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Senckenberg in Frankfurt „Auf dem Spiel steht die Qualität des Lebens“

Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger über die Welt von morgen, kleinere Katastrophen und die überragende Bedeutung der biologischen Vielfalt für unsere Zukunft.

Senckenberg
Senckenberg-Generaldirektor Volker Mosbrugger. Foto: peter-juelich.com

Volker Mosbrugger, 64, ist Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung. Der gebürtige Konstanzer studierte Biologie und Chemie, promovierte in Geologie und Paläontologie und lehrte nach seiner Habilitation 1989 an mehreren Universitäten als Professor. 2005 wurde er Direktor des Senckenberg-Forschungsinstituts und des Naturmuseums in Frankfurt, 2009 Generaldirektor der Gesellschaft. Mosbrugger ist unter anderem Träger des Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ehrendoktor der Universität Lyon (Frankreich) und Ehrenprofessor der Jilin Universität Changchun (China). Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Herr Mosbrugger, wie wird der Planet heißen, auf dem die Menschen im Jahr 2200 leben?
Ich bin überzeugt, er wird immer noch Erde heißen. Vielleicht haben wir dann keine neun oder zehn Milliarden Menschen, sondern wieder nur noch etwa siebeneinhalb Milliarden wie jetzt. Ich bin aber auch überzeugt, dass wir Stationen auf dem Mond haben werden. Und auf dem Mars.

Ernsthaft?
Also: Da werden keine Millionen Leute leben, da oben. Das sind Stationen für vielleicht 30 Menschen oder 50. Das werden eher Zweigstellen sein. Alle großen Weltraumforschungsnationen haben den Plan: Wir wollen auf den Mars. Das schaffen wir auch bis 2200 – davon kann man ausgehen.

Woraus schließen Sie das?
Aus der bisherigen Entwicklung. Sie zeigt: Man unterschätzt, was in zehn oder in hundert Jahren passiert. Das Smartphone hat so keiner vorhergesehen, und es hat dann ganz schnell die Welt revolutioniert: Wie wir agieren, wie wir kommunizieren.

Der Forscher und Philosoph Harald Lesch prophezeite beim Festakt zum 200-jährigen Senckenberg-Bestehen den Untergang – „schade um den schönen Planeten Erde“. Zu provokativ?
Nein, ich denke, was Herr Lesch klarmachen will, und was wir auch sagen, ist, dass wir im Moment Raubbau betreiben an unserem Planeten. Das wird ihn nicht dermaßen verändern, dass alles Leben verschwindet, sondern so, dass wir Menschen darunter leiden. Auf dem Spiel steht die Qualität des Lebens: Wie viele Leute können auf diesem Planeten wie gut leben? Es ist mehr eine qualitative Dramatik, die wir jetzt haben. Es geht nicht ums Überleben grundsätzlich, es geht um die menschlichen Tragödien, die man verhindern will.

Sie sprechen gern von der „Medizin für die Erde“, die es zu finden gilt. Gehört dazu auch, dass wir weniger Kinder haben, damit die Überbevölkerung schwindet?
Das primäre Ziel muss sein, dass es möglichst vielen Leuten möglichst gut geht. Der schöne Nebeneffekt ist, dass das automatisch einer Überbevölkerung vorbeugt. Ich muss also gar nicht die Überbevölkerung der Erde ins Visier nehmen, sondern das Wohlbefinden der Leute zu steigern versuchen, dann fällt das als Nebenprodukt mit ab.

Verträgt sich das mit dem Ziel, den Niedergang der Biodiversität zu stoppen?
Das ist in der Tat die große Herausforderung. Der Wohlstand wächst, das belegen alle globalen Reports, die Lebenserwartung steigt auch insgesamt, aber es wächst eben auch der Verbrauch an Energie und an Ressourcen. Wir müssen einen Weg finden, die Entwicklung auf der einen Seite weiterzuführen – dass es immer mehr Leuten immer besser geht –, aber gleichzeitig die Ressourcen besser zu schonen, als wir es jetzt tun.

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