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Senckenberg-Museum Daumen hoch für Bio-Berlepsch

Die „Jugend forscht“-Teilnehmer sind wieder der Natur auf der Spur. 37 Projekte sind in diesem Jahr beim Regionalentscheid dabei, so viele wie noch nie.

Harald Philipp und das Geheimnis des Superabsorbers. Foto: christoph boeckheler*

Ist ein Stück Schokolade dunkelbraun, wird ihm das niemand vorwerfen. Bei einer Karotte sieht die Sache schon ganz anders aus. Anschauliche Beispiele haben Marie König (11) und Nele Kersting (12) im Wal- und Elefantensaal des Senckenberg-Museums zusammengetragen. „Essen die Augen mit?“, lautet ihre Ausgangsfrage in der 51. Runde des Wettbewerbs „Jugend forscht“, Abteilung „Schüler experimentieren“.

Vermutung: ja. Aber weil hier wissenschaftlicher Nachweis vonnöten ist, haben die zwei Frankfurter Wöhlerschülerinnen sich etwas einfallen lassen: Sie rührten Lebensmittelfarbe in Naturjoghurt und ließen zwei Testgruppen (sechste und neunte Klasse) probieren. Resultat: „Alle haben gesagt, es schmeckt wie Naturjoghurt“, berichtet Marie.

Damit aber nicht genug. „Vorher hatten wir die Leute gefragt, was sie glauben, wie es schmecken wird“, schildert Nele. Da glaubten dann manche, der blaue Joghurt schmecke eklig (Schimmel-Anmutung), rot (Erdbeer-Ähnlichkeit) und gelb (Vanille) lecker, grün (Waldmeister) eher so mittel. Keine Gegenprobe mit verbundenen Augen? „Daran hatten wir auch gedacht“, erzählt Marie. „Aber das war eine Katastrophe“, sagt Nele. „Die Leute haben sich voll geekelt.“ Bleibt also die Erkenntnis: Das Auge isst durchaus mit, aber die Zunge hat das letzte Wort. Ihre Forschung haben Nele und Marie mit Diagrammen und Plakaten anschaulich dokumentiert – und fürs Projekt einen Sonderpreis geholt. Werden sie später Lebensmittelforscherinnen? Nein. Nele wird Politikerin (Grüne), Marie Lehrerin (Sport, Deutsch, Mathe), Stand: Februar 2016. Ein Abgleich in zehn Jahren wäre interessant.

Ein voller Wettbewerb

37 Projekte sind in diesem Jahr beim Regionalentscheid dabei, so viele wie noch nie – „ein großer, voller Wettbewerb“, freut sich die Leiterin Dagmar Crasemann. Und ein schöner persönlicher Abschluss, denn die hauptamtliche Bio-Lehrerin widmet sich nach elf Jugend-forscht-Runden nun anderen Aufgaben. 29 Mädchen und 43 Jungen bewerben sich 2016 mit ihren Projekten um den ersten Regionalplatz in einer der Kategorien Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo-/Raumwissenschaften, Mathe/Informatik, Physik, Technik.

Unter ihnen: Harald Philipp (9), Europäische Schule in Frankfurt. Mit stoischer Ruhe erklärt er seinen Versuch, der lautet: „Wie viel von welcher Flüssigkeit kann Superabsorber aufnehmen?“ Superabsorber? Harald: „Das ist ein Kunststoff, der Flüssigkeiten absorbiert.“ Kommt etwa in Windeln zum Einsatz. Testaufbau: jeweils ein halber Teelöffel Superabsorber, und dann Öl drauf, Wasser, Schnaps, Milch, dieses, jenes und, äh, Urin. Wessen Urin? „Eigenurin.“ Resultat: Destilliertes Wasser wird am besten absorbiert, Öl gar nicht und ausgerechnet Urin auch nicht sehr gut. „Weil er Salz enthält“, hat Harald erforscht. Wieder was gelernt. Harald zieht es beruflich in den Maschinenbau.

Ob Bio-Obst wirklich besser ist, untersuchten Franziska Giulia Hägel und Nadine Klein (beide 19) aus dem Friedberger Burggymnasium. Tendenz: ja. Der Bio-Berlepsch-Apfel hatte über alle Testreihen das beste Gesamtergebnis, aber eindeutig war das Ganze nicht. „Ein Resultat war, dass wild wachsende Äpfel nicht schlechter abschneiden“, ermittelten die Abiturientinnen.

Den spektakulärsten Versuchsaufbau hatten Lara Dippel (17) und Bjarne Bensel (18) von der Weidigschule in Butzbach zu bieten: einen lebenserfahrenen Diaprojektor, der das Thema „Abendrot und Himmelblau“ durch Farbfilter, Linse und ein Aquarium mit Baumharzlösung beleuchtete. Ein Vortrag in Gießen brachte sie auf die Idee, einmal nachzuforschen: „Warum – und wie?“, fasst Lara zusammen. Dafür gab es einen dritten Platz im Physik-Wettbewerb. Das Ergebnis hängt auf eine Weise mit Teilchen und dem Wert Lambda hoch minus vier zusammen, die ein naturwissenschaftlich unzurechnungsfähiger Zeitungsreporter nicht kapiert. Bjarne kann aber beruhigen: „Das ist am Himmel auch so.“

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