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Sexismus in Frankfurt „Sexismus im Alltag Einhalt gebieten“

Die Frankfurter Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) spricht im FR-Interview über diskriminierende Werbung und den Kampf dagegen.

Fikkefuchs
Stein des Anstoßes: Das Filmplakat. Foto: ALAMODE FILM

Rosemarie Heilig (Foto: Jülich), studierte Biologin und   Grünenmitglied, ist seit 13. Juli 2012 Frankfurts Dezernentin für Umwelt und Gesundheit. Seit 15. Juli 2016 arbeitet sie als Dezernentin für Umwelt und Frauen. Von 1993 bis 1997 war sie Stadtverordnete der Grünen, danach Leiterin des Umweltamtes in Ludwigshafen. 

Frau Heilig, die städtische Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) hat ihr Werbeverbot für den Kinofilm „Fikkefuchs“ in Straßen- und U-Bahnen und an Haltestellen zurückgenommen. Das Motiv, das einen stilisierten Fuchskopf in Form einer weiblichen Scham zeigt, wurde zunächst als sexistisch eingestuft, dann aber doch nicht. Wie schätzen Sie den Vorgang ein?
Grundsätzlich ist eine verstärkte Sensibilisierung für das Thema Sexismus sinnvoll und wichtig. Ich begrüße es auch, dass sich städtische Beteiligungsgesellschaften und andere Unternehmen Gedanken machen und vermehrt sexistische Darstellungen in ihren Werbekampagnen vermeiden wollen. Es ist auch wichtig, dass jetzt eine solche heftige Debatte um das Filmplakat geführt wird.

Halten Sie im konkreten Fall die Werbung für sexistisch?
Nein, ich denke nicht, dass dieses Filmplakat sexistisch ist. Hier geht es um ein Plakat, das mit satirischen Mitteln für einen Film wirbt, der sich mit grimmigem Humor mit den gescheiterten Potenzfantasien von Männern auseinandersetzt.

Wie viel Sexismus begegnet Ihnen im Alltag im öffentlichen Raum?
Wenn halbnackte Frauen sich auf der Kühlerhaube eines Autos rekeln, damit dieses verkauft wird, ist das Sexismus, weil die nackte Frau nur als Blickfang benutzt wird.

Fallen Ihnen noch andere Beispiele zu sexistischer Werbung ein?
Wenn eine Frankfurter „Frischefirma“, wie kürzlich geschehen, mit einem nackten Frauenkörper Werbung für ihr Produkte macht und Frauenkörper dabei rein als Dekoration und Blickfang benutzt, dann werde ich schon sauer. Und dann muss man auch klare Grenzen ziehen.

Was raten Sie Menschen, die Sexismus in der Öffentlichkeit begegnen?
Es gibt immer wieder Grenzfälle, über die wir diskutieren sollten. Wenn Bürgerinnen und Bürger sexistische Werbung in der Stadt sehen, kann das zum Beispiel beim Verein Pinkstinks in Berlin gemeldet werden. Der Verein hat, vom Bund gefördert, eine App mit dem Namen Werbemelder(in) entwickelt.

Wie läuft eine solche Meldung denn ab?
Mit dieser App kann sexistische Werbung fotografiert werden. Der Verein Pinkstinks prüft und bewertet dann die Werbung im Einzelfall. Gegebenenfalls kann dann eine Beschwerde beim Deutschen Werberat eingereicht werden.

Was ziehen Sie denn nun als Fazit aus der Debatte in Frankfurt?
Ich rufe alle dazu auf, aktiv zu werden und sich weiter einzumischen in Debatten über sexistische Werbung und Sexismus im Alltag Einhalt zu gebieten. Der Deutsche Werberat hat sich für seine Branche ja selbst klare Regelungen gegeben, zum Beispiel das Verbot, Personen wegen ihres Geschlechts zu diskriminieren. An diese Regeln sollten sich alle in der Werbebranche halten, auch daran, Personen nicht auf ihre Sexualität zu reduzieren oder ihre sexuelle Verfügbarkeit nahezulegen.

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