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Schwesta Ewa Rapperin soll Fans zu Prostitution gezwungen haben

Schwesta Ewa war früher Prostituierte. Nun soll sie junge, weibliche Fans dazu gezwungen haben, Schulden als Prostituierte abzuarbeiten. Die 32-Jährige sitzt in U-Haft.

Rapperin Schwesta Ewa Foto: Peter Jülich

Schwesta Ewas Facebook-Post zeigt zwei junge hübsche Frauen und im Fokus deren nackte Po-Backen. Überhaupt gibt es eine Vielzahl von Po-Bildern – meistens von ihrem eigenen, der halbseitig bis hinunter zum Bein tätowiert ist. Der Eintrag ist vom 11. November. Ihr bislang letzter. Jetzt sitzt die Frankfurter Rapperin Schwesta Ewa in der JVA Preungesheim in U-Haft.

Der Vorwurf, der gegen die 32-Jährige gerichtet wird: Sie soll weibliche Fans wirtschaftlich abhängig gemacht und dann der Prostitution zugeführt haben. Bei den mutmaßlichen Opfern soll es sich um fünf Frauen im Alter zwischen 17 und 19 Jahren handeln. Ein Ermittler sagte gegenüber der Bild-Zeitung, dass die Geschädigten Freiern bei Hotel-Besuchen zugeführt worden seien. Die Vermittlung sei über "einschlägige Internetseiten" erfolgt.

Wie die Zeitung berichtete, soll die Rapperin seit Monaten im Visier der Ermittler gestanden haben. Demnach hätten Fahnder Telefone und ein Fahrzeug abgehört und Bewegungsprofile erstellt haben. 600 Seiten stark sei die Ermittlungsakte, auf Basis derer der Ermittlungsrichter jetzt Haftbefehl gegen Schwesta Ewa erließ. Wie die Bild weiter berichtete, werde ihr Menschenhandel, Zuhälterei und Körperverletzung sowie der Verstoß gegen die Abgabenordnung vorgeworfen. Ihre Verteidigung hat demnach Strafrechtsanwalt Dr. Nicolas Frühsorger aus München übernommen.

Ein Statement von ihrem Plattenlabel „Alles oder Nix Records“ gibt es nicht. Eine halbe Million Fans hat Schwesta Ewa auf Facebook.

Bis 2011 arbeitete Ewa Müller, wie die gebürtige Polin mit bürgerlichem Namen heißt, selbst als Prostituierte. Zwölf Jahre lang. Eine Station war das Frankfurter Bahnhofsviertel im Laufhaus „Rotes Haus“. In Bonn hatte sie in ihrer Zeit als Prostituierte den berühmt-berüchtigten Rapper Xatar kennengelernt, der später bei einem Überfall auf einen Goldtransporter 1,7 Millionen Euro erbeutete und im Gefängnis saß. Inzwischen ist er ihr Labelboss.

Xatar hatte ihr gesagt: „Du hast so eine kräftige Stimme, rap doch mal.“ Ihr erstes Musikvideo „Schwätza“ (2011) hat mittlerweile auf Youtube über sechs Millionen Klicks. Anfang 2015 erscheint ihr erstes Album „Kurwa“ (polnisch für Nutte oder Scheiße), damit schafft sie es auf Platz 11 der Albumcharts.

„Die Musik ist eine Art Therapie“, hat sie damals gesagt. Sie ist sehr zierlich und bei Interview-Treffs sanftmütig, fast so wie eine nette Freundin. Das ist die eine Ewa-Seite.

Aber es gibt auch eine erschreckend grobe: „Spiegel TV“ zeigt eine Szene im Frühjahr 2015, in der sie eine Freundin im Bahnhofsviertel gegen eine Drogensüchtige verteidigt. Mehrmals tritt sie auf die Drogensüchtige ein. Sie selbst sagte mal über diese andere Seite: „Ja, man wird so im Milieu. Ich erschrecke mich manchmal vor mir selbst. Ich komme nicht mit mir klar.“ Sie sieht älter aus, als sie ist. Ihr Leben sieht man ihr an. Sie habe für ewig einen „Puffschaden“, sagt sie. Auch war sie einst cracksüchtig.

In ihren Raps erzählt sie von Freiern, die sie geschlagen haben, oder von der Vergewaltigung einer Freundin, die sie beobachten musste. Ihre Kindheit war laut eigener Aussage „nicht so prickelnd“. Mit ihrer alleinerziehenden Mutter und ihren Brüdern zog sie aus Polen weg nach Kiel, weil der Vater wegen Mordes im Gefängnis saß.

In Kiel lebt sie zunächst im Asylbewerberheim, später im Frauenhaus. Mit 16 fängt sie dann an, als Prostituierte zu arbeiten. Eigentlich wollte sie Ergotherapeutin werden.

Sie habe damals sogar versucht, ihren Realschulabschluss nachzuholen. Aber, so erzählte sie: „Ich bin daran gescheitert, weil ich in der Schule Gras verkauft habe und erwischt worden bin.“ Sie habe zwar mehr männliche Freunde als weibliche. Trotzdem könne sie von Männern keine Hilfe annehmen. „Wenn ein Mann mir die Tür aufhalten möchte, macht mich das aggressiv. Ich kann Männern einfach nicht vertrauen.“

Einen langjährigen Freund hat sie trotzdem. Ihren Lebenstraum formulierte sie so wie im Pretty-Woman-Filmmärchen dargestellt: „In einem schönen Haus mit einem Mann, der mich liebt, wohnen und Kinder bekommen. Das wäre schön.“

Als Prostituierte habe sie 20 000 Euro im Monat verdient. Auf die Frage, was sie mittlerweile verdiene, antwortete sie Anfang 2015: „Ich lebe gut, aber es ist ein finanzieller Rückwärtsgang. Am Anfang war’s schwer. Aber als Absicherung habe ich in Frankfurt meine eigene Bar, die Stoltze-Bar, eröffnet.“

Diese Bar in der Innenstadt ist seit einiger Zeit geschlossen. Noch im Januar hatte sie auf Facebook von Razzien in ihrer Bar berichtet und dann angekündigt: „Das ist eine Bar und kein Puff! Hier wird getrunken und nicht gefickt ! Ich suche Kellnerinnen und keine Huren! Das legale Bordell mache ich erst in zwei bis Monaten auf. Mit Steuer zahlen und so. Keine Angst.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schwesta Ewa

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