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Seckbach 100 Stundenkilometer auf der Rennpiste

Die neugegründete Aktionsgruppe „Verkehrsberuhigung Wilhelmshöher“ will den Verkehr im Ortskern beruhigen. Dazu soll auch die Grunderneuerung der Wilhelmshöher Straße beitragen, die aber nicht vor 2019 beginnen kann.

Anwohner stören sich vor allem am Durchgangsverkehr. Foto: Andreas Arnold

Wir haben mit fünf Leuten in einer Facebook-Gruppe angefangen“, sagt Andreas Müller-Fehlau. Der 57-Jährige wohnt an der Wilhelmshöher Straße und ärgert sich seit vielen Jahren über den Schwerlastverkehr, der durch den engen Ortskern donnert. Er ist einer von mehr als 60 Anwohner, die am Mittwochabend über die Zustände der Seckbacher Hauptverkehrsader diskutieren. Müller-Fehlau: „Es ist Wahnsinn, wie viele Leute da sind.“

Die Aktionsgruppe „Verkehrsberuhigung Wilhelmshöher“ hat sich Ende vergangenen Jahres gegründet (die FR berichtete). „Die Straße ist lang: Überall sind Stellen, die gefährlich sind“, sagt Initiatorin Bonny Fischer. Sie wohnt in der Heinz-Herbert-Karry-Straße und hat es sich zum Ziel gemacht, den Verkehr zu beruhigen. „Unsere Geduld ist am Anschlag.“

Seit Jahrzehnten setzen sich Bürger und Ortspolitiker für eine Beruhigung ein, denn von der Stadt fühlen sie sich vernachlässigt. Deshalb planen die Anwohner jetzt langfristige Aktionen, etwa den Verkehr zu zählen, Falschparker aufzuschreiben und Banner zu malen. Fischer: „Das wird für Aufmerksamkeit sorgen.“

Auch Andrea Rodriguez gehört zur Gruppe. „Der Stau war schon da, als ich ein Kind war“, sagt die 46-Jährige, die direkt an der Wilhelmshöher Straße wohnt. Das Problem seien die rücksichtslosen Fahrer. So habe ihre Tochter das Haus verlassen und sei fast von einem Auto überfahren worden, das in der Kurve weitere Verkehrsteilnehmer überholt habe.

Am Mittwochabend zeigt sich: Alle Anwesenden können ähnliche Geschichten erzählen. Es sind die Gefahrensituationen, die sie im Teenie-Club Kids Seckbach zusammengebracht haben. „Die Wilhelmshöher ist eine Rennpiste“, sagt eine Anwohnerin. Sie will gesehen haben, dass Autos in der Nacht mit mehr als 100 Stundenkilometern vorbeidonnern.

Bonny Fischer, deren Kinder die Zentgrafenschule besuchen, habe zuletzt viele Kinder an der Wilhelmshöher Straße am Schulranzen packen müssen, damit sie nicht von vorbeirauschenden Lastwagen erwischt werden. „Das betrifft aber nicht nur Kinder“, sagt die 37-Jährige, „sondern alle Menschen, die hier wohnen“.

Damit die Anwohner ihren Ärger ausdrücken können, verteilt die Aktionsgruppe Zettel zum Beschriften, die an die Stadt weitergetragen werden sollen. Andreas Müller-Fehlau notiert: Lärm durch Raser. Beschädigungen am Haus durch Lkw. Schwerlaster aufschreiben und anzeigen. „Den Verkehr werden wir nicht wegbekommen“, glaubt der 57-Jährige. „Wir müssen ihn beruhigen.“

Dazu beitragen soll die Grunderneuerung der Wilhelmshöher Straße. Auf einem 1,3 Kilometer langen Abschnitt zwischen Heinz-Herbert-Karry-Straße und Seckbacher Bitzweg sollen Unterbau, und Fahrbahn ausgetauscht und die Bürgersteige verbreitert werden. Dafür muss die Straße mehrere Meter tief ausgebaggert werden. Die Aktionsgruppe will bei dem Vorhaben mitreden.

Die Vorplanung hatte der für Seckbach zuständige Ortsbeirat 11 im Februar vergangenen Jahres positiv beschieden. Die Stadt starte jetzt eine europaweite Ausschreibung, wie Straßenbauamtsleiterin Michaela Kraft auf Anfrage der FR mitteilt. Sie rechnet damit, dass im vierten Quartal 2018 die Bau- und Finanzierungsvorlage stehe. Von 2019 an könnte dann der Umbau beginnen.

Daran glauben nicht alle: „Es wird kein Konzept geben“, sagt ein Anwohner – es sei denn, die Straße werde komplett gesperrt. „Dass die Wilhelmshöher beruhigt werden soll, höre ich seit 50 Jahren“, sagt ein weiterer. Er hat nur einen Wunsch: „Wir wollen uns auf unserem Trottoir bewegen, ohne um unser Leben fürchten zu müssen.“

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