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Senckenberg-Forschungsinstitut Frankfurt Der Mann, der sich über Mücken freut

Der Diplombiologe Andreas Malten, der im Frankfurter Senckenberg-Forschungsinstitut arbeitet, freut sich über Mücken, Gottesanbeterinnen und andere wärmeliebende Einwanderer. Im FR-Interview erläutert er, warum.

Tiefe in Hessen
Die Asiatische Tigermücke wurde auch vereinzelt in Frankfurt gesichtet. Sie trägt Ringelsöckchen. Foto: Imago

Das hessische Sozialministerium hat jüngst vor der Gesundheitsgefahr durch exotische Stechmücken gewarnt. Mit Unterstützung des Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie habe es das Vorkommen im Blick und werde die notwendigen Schritte einleiten. Wichtig sei dabei die Mithilfe der Bevölkerung, die vor Beginn der wärmeren Saison umfassend informiert werden soll. Die Asiatische Tigermücke ist nicht der einzige Neuzugang aus dem Süden, sagt Experte Andreas Malten.

Herr Malten, der warme und trockene Sommer hat einige neue Tierarten zum Vorschein gebracht. Die Tigermücke, zum Beispiel. Wie können die Bürger eine weitere Ausbreitung verhindern?
Mücken pflanzen sich in Wasserpfützen fort. Sie legen ihre Eier in Gartentonnen, aber auch in einem Glas, in dem Wasser steht. Das sollte man vermeiden.

Geht die Tigermücke jetzt im Winter kaputt oder müssen wir damit rechnen, dass sie heimisch wird?
Damit müssen wir rechnen. Für die Eier einer Mücke oder Schnake ist ein kalter Winter kein Problem.

Ein großes Thema im Sommer war auch die Invasion der sogenannten Stinkwanzen. Wie heißen die eigentlich richtig?
Das sind Baumwanzen. Bei uns gibt es die grüne, und die graue ist jetzt eingewandert. Sie ist nicht die einzige. Vor zwei Wochen habe ich im Niddapark Tausende von Lindenwanzen an einem Baum gefunden. Das war der erste Fundpunkt in Frankfurt. 

Sind die ein Problem?
Die stinken auch ein bisschen. Wenn man so viele von diesen Tieren im Garten hat, können die schon lästig werden. Aber bekämpfen sollte man sie deswegen nicht. 

Im Sommer wurde im Main-Kinzig-Kreis an Pferden eine neue tropische Zeckenart gesichtet, die Fleckfieber übertragen kann. Die Hyalomna mit den Ringelsöckchen. Was haben Sie sonst noch entdeckt?
Bei den Heuschrecken ist es sehr interessant. Schon letztes Jahr hatte wir mehrere Fundpunkte der Gottesanbeterin in Frankfurt. Die breiten sich im Moment stark aus. Wobei das nichts Neues ist. Früher, als der Lerchesberg noch Kalktrockenrasen war, gab es auch schon einmal eine warme Phase, in der Gottesanbeterinnen vorkamen. Am Monte Scherbelino habe ich im vorigen Jahr die Grüne Strandschrecke gefunden. 

Das ist der nördlichste Fund in Deutschland. Dieses Jahr waren dort noch mehr Tiere, das heißt, sie haben sich fortgepflanzt.

Wo sind weitere Hotspots?
Am Berger Hang hat ein Kollege die Schiefkopfschrecke gefunden. Bisher war die aus Hessen noch nicht bekannt gewesen. 

Freuen Sie sich über diese Entwicklung oder verschreckt dieser Trend nicht womöglich andere heimische Schrecken?
Ich finde das hochinteressant, und es erfreut mich, denn das sind schöne und bei uns seltene Tiere. Wenn man das aber weiterdenkt, wird es zu gravierenden Veränderungen in der Zusammensetzung führen können. Bestimmte kälteliebende Arten könnten aussterben. Nicht in Frankfurt, aber in den Mittelgebirgen wie der Hochrhön oder dem Hochtaunus. 

Wo kommen die Neulinge eigentlich her?
Das ist unterschiedlich. Von den Krebsen oder Fischen in den Parkweihern oder auch den Schildkröten wissen wir, dass es sich um ausgesetzte Haustiere handelt. Tiere, die fliegen können, kommen in der Regel von alleine. In Frankfurt gibt es ja auch schon vereinzelt Halsbandsittiche, die in Wiesbaden zu Tausenden herumfliegen.

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