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Senckenberg-Museum Was Senckenberg dachte, jetzt digital

Ein Großprojekt soll das Archiv des Forschers und Stifters im Internet zugänglich machen: Dokumente aus 220 Jahren, darunter auch die entschlüsselten Tagebücher.

Veronika Marschall bändigt Senckenbergs Tagebücher.

Johann Christian Senckenberg war ein kluger und wohltätiger Frankfurter: Der Arzt legte einen bis heute gedeihenden Arzneimittelgarten an, stiftete das Bürgerhospital – aber wie kam es dazu, und was dachte er so über seine Arbeit und die Ereignisse seiner Zeit? Darüber gibt ein riesiges Archiv Auskunft. Wer Zeit hat, kann es durchblättern: „373.390 Einzelseiten und über 56 Regalmeter aus der Zeit von 1730 bis 1950“, die Forscher zusammengetragen haben, und zwar an verschiedenen Orten.

Das würde vermutlich bis ins nächste Jahrhundert dauern. Damit es etwas einfacher geht, haben das Institut für Stadtgeschichte, die Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ein gemeinsames Projekt begonnen: Sie digitalisieren in den kommenden drei Jahren den Bestand – jedenfalls zum großen Teil – und stellen ihn auf einer Präsentationsplattform bereit. „Mit der geplanten Digitalisierung bieten wir der Öffentlichkeit sowie der wissenschaftlichen Fachcommunity erstmalig einen kostenlosen und vollständigen Zugang“, kündigt Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger an.

Zum Bestand zählen etwa die Tagebücher des Gelehrten (1707-1772), die er in einer das normale Maß ärztlicher Handschriften offenbar übersteigenden Unleserlichkeit auf Frankfurterisch, Deutsch, Latein, Französisch und Altgriechisch sowie mit selbst erfundenen Abkürzungen verfasste – 53 Bücher mit zusammen gut 35.000 Seiten plus 660 Mappen. Nur eine einzige Frau sah sich in der Lage, das Werk zu entschlüsseln: Veronika Marschall, promovierte Forscherin, Fachgebiete Germanistik, Latein und Kunstgeschichte, Mitarbeiterin der Frankfurter Universitätsbibliothek. Vor sechs Jahren begann sie damit.

Hinzu kommen Akten, Dokumente, Nachlässe. Zuletzt machte das Archiv von sich reden, als der Soziologe und Historiker Andreas Hansert auf dieser Basis die Vergangenheit des Senckenberg-Museums im Nationalsozialismus aufarbeitete und neue Fakten fand, die erstmals eine Verstrickung des seinerzeitigen Direktoriums nachwiesen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt nun das Vorhaben, dies zu scannen und von überall abrufbar zu machen. „Die digitale Zusammenführung dieser ‚Schätze‘ wird maßgeblich dabei helfen, den langfristigen Einfluss Senckenbergs auf die Stadt Frankfurt und darüber hinaus zu erforschen“, sagt Evelyn Brockhoff, Leitende Direktorin des Frankfurter Instituts für Stadtgeschichte.

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