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Schulferien Ronja Räubertochter und dieser Akkusativ

Beim Ferienprogramm „Endspurt“ verbessern Frankfurter Viertklässler im Schullandheim Wegscheide ihre Grammatikkenntnisse.

Ferienprogramm
Lernen in häuslicher Atmosphäre und in Socken. Foto: Philip Eichler

Mit welchen Adjektiven würdet ihr Glatzen-Per beschreiben?“, fragt Theaterpädagoge Fabian Guillery. „Halbtot“, schreien einige der Viertklässler. „Hm, ich schreibe mal alt auf“, sagt der Theaterpädagoge. Und welches Adjektiv passt zu Mattis?“ Ein Junge ruft: „wütend“. Ein Mädchen ruft: „aggressiv“. Luka (9) ist da kritisch: „Temperamentvoll meint ihr wohl.“

Die fünf Jungs und acht Mädchen sitzen am Mittwochvormittag entspannt auf Holzbänken. Alle tragen Socken oder Hausschuhe. Ein Mädchen hat seine roten Winnie-Puuh-Pantoffeln an. Im nächsten Raum stehen schon die Betten. Insgesamt sind  102 Frankfurter Kinder im Alter von 9 bis 13 Jahren, auf acht Wohn- und Lerngruppen verteilt, beim Ferienkurs „Endspurt“ der Stiftung Polytechnische Gesellschaft im Schullandheim Wegscheide unweit von Bad Orb dabei. Sechs Tage lang verbessern sie in der letzten Weihnachtsferienwochein heimeliger Atmosphäre ihr Sprachvermögen. Im Mittelpunkt steht bei der zehnten Ausgabe des Kurses Astrid Lindgrens Roman „Ronja Räubertochter“. 

Die meisten der Grundschüler aus 36 Nationen haben bereits am dreiwöchigen Ferienprogramm „Deutsch-Sommer“ teilgenommen. „Der Endspurt ist nochmal eine Auffrischung ihrer Kenntnisse“, erzählt Projektleiterin Monika Bremer – bevor es bald um die Empfehlung für die weiterführende Schule geht. 

Die Betreuung ist intensiv. Pro Gruppe kümmern sich drei Pädagogen um maximal 15 Kinder: eine Deutsch-als-Zweitsprache-Lehrkraft, ein Theater- und ein Sozialpädagoge. Vormittags gibt es Deutschunterricht und Theaterspiel und am Nachmittag Freizeitspaß und noch ein bisschen mehr Theater. Am Ende spielen die Gruppen ihre jeweiligen Theaterversionen von „Ronja Räubertochter“ einander vor.

Im Deutschunterricht liegt der grammatikalische Schwerpunkt auf Dativ- und Akkusativübungen. So stehen in einem der Gruppenhäuser auf verschiedenfarbigen Zetteln die Satzbausteine an der Tafel: Ronja (roter Zettel) riecht (weißer Zettel) den Baum (blauer Zettel). Oder: Birk hört das Räuberlied. Aber nicht nur schreiben die Kinder in ihr Heft, sondern die Lehrerin ruft: „drei, zwei, eins“, und in zehn Sekunden sind die Tische an die Seite geschoben. Für das Besenspiel. 

15 Kinder stehen im Kreis und reichen reihum einen Besen weiter. „Das ist ein Besen, und ich verwandele ihn in ein Mikrofon“, sagt die Lehrerin. Einer der Jungs sagt: „Das ist ein Besen und ich verwandele ihn in...“ Er überlegt kurz: Heißt es eine oder einer? „In eine E-Gitarre.“ Dann haut er in die imaginären Saiten, als wäre er ein Rockstar. Sein Nachbar macht den Besen zur Peitsche. Na klar, mit entsprechend schnalzenden Geräuschen. 

Weiter geht es in der gemütlichen Lese-Ecke mit Astrid Lindgren. Eines der Mädchen stockt beim Wort „Verwünschungen.“ Nicht nur zum Vorlesen ein schweres Wort. Die Pädagogin fragt in die Runde: „Was glaubt ihr, sind es gute oder schlechte Wünsche?“ Die Kinder rufen: „schlechte.“
Romina (11) erzählt, dass sie den Deutschunterricht hier besser findet als in der Schule. „Die Eva erklärt uns alles Schritt für Schritt.“ Ihre Gruppe führt am Theaterabend ein Schattenspiel mit dem Titel „Ronja in Not“ auf. „Deswegen bin ich vor der Premiere auch nicht aufgeregt, denn man sieht mich ja nicht.“ 

Natnael (10) von der Erich-Kästner-Schule in Niederursel mag nicht nur den Unterricht, sondern auch die Freizeitangebote. „Leider habe ich bei der Nachtwanderung die Sternschnuppe verpasst. Ich habe da gerade eine Taschenlampe geholt.“ Nur das frühe Aufstehen in den Ferien um 7.30 Uhr findet er nicht so gut. „Außerdem müssen wir mit dem Bollerwagen das Frühstück für die Gruppe in der Küche holen.“ Laufen ist nicht so seins. Die Küche ist vom Haus fünf Minuten entfernt.

Zurück in Lukas Haus bewegen sich die Kinder zur Musik. Einmal müssen sie stolz wie Ronja, die Räubertochter, gehen. Luka macht da eher den John Travolta. Aber das gut. Den Deutschunterricht findet er „geht so“ spannend, am besten gefällt ihm das Versteckspielen nachts im dunklen Haus. 

Dann gibt es ein Casting. Luka überzeugt als Ronjas bester Freund Birk. Delina (10) besticht allein durch ihre Körperhaltung als Ronja. Auf die Frage, wie ihr der Deutschunterricht hier gefällt, fragt sie verwundert zurück: „Welcher Unterricht?“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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