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Senckenberg-Gesellschaft Die wilden Tiere sind nicht das Problem

Die Zukunft unseres Planeten: Forscher der Senckenberg-Gesellschaft über Frankfurter Wölfe, afrikanische Elefanten und viel zu viele Menschen auf dem Globus.

Tiere in Hessen
Der hat mehr Angst vor uns als wir vor ihm: Dieser Wolf wurde im September im Odenwald gesichtet. Foto: Nabu/dpa

Wer in Frankfurt immer noch Angst vorm bösen Wolf hat, der sei beruhigt: „Frankfurt ist viel zu klein, Wölfe brauchen größere Territorien“, sagt Carsten Nowak, Naturschutzgenetiker bei Senckenberg, seinen Zuhörern. „Es gibt wahrscheinlich mehr Haie als Wölfe hier.“ Die Leute lachen. Wieder mal gut zu wissen, dass Frankfurt so eine kleine Metropole ist.

„(K)ein Platz für wilde Tiere?“, die Frage stellt die Senckenberg-Gesellschaft an diesem Abend in ihrer Vortragsreihe mit Erörterungen zur Zukunft des Planeten. „Die Zukunft hat schon begonnen“, heißt das Motto. Der Hörsaal im Weinberg-Haus ist bestens gefüllt, trotz des miesen Wetters. Sogar aus Schweinfurt sind 40 Schüler eigens angereist, die sich momentan mit Wildtiermonitoring befassen, und sie stellen mitnichten die Mehrzahl der Zuhörer. Der neue Zoodirektor Miguel Casares ist gekommen, auch Christian Grzimek, der Enkel von Casares’ Vorvovorgänger, und viele, die im Frankfurter Tier- und Naturschutz Rang und Namen haben.

Es gibt ja auch viel zu hören. Nowak, einer von drei Rednern des Abends, zeigt ein „Foto“ des berühmten Londoner Platzes Trafalgar Square – ohne Lord-Nelson-Säule, dafür mit Elefanten, Nashörnern und Löwen. „So sah es dort vor 130 000 Jahren noch aus“, sagt er. Und so ähnlich in Deutschland. Geblieben sei von den großen Tieren bei uns nur „ein kläglicher Rest“: Wildschwein, Dachs, Hirsch, Fuchs.

Und immerhin: Wolf. Er breitet sich seit einigen Jahren wieder aus, mittlerweile in 73 Territorien in der Bundesrepublik, besonders in der Lausitz und in der Lüneburger Heide. Auch bis nach Frankfurt schaffte es einer, wie wir wissen, weil er 2015 auf der Autobahn 661 totgefahren wurde. Aber ein Elch wäre gefährlicher gewesen, wenn man Nowak folgt: „Durch Elche kommen viel mehr Menschen ums Leben als durch Wölfe.“ Bei Autounfällen eben.

Schafzüchtern ist der Wolf trotzdem unangenehmer. Verständlich, auch wenn der Journalist und Tierfilmer Axel Gomille den Zuhörern mit seinen grandiosen Wolfsfotos viel „Ah“ und „Oh“ entlockt. Schafherden am Waldrand seien leichte Beute, berichtet er, aber es gebe Hirten, die nach einiger Zeit gute Lösungen finden. Einer habe mit einem zweiten Hütehund hinterm Zaun den Wölfen klargemacht, dass es sich einfach nicht lohnt, die Herde anzugreifen. Zugleich hält dieses Wolfsrudel nun andere Wölfe fern von der Herde. Und im Wald sei der Wolf sogar hilfreich, betont Gomille: „Unser Wildbestand ist unnatürlich hoch“, bei den Wildschweinen etwa. Außerdem: Ein Wolf sorgt immer für Unruhe im Wald, das Wild verteilt sich, der schädliche Verbiss an Bäumen und Sträuchern nimmt ab.

Eindrucksvolle Vergleiche steuert Christof Schenck zu dem Abend bei, der Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Seine Zahlen zeigen: In dem Maß, in dem die Weltbevölkerung der Menschen zunimmt, sinkt die Zahl der wilden Tiere auf dem Globus – bei den Elefanten besonders dramatisch: Um das Jahr 1850 habe es noch 20 Millionen Elefanten gegeben, heute 350 000.

Und doch muss der Elefant, in Tansania etwa, auf Distanz zu den Siedlungen gehalten werden, unter anderem einfallsreich mit Bienen und Chilipflanzen. Die ZGF hilft dabei. Und warnt vor schädlichen Entwicklungen auch anderswo: Auf Sumatra schwindet nach wie vor der Lebensraum der Elefanten, Tiger, Orang-Utans, weil Ölpalmen angebaut werden. In Peru leidet der Andenbär unter Jagd und Verdrängung. „Es sind nicht etwa die wilden Tiere, die Probleme machen“, sagt Schenck.

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