der Menschenwürde nicht zu vereinbarende (zum Beispiel diskriminierende, frauenfeindliche und sexistische) Darstellungen und Aussagen unzulässig.“

Im alten Vertrag mit der Firma Ströer gebe es bislang lediglich das Verbot von sittenwidriger Werbung, führte Andrea Brandl, Büroleiterin von Wirtschaftsdezernent Markus Frankfurt (CDU), aus. Dem Deutschen Werberat liegen derzeit zwei Beschwerden über sexistische Reklame in Frankfurt vor: eine Werbung von RTL2 für die Sendung „Curvy Supermodel“ sowie eine Werbung des Frischemarkts Venos aus Rödelheim. Grundsätzlich dulde das Kontrollgremium der deutschen Werbewirtschaft keine Reklame, die Geschlecht, Alter, Abstammung, Religion, Behinderung, sexuelle Orientierung diskriminiert oder Menschen zum sexuellen Objekt reduziert, teilte der Werberat mit.

Im Falle von „Curvy Supermodel“ werbe der Sender mit „Frauen, die etwas mehr Gewicht haben“, sie würden aber weder „herabwürdigend noch übertrieben nackt dargestellt“, heißt es in der Stellungnahme, die der FR vorliegt. Auch sei kein „sexistischer Werbetext“ vorhanden oder „Geschlechtsmerkmale“ zu sehen. Sexistische Werbung liege also nicht vor. Die FR-Leserin Ulrike E., die sich beim Werberat beschwert hatte, sieht das anders. Die Art der Zurschaustellung der Frauen signalisiere „sexuelle Verfügbarkeit“ und locke „voyeuristische Zuschauer“ an. Der Werberat betonte hingegen, dass „selbstbewusste Frauen gezeigt, aber nicht vorgeführt“ würden.

Im Falle der Venos-Werbung „Unverschämt frisch...“ laufe das Verfahren noch, sagte die Sprecherin des Werberates, Anne Grote.

„Das ist auf jeden Fall Blickfangwerbung“, sagte Stevie Schmiedel, Geschäftsführerin des Hamburger Vereins „Pinkstinks“ gegen Sexismus in der Werbung. Anders als bei „Curvy Supermodel“ habe die Venos-Werbung „nichts mit dem Produkt zu tun“. Sexismus in der Werbung führe dazu, dass stereotype Rollenbilder in der Gesellschaft verstärkt und weitergetragen würden. Sexistische Werbung stelle Frauen oft als „weniger kompetent“ oder „leicht zu haben“ dar, Männer hingegen als „aggressiv“ oder „weniger sozial kompetent“, teilte der Verein mit.

Solche Bilder verfestigten die Vorurteile in der Gesellschaft und seien Basis für Diskriminierungen. Dazu zähle die „Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen“ und „die Gehaltsschere zwischen den Geschlechtsgruppen“. Unter diskriminierender Werbung leide das Selbstbild von Frauen. Ihnen werde vermittelt, sie seien nicht „jung genug“, „dünn genug“, „weiß genug“, „sexy genug“. Stefanie Fritzsch von Venos teilte auf Anfrage mit, das „etwas provokante Motiv“ beziehe sich auf „Wasser“ und „Frische“. Der Name Venos rechtfertige Bezüge zur römischen Liebesgöttin Venus. Das habe die Firma dem Werberat so mitgeteilt.

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