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Senckenberg Ein Pferd schwebt ins Museum

Das „Pegasus Project“ der Performance-Künstlerin Mia Florentine Weiss erregt in Frankfurt Aufsehen - und geht von hier auf die Reise: An den Rändern Europas entlang zeichnet das Kunstwerk die Flüchtlingsrouten nach.

Luftsprünge: Geflügeltes Pferd landet in Frankfurt. Foto: Rolf Oeser

Als am Samstagnachmittag ein weißes Pferd mit Flügeln, an einem Baukran hängend, hinter dem Senckenbergmuseum auftaucht, geht ein Raunen durch die dichtgedrängte Menge, die sich auf der schmalen Terrasse des Senckenberg-Bistros eingefunden hat. Alle schauen gebannt zum Himmel. Handys und Kameras werden gezückt, als der erste Flügel hinter einem Hausdach auftaucht. Ständig sind Klickgeräusche vom Verschluss der Kameras zu hören, während das lebensgroße Präparat mit einer Flügelspannweite von mehr als fünf Metern am Kranhaken auf die Terrasse befördert wird.

Es ist das Werk der Performance-Künstlerin Mia Florentine Weiss und trägt den Titel „Pegasus Project“. Pegasus bezeichnet ein geflügeltes Pferd und stammt aus der griechischen Mythologie. Das Pferd hat die 35-Jährige selbst präpariert, „mit Hilfe der wissenschaftlichen Abteilung des Senckenbergmuseums“, wie sie sagt. Museumsleiter Bernd Herkner freut sich über die Zusammenarbeit. „Wir sind sehr offen, was Kunst angeht“, sagt er zu dem Projekt, das zum Programm „Kultur trifft Natur“ zählt. Das Projekt habe „etwas Mystisches“ an sich – ebenso wie alle beteiligten Menschen.

Flüchtlingsrouten werden nachgezeichnet

Die Gegenstände, die an den Flügeln des präparierten Tieres haften, seien „objets trouvés“: Fundstücke, die die Künstlerin seit ihrem Abitur vor 15 Jahren gesammelt hat und die den „Zustand der apokalyptischen Welt, in der wir leben“, spiegelten. Die Sammlung der Gegenstände ist mit ihrem Interview-Projekt verknüpft, bei dem Weiss Menschen nach ihrem persönlichen Schutzraum befragt. „Es gibt einen guten und einen bösen Flügel“, berichtet die Künstlerin.
Der gute strebe zum Himmel, der andere zum Boden. Die Kopfstellung des Tieres sei hoffnungsvoll. Mehr will sie aber noch nicht verraten.

Denn das Kunstwerk geht erst mal auf eine Reise. Nach der Ankunft im Museum wird es zunächst auf einen Lastwagen, später auf ein Schiff verladen. „Der Pegasus zeichnet die illegalen Flüchtlingsrouten im Mittelmeer nach“, erklärt Kurator Hans-Joachim Petersen. Der rund 4800 Kilometer lange Reiseweg führt durch die Türkei und Griechenland, entlang an den „Rändern Europas“. Das geflügelte Pferd als hybrides Wesen sei als Metapher zu betrachten, das die Schwerkraft und die Möglichkeit, fliegen zu können, in sich vereine. „Das erleben wir auch bei Menschen aus dem afrikanischen Raum, die der Schwerkraft verhaftet sind, in Gedanken aber Flügel schlagen“, so Petersen.

Eine Station des Pegasus wird auch die Biennale Anfang Mai in Venedig sein, wo er als Aufruf gegen humanitäre Katastrophen im Mittelmeer auf einem Boot durch die Kanäle der Stadt gefahren werden soll. Danach werde das Kunstwerk im Palazzo Albrizzi als einem „temporären Schutzraum“ ausgestellt, ehe es ab 12. November wieder im Senckenbergmuseum zu sehen sein wird.

www.art-pegasusproject.com

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